Paket-Verteilzentrum des Online-Händlers Amazon | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Schwacher Ausblick Amazon pessimistisch für Weihnachten

Stand: 28.10.2022 09:57 Uhr

Wegen der weltweit hohen Inflation erwartet der US-Onlineriese Amazon nur ein geringes Umsatzplus im Weihnachtshandel. Auch das dritte Quartal lief nicht gerade berauschend. Die Aktien brechen ein.

Der weltgrößte Online-Händler Amazon rechnet angesichts von erhöhter Inflation und Rezessionssorgen mit einem überraschend schwachen Weihnachtsgeschäft. Der Konzern stellt für das laufende vierte Quartal - normalerweise das umsatzstärkste - Erlöse von lediglich 140 bis 148 Milliarden Dollar in Aussicht.

Das entspricht einem für Amazons Verhältnisse mauen Wachstum zwischen zwei und acht Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zudem wird der Umsatz deutlich unter den Erwartungen liegen. Analysten hofften bislang auf rund 155 Milliarden.

Aktien auf Talfahrt

Gleichzeitig warnte Amazon wegen steigender Kosten vor einem Gewinneinbruch. Das operative Ergebnis werde für die drei Monate bis Ende Dezember voraussichtlich bei null bis vier Milliarden Dollar liegen - nach 3,5 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Die Aktien brachen im nachbörslichen US-Geschäft heftig ein und verloren 19 Prozent an Wert - so viel wie zuletzt vor gut 16 Jahren. Auf Tradegate fielen die Amazon-Papiere am Morgen zeitweise um mehr als 13 Prozent.

Dämpfer auch in anderen Bereichen

Auch die Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Quartal konnte nicht überzeugen. Obwohl Amazon die Beiträge für die Prime-Mitgliedschaft und andere Gebühren anhob und in diesem Jahr statt einem gleich zwei Sonder-Verkaufsaktionen hatte, blieb der Umsatz mit 127,1 Milliarden Dollar knapp hinter den Erwartungen zurück.

Selbst bei Amazons lukrativer Cloud-Sparte, die Speicherplatz und Onlinedienste für andere Unternehmen anbietet, gab es einen Wachstumsdämpfer. Sie wuchs zwar um 28 Prozent, enttäuschte mit Erlösen von 20,5 Milliarden Dollar aber ebenfalls. Amazon Web Services, das Flaggschiff des Cloud-Geschäfts, steigerte den Umsatz um 27 Prozent auf 20,5 Milliarden Dollar. Im Vorquartal hatte das Wachstum noch bei knapp einem Drittel gelegen. Lediglich der Gewinn lag von Juli bis September mit 2,9 Milliarden Dollar über den Prognosen.

Hohe Inflation schmälert Kaufkraft

Obwohl Amazon angesichts des Inflationsdrucks bei Benzin, Energie und Transport nach eigenen Angaben auf strikte Kostenkontrolle setzt, steigen die Ausgaben stärker als die Einnahmen. Im vergangenen Quartal kletterten die Betriebsausgaben um 18 Prozent auf 125 Milliarden Dollar. Zusätzlich leidet Amazon - wie viele international aufgestellte US-Konzerne - unter dem starken Dollar, der Auslandserlöse nach Umrechnung in heimische Währung verringert.

Ein Grund für den schwachen Ausblick ist zudem die hohe Inflation in vielen Ländern weltweit, die das verfügbare Einkommen vieler Konsumenten schmälert. "Wenn die Menschen es schwer haben, über die Runden zu kommen, dann trifft das den Einzelhandel", sagte Analyst Rob Enderle. Er kritisierte, dass Amazon von Andy Jassy geführt wird, der den Cloud-Anbieter Amazon Web Service (AWS) entwickelt hatte. Amazon sei ein Handelsunternehmen "und ein Cloud-Entwickler sitzt am Ruder".

Als Reaktion auf die trüben Aussichten kündigte der neue Amazon-Chef eine strenge Kostenkontrolle an. Seinem Finanzchef zufolge stellt sich der Konzern auf schwächeres Wachstum ein und hält sich mit Neueinstellungen zurück. Den Ausverkauf bei Amazon-Aktien konnte dies am Abend aber nicht aufhalten.