Ein Amazon-Mitarbeiter baut eine Box zusammen. | REUTERS

Milliardenverlust bei US-Konzern Fast alles läuft gegen Amazon

Stand: 29.04.2022 11:16 Uhr

Der Online-Gigant Amazon wird von den wirtschaftlichen Verwerfungen wegen der Pandemie und des Ukraine-Kriegs mit voller Wucht getroffen. Auch Kunden des US-Konzerns bekommen die Auswirkungen zu spüren.

Bei Amazon machen sich die wirtschaftlichen Probleme in vielen Ländern immer stärker bemerkbar. Im ersten Quartal brach das Betriebsergebnis des Konzerns im Vergleich zum Vorjahr von 8,9 auf 3,7 Milliarden US-Dollar ein. Der Umsatz legte zwar um sieben Prozent auf 116,4 Milliarden Dollar zu, doch das war das schwächste Wachstum seit rund zwei Jahrzehnten.

Offenbar ist das auch die Folge einer verringerten Konsumneigung der Kunden durch die weltweit hohen Inflationsraten. Die Pandemie und der Krieg in der Ukraine hätten zu "ungewöhnlichen Herausforderungen" geführt, sagte Amazon-Vorstandschef Andy Jassy.

Erster Verlust seit 2015

Unter dem Strich verbuchte der Konzern sogar einen Nettoverlust von 3,8 Milliarden Dollar, was allerdings vor allem an einer 7,6 Milliarden Dollar schweren bilanziellen Wertberichtigung an der Beteiligung am Elektroautobauer Rivian lag. Von Rivian will Amazon bis zum Jahr 2030 insgesamt 100.000 vollelektrische Transporter kaufen. Zum ersten Mal seit Jahr 2015 verbuchte Amazon damit in einem Quartal Verluste.

Unter anderem steigende Kosten für Kraftstoff machen dem Konzern aus Seattle zu schaffen, der mittlerweile sogar eine eigene Flugzeugflotte betreibt, immer mehr Pakete über Amazon Logistics ausliefert und sich damit in den vergangenen Jahren zu einer ernsthaften Konkurrenz für DHL, FedEx und Co. entwickelt hat. Trotz höherer Löhne schaffte es Amazon zudem nicht, alle Stellen in seinen Versand- und Logistikzentren zu besetzen.

Elektrischer Amazon-Lieferwagen von Rivian | Amazon

Rivian soll Elektro-Lieferwagen für Amazon liefern. Der Konzern hält knapp 20 Prozent der Anteile an dem Autohersteller. Bild: Amazon

Höhere Kosten für Kunden

Der Konzern reagiert auf die steigenden Energiepreise mit höheren Gebühren für seinen Schnellversand-Service Prime. In den USA steigt der jährliche Preis von 119 auf 139 Dollar. Ferner soll ab dieser Woche ein Treibstoff- und Inflationszuschlag von durchschnittlich fünf Prozent für Händler eingeführt werden, die Amazons Lagerdienste in den USA in Anspruch nehmen. Zumindest in den USA müssen sich Amazon-Kunden damit auf höhere Preise einstellen, wenn sie Produkte bei "Marketplace"-Händlern kaufen, die von Amazon versendet werden.

Ein Lichtblick im abgelaufenen Quartal war dagegen das Cloud-Geschäft Amazon Web Services (AWS), in dem Amazon Internet-Dienstleistungen für andere Unternehmen anbietet. Die Sparte steigerte ihren Umsatz um 37 Prozent auf 18,4 Milliarden Dollar und damit etwas stärker als erwartet.

Schwacher Ausblick

Für das laufende Quartal rechnet der Konzern nur noch mit einem Umsatz in einer Spanne zwischen 116 und 121 Milliarden. Analysten hatten bisher im Schnitt gut 125 Milliarden Euro erwartet. Das Betriebsergebnis soll in einer Spanne zwischen einem Minus von einer Milliarde Dollar und einem Plus von drei Milliarden Dollar liegen. Vor Jahresfrist hatte hier noch ein Plus von 7,7 Milliarden Dollar gestanden.

Die Prognosen für das laufende Quartal zeigen, dass die angekündigten Maßnahmen möglicherweise nicht ausreichen, um die Kostensteigerungen wettzumachen. Amazon-Chef Andy Jassy sagte, der Konzern müsse noch an der Verbesserung seiner Produktivität arbeiten. Es erscheint damit nicht ausgeschlossen zu sein, dass Amazon in Zukunft stärker Roboter in seinen Versandzentren einsetzen wird. Schon seit einiger Zeit erhöht Amazon seinen Automatisierungsgrad insbesondere bei neuen Logistikstandorten.

Anleger reagierten angesichts der Probleme des Konzerns schockiert und schickten Amazon-Aktien nach Börsenschluss in den USA um 8,5 Prozent ins Minus.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. April 2022 um 09:38 Uhr.