Amazon Mitarbeiter im Logistikzentrum Mönchengladbach |

Bitte an US-Regierung Impf-Priorität für Amazon-Mitarbeiter?

Stand: 17.12.2020 12:26 Uhr

Amazon hat die US-Regierung gebeten, seine Mitarbeitenden bei den Corona-Impfungen zu bevorzugen. Unterdessen soll es in deutschen Amazon-Zentren zu Ansteckungen mit dem Coronavirus gekommen sein.

Nach einer Notfallzulassung haben die USA am Montag eine große Impfkampagne gegen die Krankheit Covid-19 gestartet. Ginge es nach Amazon, sollten seine Mitarbeitenden unter den ersten sein, die hier zum Zuge kommen sollen.

In einem Schreiben bat Amazon die US-Regierung, bei der Impfung besonders wichtige Angestellte wie seine Mitarbeitenden in Warenlagern und Datenzentren zu bevorzugen.

Homeoffice keine Alternative

Sie könnten nicht von zu Hause arbeiten, schrieb der hochrangige Manager Dave Clark zur Begründung in einem Brief an die US-Seuchenbehörde CDC, welcher der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Der E-Commerce-Gigant beschäftigt allein in den USA 800.000 Menschen - das ist mehr als die Bevölkerung von Frankfurt am Main.

Mit seiner Forderung steht Amazon derweil nicht allein da: Der Einzelhändler-Branchenverband U.S. National Retail Federation hatte eine ähnlich lautende Bitte eingereicht.

ver.di fordert Eingreifen der Behörden

Unterdessen berichtete die Gewerkschaft ver.di, dass es in den deutschen Sortier- und Versandzentren von Amazon zu Ansteckungen mit dem Coronavirus komme. Allein in dieser Woche seien Dutzende von Infektionen in Garbsen bei Hannover, in Bayreuth und in Borgstedt in Schleswig-Holstein bekannt geworden, teilte die Gewerkschaft mit und forderte ein Eingreifen der Behörden.

Amazon erklärte, für den Konzern habe "die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Mitarbeitenden oberste Priorität". Allein in Deutschland habe Amazon unter anderem "mehr als 470 Millionen Einheiten Händedesinfektionsmittel, 21 Millionen Paar Handschuhe, 19 Millionen Masken, Gesichtsschutz oder anderen Mund-Nasen-Schutz" bestellt. Die Gesundheitsämter hätten Amazon-Gebäude mehrfach besucht und dem Konzern bestätigt, dass er ein "sicheres Arbeitsumfeld" geschaffen habe.

ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger hält dem entgegen: "Die hohe Zahl von insgesamt mehreren Hundert an Covid-19 erkrankten Kolleginnen und Kollegen spricht eine andere Sprache."

Mehr Mathematik und Daten nötig

Tatsächlich müsste man die Zahl der binnen sieben Tagen neu erkrankten Amazon-Mitarbeitenden in einem Versandzentrum durch die Gesamtzahl der Amazon-Angestellten in diesem Zentrum dividieren und anschließend mit 100.000 multiplizieren. Diesen Wert könnte man dann mit der Sieben-Tage-Inzidenz in der Region vergleichen.

Erst dann ließe sich schlussfolgern, ob es in dem Amazon-Zentrum tatsächlich vermehrt zu Corona-Ansteckungen kommt, es also ein Hotspot ist, oder ob die Erkrankungen der Amazon-Mitarbeitenden einfach das Infektionsgeschehen in der Region widerspiegeln.