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US-Onlinehändler Amazon wächst nicht mehr so stürmisch

Stand: 30.07.2021 09:43 Uhr

Die weltweiten Corona-Beschränkungen sorgten bei Amazon für einen beispiellosen Boom. Das ändert sich nun. Am besten läuft für den US-Konzern indes gar nicht das Geschäft mit dem Onlinehandel.

Der Umsatz des weltgrößten Onlinehändlers und Cloudanbieters Amazon ist im zweiten Quartal hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Zudem warnte der Konzern am Abend vor einem schwächeren Wachstum in den Sommermonaten. Grund ist der Wegfall der Corona-Beschränkungen in den vielen Ländern. Angesichts der fortschreitenden Impfkampagnen rund um den Globus hätten immer mehr Einzelhändler ihre Geschäfte wiedereröffnet, weshalb die Menschen weniger online einkauften, so der Konzern. Auch der Wegfall der Ausgehbeschränkungen trage dazu bei, dass der stationäre Handel gestärkt werde, die Online-Einkäufe dagegen abnähmen. Deshalb soll der Umsatz im laufenden dritten Quartal "nur" noch um 10 bis 16 Prozent wachsen - nach einem Plus von 27 Prozent im Frühjahr.

Die Warnung kam an der Börse schlecht an: Amazon-Aktien fielen um sieben Prozent, nachdem sie sich seit dem Frühjahr 2020 nahezu verdoppelt hatten. Zwar lag der Umsatz zum dritten Mal in einem Vierteljahr über der Marke von 100 Milliarden Dollar (nämlich bei 113 Milliarden), aber Branchenbeobachter hatten noch etwas mehr erwartet. Zufrieden zeigten sie sich mit dem Gewinn: Der stieg im Jahresvergleich um 50 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar.

Cloud-Computing ist profitabelste Sparte

Das stärkste Wachstum erzielte Amazon nicht im Online-Handel, sondern - wie bereits in der Vergangenheit - mit einer in der Öffentlichkeit weniger bekannten Sparte: dem Cloud-Computing. Damit ist die Nutzung von Daten über das Internet gemeint, die nicht vor Ort auf lokalen Rechnern vorgehalten werden. Diese seit Jahren boomende Sparte mit dem Namen AWS ("Amazon Web Services") hat im abgelaufenen Quartal ihre Erlöse um 37 Prozent auf 14,8 Milliarden Dollar gesteigert. Zudem ist AWS der profitabelste Geschäftsbereich des Konzerns. Hier werden 60 Prozent des Vorsteuergewinns von Amazon erwirtschaftet, obwohl der Umsatz nur 13 Prozent zum Konzernumsatz beiträgt. Schätzungen zufolge beträgt der Marktanteil von AWS inzwischen gut 30 Prozent. Damit zieht die Sparte in etwa gleich mit dem US-Konzern Microsoft, der als Marktführer im Cloud-Computing gilt, gefolgt von AWS und Google.

Der neue Amazon-Chef Andy Jassy hat sich zum Ziel gesetzt, Microsoft zu überholen und unangefochtener Marktführer zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, hat er sich auf eine Partnerschaft mit dem Cloud-Spezialisten Salesforce aus San Francisco geeinigt. Gemeinsam treiben die Konzerne die weltweite Expansion voran. Ab 2023 soll Cloud-Computing auch für Amazon-Kunden in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Israel verfügbar sein.

Keine Impfpflicht für die Mitarbeiter

Im zweiten Quartal hinkte das Umsatzwachstum der Sparte allerdings dem der Konkurrenten Microsoft und Google hinterher. Dass dieses Geschäft für Amazon von zentraler Bedeutung ist, zeigt nach Ansicht von Branchenbeobachtern die Berufung ihres langjährigen Chefs Andy Jassy zum Nachfolger von Konzerngründer Jeff Bezos. Der 53-jährige Jassy hatte am 5. Juli das Ruder von Amazon übernommen und damit Bezos nach 27 Jahren an der Spitze abgelöst.

Jassy arbeitet seit 1997 für Amazon und ist einer der dienstältesten Führungskräfte des Konzerns. Zudem gilt er als ein enger Vertrauter von Jeff Bezos. Der hatte im Februar seinen Rückzug aus dem Tagesgeschäft von Amazon angekündigt.

Oberste Priorität hat für den Konzern in diesen Wochen noch ein ganz anderes Thema: Ähnlich wie Google und Facebook hat sich Amazon zum Ziel gesetzt, alle Mitarbeiter zu impfen. Eine Impfpflicht soll es nach Angaben des Konzerns aber nicht geben.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. Juli 2021 um 07:38 Uhr.