Ein Arbeiter steht am Fließband. | REUTERS

Aktie schießt nach oben Amazon steigert Gewinn kräftig

Stand: 04.02.2022 09:41 Uhr

Während der lokale Einzelhandel in der Pandemie teils ums Überleben kämpft, profitiert der US-Konzern Amazon weiter von der Bestellfreude der Kunden. An der Börse kommen vor allem eine Preiserhöhung und das boomende Cloud-Geschäft gut an.

Im abgelaufenen Weihnachtsquartal hat der weltgrößte Onlinehändler Amazon glänzende Geschäfte gemacht, auch wenn steigende Kosten das Ergebnis etwas eintrüben. Der Umsatz kletterte um neun Prozent auf 137,4 Milliarden Dollar - damit setzt Amazon in diesem Quartal in etwa so viel um, wie die beiden DAX-Konzerne SAP und BMW im Jahr 2020 zusammengerechnet. Der Umsatz pro Amazon-Prime-Mitglied legte nach Angaben des Finanzvorstands Brian Olsavsky während der Pandemie deutlich zu.

Unter dem Strich blieben beim Technologie-Konzern im vierten Quartal 14,3 Milliarden Dollar Nettogewinn hängen. Das entspricht etwa 12,5 Milliarden Euro und ist fast doppelt so viel wie vor einem Jahr. Allerdings ist hierbei ein bilanzieller Sondereffekt zu berücksichtigen.

Der wesentliche Grund für den starken Anstieg war vor allem Amazons Beteiligung am Elektroautobauer Rivian, durch die der Konzern bei dessen Börsengang im November einen hohen Sondererlös in der Bilanz verbuchen konnte. Das operative Ergebnis spiegelt die Geschäftsentwicklung zutreffender. Es ging um fast die Hälfte auf 3,5 Milliarden Dollar zurück.

Milliardenschwere Zusatzausgaben

Das Minus hängt vor allem mit deutlich gestiegenen Kosten zusammen, die das Amazon-Management mit dem hohen Bedarf an Personal und hohen Investitionen in die Lieferlogistik begründet. "Wie erwartet, hatten wir höhere Kosten, angetrieben durch Engpässe am Arbeitsmarkt und Inflationsdruck", erklärte Amazon-Vorstandschef Andy Jassy im Geschäftsbericht. Diese Probleme dürften aufgrund der grassierenden Omikron-Virusvariante auch im laufenden Vierteljahr anhalten.

"Trotz dieser kurzfristigen Herausforderungen bleiben wir optimistisch", so der Top-Manager. Amazon hatte Anleger vor drei Monaten bereits vor milliardenschweren Zusatzausgaben aufgrund von höheren Löhnen, weltweiten Problemen in den Lieferketten und gestiegenen Frachtkosten gewarnt.

Hochprofitables Cloudgeschäft

Auffällig beim aktuellen Geschäftsbericht ist der große Anteil des offenbar hoch profitablen Cloudgeschäfts am Gewinn, also des Geschäfts mit externem Speicherplatz und Anwendungen. Grund dafür sind der Trend zum Homeoffice sowie das in der Pandemie ebenfalls sehr gefragte Entertainment in Form von Computerspielen. Die Sparte AWS steigerte die Erlöse im Quartal um 40 Prozent auf 17,8 Milliarden Dollar und schaffte einen überraschend hohen Gewinn von 5,3 Milliarden Dollar.

Im gesamten abgelaufenen Geschäftsjahr steigerte Amazon den Umsatz insgesamt um knapp 22 Prozent auf 469,8 Milliarden Dollar. Das Betriebsergebnis nahm um knapp neun Prozent auf 24,9 Milliarden Dollar zu.

Amazon Prime wird teurer

Zumindest die US-Konsumenten müssen sich auf höhere Preise für den Dienst "Amazon Prime" einstellen. Erstmals seit 2018 wird der Konzern die Preise erhöhen. Der Service, der unter anderem Zugang zu kostenlosem Versand und Streaming-Diensten bietet, wird deutlich teurer: US-Neukunden sollen ab 18. Februar 14,99 Dollar statt 12,99 pro Monat und 139 Dollar statt 119 pro Jahr zahlen. Für bestehende Kunden greifen die neuen Tarife im März.

Außerhalb der USA sind laut Amazon zunächst keine höheren Preise geplant. In Deutschland ist das "Prime"-Abo mit 69 Euro pro Jahr oder 7,99 Euro pro Monat bislang deutlich günstiger als in den USA. Weltweit gibt es etwa 200 Millionen Mitglieder.  

Eine Gewerkschaft bei Amazon?

Allein im vierten Quartal heuerte der inzwischen zweitgrößte US-Arbeitgeber hinter Walmart rund 140.000 Mitarbeiter an. Insgesamt hat Amazon weltweit nach eigenen Angaben mittlerweile mehr als 1,6 Millionen Beschäftigte.

Ab diesem Freitag kommt es bei dem Online-Riesen zu einem weiteren Votum über eine Gewerkschaftsvertretung. Vom 4. Februar bis zum 25. März können die Beschäftigten eines Logistiklagers in Bessemer in Alabama erneut abstimmen, ob sie sich der Gewerkschaft RWDSU anschließen.

Sollten die Mitarbeiter sich dafür aussprechen, würde erstmals eine US-Gewerkschaft Einzug bei Amazon erhalten. Eigentlich war die Initiative vor einem Jahr bereits gescheitert. Doch die US-Arbeitsschutzbehörde NLRB befand, dass Amazon die Wahl unzulässig beeinflusst habe und lässt deshalb erneut abstimmen.

Am Aktienmarkt kamen die Amazon-Zahlen und die geplante Preiserhöhung blendend an. Nachbörslich stiegen die Papiere um bis zu 18 Prozent. Auch der DAX dürfte Marktbeobachtern zufolge von der starken Präsentation des Konzerns profitieren.    

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Februar 2022 um 12:00 Uhr.