Allianz-Schriftzug an einer Filiale des Versicherungskonzerns

Teurer US-Vergleich Hedgefonds-Verluste kosten Allianz Milliarden

Stand: 18.02.2022 08:30 Uhr

Ein Debakel mit riskanten Finanzanlagen in den USA überschattet ein Rekordjahr der Allianz. Europas größter Versicherer muss in einem Vergleich fast vier Milliarden Dollar zahlen - es könnten mehr werden.

Ein Rechtsstreit in den USA wird für den im DAX notierten Versicherungskonzern Allianz teuer: Das Management legte für Vergleiche mit Großanlegern seiner Tochter Allianz Global Investors (AGI) und mit Blick auf Gespräche mit US-Behörden 3,7 Milliarden Euro zurück, teilte die Allianz mit. Allerdings rechnet der Vorstand mit weiteren Belastungen, bevor die Angelegenheit komplett abgeschlossen ist. Wann dies der Fall sein wird, ist unklar.  

US-Investoren hatten mit Hedgefonds von AGI zu Beginn der Corona-Krise Milliarden verloren und den Konzern auf mehr als sechs Milliarden Dollar verklagt. Die Anlagetochter hatte in den USA "Structured Alpha"-Hedgefonds entwickelt und vor allem an große US-Pensionsfonds verkauft, die an eine sichere Anlage glaubten.

Mit zusätzlichen Belastungen ist zu rechnen

Doch als die Märkte im März 2020 wackelten, mussten sie milliardenschwere Verluste hinnehmen. Etwa 25 Investoren haben die Allianz verklagt, weil sie mit den angeblich krisensicheren Papieren einen Großteil ihres Einsatzes verloren hatten. Ihr Vorwurf lautet, die Fondsmanager seien angesichts der zeitweiligen Panik an den Märkten von ihrer Investmentstrategie abgewichen. Auch die US-Aufsichtsbehörden hatten sich mit dem Fall befasst.

Vorstandschef Oliver Bäte drängte auf eine baldige Beilegung der Klagen, um die Allianz vor weiterem Rufschaden zu bewahren. "Die bevorstehenden Vergleichsabschlüsse bilden einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer Beendigung aller Verfahren", teilte die Allianz mit. Mit weiteren Klägern sowie dem US-Justizministerium und der US-Börsenaufsicht SEC werde aber noch verhandelt. Deshalb sei "mit zusätzlichen Belastungen zu rechnen, bevor diese Verfahren endgültig abgeschlossen werden können".

Operatives Rekordergebnis

Weil das operative Geschäft der Allianz aber besser läuft als gedacht, kann die Allianz die Milliardenzahlung gut verkraften. Der Gewinn ging im vergangenen Jahr nur um drei Prozent auf 6,6 Milliarden Euro zurück, obwohl die Rückstellung für die Hedgefonds-Verluste netto mit 2,8 Milliarden Euro zu Buche schlug.

Das war unter dem Strich zwar der niedrigste Gewinn seit 2013. Operativ schnellte das Ergebnis des Versicherers aber um ein Viertel auf den Rekordwert von 13,4 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es noch 10,8 Milliarden. "Trotz anhaltender Herausforderungen im Jahr 2021 hat die Allianz ihre Widerstands- und Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt", sagte Vorstandschef Bäte.

Dividende wird erhöht

Im Jahr 2021 warfen alle Geschäftsbereiche der Allianz im Tagesgeschäft mehr ab als im ersten Corona-Jahr 2020. Diesmal steckte sie die verheerenden Zerstörungen durch die Flutkatastrophe weg, die Deutschland und mehrere Nachbarländer im Juli getroffen hatte. Ein Rückgang der Basisschäden und die Auflösung von Schadenreserven hätten die gestiegenen Belastungen durch Naturkatastrophen ausgeglichen, hieß es.

Glänzend lief es auch im Fondsgeschäft der Konzerntöchter Pimco und AGI, wenn man die Milliardenbelastungen durch den laufenden Rechtsstreit ausklammert. So schoben Anleger netto über 110 Milliarden Euro an frischem Geld in die Fonds der beiden Allianz-Gesellschaften. Das für Dritte verwaltete Vermögen wuchs von Ende 2020 bis Ende 2021 um rund 15 Prozent auf fast 1,97 Billionen Euro. Das operative Ergebnis der Sparte legte um 22 Prozent auf rund 3,5 Milliarden Euro zu.

Die Allianz-Dividende soll kräftig um 1,20 auf 10,80 Euro je Aktie erhöht werden. Daneben will die Allianz auch in diesem Jahr eigene Aktien zurückkaufen und damit bis zu eine Milliarde Euro Kapital an die Anteilseigner zurückgeben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Februar 2022 um 12:00 Uhr.