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Drohende Milliardenklagen US-Anleger zerren Allianz vor Gericht

Stand: 01.10.2021 14:39 Uhr

Nach milliardenschweren Verlusten mit Anlageprodukten der Allianz-Tochter AGI klagen US-Anleger auf Schadenersatz. Die zuständige Allianz-Vorständin wird freigestellt für neue Konzernaufgaben.  

Etwa 25 institutionelle Investoren in den USA, darunter Pensionsfonds für Staatsbedienstete, haben die Allianz auf sechs Milliarden Dollar verklagt. Der Grund: Sie hatten im Frühjahr 2020 mit den riskanten, aber angeblich krisensicheren Papieren der Allianz-Vermögensverwaltung AGI einen Großteil ihres Einsatzes verloren. Die "Structured Alpha Fonds" verloren bis zu drei Viertel des Wertes, als die Märkte im ersten Corona-Schock im März 2020 in die Knie gingen. Zwei Fonds im Volumen von 2,3 Milliarden Dollar wurden liquidiert.

Die Allianz muss sich nun mit mindestens zwölf Klagen gerichtlich auseinandersetzen. Die Richterin Katherine Polk Failla im New Yorker Stadtteil Manhattan ließ jetzt diese Klagen zu, darunter zwei Sammelklagen im Volumen von vier Milliarden Dollar.

"Bessere Werbebroschüre"

Konkret lautet ein Vorwurf der Investoren, dass die Fondsmanager stillschweigend Absicherungen gegen Verluste aufgelöst hätten. Im Ergebnis würde das bedeuten, dass sie größere Risiken eingegangen seien als vereinbart war. Die Allianz hingegen stellt sich auf den Standpunkt, dass es sich bei den Kunden um erfahrene institutionelle Anleger handle, denen die Risiken von Hedgefonds bekannt seien.

In der 81-seitigen Entscheidung schrieb Bezirksrichterin, die Investoren müssten nachweisen, dass die Vermögensverwaltungs-Tochter Allianz Global Investors (AGI) bei der Steuerung der "Structured Alpha Fonds" nachlässig und nicht im guten Glauben gehandelt habe. Failla erklärte, die Kläger könnten zu belegen versuchen, dass die Allianz gegen die Angaben in ihren Verkaufsunterlagen für die Hedgefonds verstoßen habe.

Das Management von AGI habe argumentiert, dabei handle es sich um eine "bessere Werbebroschüre", von der die Allianz nach eigenem Gutdünken abweichen habe könne, schrieb die Richterin. Die Verluste haben auch die Aufsichtsbehörden in den USA und Deutschland und das US-Justizministerium auf den Plan gerufen.

Vorständin gibt Posten ab

Die Milliardenforderungen gegen die Allianz ziehen personelle Konsequenzen nach sich: Jacqueline Hunt, im Allianz-Vorstand zuständig für die Vermögensverwaltung, verliert ihren Posten. Die 53-Jährige, die seit 2016 für das Asset Management zuständig war, wolle sich aus dem Tagesgeschäft zurückziehen, teilte die Allianz nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Hunt werde künftig als "strategische Beraterin" von Allianz-Chef Oliver Bäte tätig sein.

"Jacqueline Hunt hatte schon vor einiger Zeit ihre Bereitschaft für einen Wechsel signalisiert", sagte Bäte. Um die Asset-Management-Sparte mit den Vermögensverwaltern Pimco und AGI kümmert sich ab sofort der Vorstandschef der wichtigsten Tochter Allianz Leben, Andreas Wimmer.  

Vermögen in Billionenhöhe verwaltet

Die Allianz ist mit ihren Tochtergesellschaften Pimco und AGI einer der größten Vermögensverwalter der Welt. Insgesamt verwalten sie für ihre Kunden 2800 Milliarden Dollar. Spitzenreiter der Branche ist der US-Konzern BlackRock, der rund 9000 Milliarden Dollar an den Finanzmärkten anlegt. Das ist mehr als doppelt so viel wie das deutsche Bruttoinlandsprodukt des Jahres 2020, das bei etwa 3800 Milliarden Dollar lag. BlackRock ist hierzulande einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden, weil der CDU-Politiker Friedrich Merz den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschland-Tochter bekleidet hatte.