In Plastiktüten verpackte Äpfel bei Aldi | picture alliance / Eibner-Presse

Nachhaltigkeitsstrategie Aldi will jetzt auch recyceln

Stand: 07.10.2021 08:38 Uhr

Vor kurzem gab Aldi die Zusammenarbeit Interseroh+ bekannt, im Januar 2022 soll die Kooperation beim Recyceln losgehen. Damit steigt Aldi nach Lidl ebenfalls ins Müllgeschäft ein.

Lilli Hiltscher

Von Lilli Hiltscher, tagesschau.de

Die beiden Konzernschwestern Aldi Süd und Aldi Nord haben einen neuen Partner: Ab 2022 will das Discounter-Duo mit der Alba-Tochter Interseroh+ aus Köln zusammenarbeiten, um Verpackungen zu recyceln. Damit folgt Aldi dem Konkurrenten Lidl, der bereits seit einigen Jahren auch im Recycling-Geschäft tätig ist.

"Es ist schon ein bemerkenswerter Schritt, den Aldi damit geht. Es könnte die gesamte Branche umkrempeln", sagt Henning Wilts vom Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie. Denn der Konzern ändert damit seine bisherige Strategie: Erst im vergangenen Jahr hatte Aldi einen Entsorgungsvertrag mit der Remondis-Tochter Eko-Punkt geschlossen. Diese verliert nun nach gerade einmal zwölf Monaten ihre beiden größten Kunden, die zusammen etwa 12,5 Prozent der Lizenzmengen ausmachen, an die Alba-Gruppe.

Lidl ist Vorreiter beim Recycling

Nach dem Verpackungsgesetz müssen die Händler sicherstellen, dass die Verpackungen gesammelt und recycelt werden. Hintergrund war die 1991 in Kraft getretene Verpackungsverordnung, die die Wirtschaft erstmals verpflichtete, in Umlauf gebrachte Verpackungen nach Gebrauch zurückzunehmen und einer Verwertung zuzuführen. In Deutschland haben die meisten Einzelhändler deshalb Recyclingverträge mit dualen Systemen. Von diesen gibt es auf dem deutschen Markt zehn Stück, teilweise sind sie extrem klein und unterbieten sich stark im Preis. "Früher waren die Discounter froh, wenn sich jemand anderes um den Müll gekümmert hat. Das ändert sich nun", so der Fachmann. Damit könnten über kurz oder lang einige dieser kleinen dualen Systeme verschwinden, die international ohnehin unbedeutend sind.

Bisher war Lidl der einzige Discounter, der Abfallentsorgung und -recycling selbst in die Hand nahm. Der Konzern kaufte vor einigen Jahren einen Recycler und konnte damit eine Kreislaufwirtschaft aufbauen. Davon kann der Aldi-Konkurrent profitieren - ihm dienen die Recyclingprodukte als Grundstoffe für die Verpackungen der Eigenmarken. "Das Konzept scheint aufzugehen. Denn Lidl kann damit sehr leicht sicherstellen, dass die neuen Verpackungen auch tatsächlich nachhaltig hergestellt werden - aus selbst recycelten Produkten", erklärt Wilts.

Das hat für Lidl auch finanzielle Vorteile. Denn wer verspreche, Verpackungen aus recyceltem Material herzustellen, zahle meist drauf, so der Fachmann: "Eine Tonne recyceltes PET kostet tatsächlich deutlich mehr als neues PET." Darum sei es vor allem unter dem Aspekt der immer wichtiger werdenden Nachhaltigkeit nötig, bei der Abfallwirtschaft umzudenken. Und hinzu kommt, dass die Preise für Rohstoffe in den kommenden Jahren eher steigen als sinken werden und damit langfristig auch die Kosten für Verpackungsmaterialien steigen.

Strategische Partnerschaft

Allerdings geht Aldi den vorsichtigeren Weg als der Konkurrent. Denn Aldi kauft keinen Recycler, um die Kreislaufwirtschaft im eigenen Konzern zu bündeln, sondern beginnt mit Interseroh+ "eine strategische Partnerschaft". Die Schwesterunternehmen werden bei der Partnerschaft mit dem Kölner Unternehmen im Hintergrund bleiben.

Dies soll Aldi einen privilegierten Zugang zu Sortier- und Recyclinganlagen gewähren. Außerdem hat der Konzern dadurch den Zugriff auf begehrte Sekundärrohstoffe. "Der Zugriff auf Sekundärrohstoffe eröffnet uns neue Geschäftsfelder und bringt uns Unabhängigkeit", erklärt Kashif Ansari, Chief Strategy Officer (CSO) bei Aldi Nord. Wie Interseroh+ beschreibt, sei der zentrale Recycling-Ansatz der Firma, "überall wo möglich die gesammelten Verpackungen wieder zu neuen Verpackungen und Produkten" zu verarbeiten. Damit wolle man dafür sorgen, dass die gesetzlichen Vorgaben erfüllt werden, die das Verpackungsgesetz vorschreibt.

Aufbau eines Wertstoffkreislaufs

Interseroh+ sei im Mai eigens aus Interseroh ausgegründet worden, um Entsorgungskunden wie Aldi zu Mitgesellschaftern machen zu können, bestätigte ein Sprecher der Konzernmutter Alba Group gegenüber dem "Handelsblatt". Aldi selbst bezeichnet die Partnerschaft in einer Pressemitteilung als ersten Schritt: "Weitere Themen wie Verpackungsdesign und Verpackungsinnovationen sind gemeinsam mit Interseroh+ geplant."

Branchenexperte Wilts hält das für sinnvoll: "Interseroh hat angekündigt, Aldi auch bei dem Aufbau einer Kreislaufwirtschaft unterstützen zu wollen. Das heißt, man findet gemeinsam Antworten auf Fragen wie 'Wo müssen wir die Verpackungen sammeln?' und 'Wie müssen die Verpackungen aussehen, damit man sie gut recyceln kann?'" So lasse sich durch die Zusammenarbeit sicherstellen, dass Aldi die gekauften Rohstoffe auch wieder zurück bekomme und selbst nutzen könne.

Bis Ende 2022 wollen die Aldi-Discounter alle Eigenmarken-Verpackungen recyceln. Außerdem sollen bis Ende 2025 alle Kunststoffverpackungen der Eigenmarken aus mindestens 30 Prozent recycelten Materialien stammen.

Über dieses Thema berichtete DeutschlandfunkNova am 08. Oktober 2021 um 07:06 Uhr.

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Moderation 07.10.2021 • 14:55 Uhr

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