Airbus A350, Qatar Airways | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Airbus und Qatar-Airways Lackschaden-Streit eskaliert

Stand: 21.01.2022 14:46 Uhr

Der Streit zwischen Airbus und Qatar Airways über Lackschäden am Modell A350 wird unerbittlicher: Als Reaktion auf eine hohe Schadenersatzforderung der Fluglinie kündigt der Flugzeugbauer einen Auftrag.  

Der Streit zwischen dem europäischen Flugzeugbauer Airbus und Qatar Airways über Lackschäden an Airbus-A350-Flugzeugen geht in die nächste Runde. Der Flugzeugbauer annullierte eine separate Bestellung der Fluggesellschaft über 50 Maschinen vom Typ A321neo. Mit der Verweigerung der Lieferung wehrt sich Airbus auch außergerichtlich gegen einen seiner wichtigsten Kunden.

Denn wegen Lackschäden an Airbus A350-Maschinen hatte die katarische Fluggesellschaft Klage beim High Court in London eingereicht und fordert eine Entschädigung von 618 Millionen Dollar. Qatar Airways hatte wegen der bemängelten Probleme an der Oberflächenbeschichtung einen Teil seiner mehr als 50 Maschinen der A350-Reihe außer Betrieb genommen. Bereits im Juni wurde die Abnahme bestellter Jets ausgesetzt.

Sicherheitsrisiko oder nicht?

Die Luftfahrtbehörde von Katar betrachtet die Schäden als Sicherheitsrisiko und hatte die Airline angewiesen, 21 ihrer insgesamt 53 Maschinen dieses Typs am Boden zu lassen. Airbus hatte Abnutzungserscheinungen eingeräumt, Sicherheitsrisiken aber verneint. Airbus-Programmchef Philippe Mhun betonte, die Probleme seien nicht sicherheitsrelevant. Für das Landeverbot gebe es "keine vernünftige Grundlage", hieß es in am Donnerstag veröffentlichten Dokumenten von Airbus zur Vorbereitung einer Anhörung vor dem Gericht.

Airbus warf dem Kunden vor, die Sicherheitsbedenken nur vorzuschieben. Die staatliche Airline Qatar Airways habe das Landeverbot vielmehr veranlasst oder geduldet, weil es angesichts der von der Pandemie beeinflussten Nachfrage in seinem wirtschaftlichen Interesse liege, die Flugzeuge am Boden zu halten, machte Airbus geltend.

Sechs Milliarden Dollar Bestellwert

Ende April soll in London weiter über die Schadenersatzklage verhandelt werden. Die geforderte Summe könnte mit der A321neo-Kündigung durch Airbus noch steigen. Die Fluggesellschaft hatte den Auftrag über diese Maschinen vor zehn Jahren erteilt. Die Airline wollte damit neue Strecken anbieten, auf denen sie große Jets noch nicht füllen kann, die aber zu weit für die kleinere A320 sind. Die erste Auslieferung war für Februar 2023 geplant.

Airbus könnte nach Einschätzung von Experten schnell andere Käufer für den stark nachgefragten Typ A321neo finden, während die Corona-Pandemie das Interesse am Langstreckenjet A350 weiter einbrechen ließ. Die 50 A321neo-Maschinen haben einen Bestellwert von mehr als sechs Milliarden Dollar.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. Januar 2022 um 16:55 Uhr in den Nachrichten.