"Adler Real Estate"-Logo an der Front eines Neubaus.  | imago images/Achille Abboud

Plan für Adler Real Estate Adler nimmt deutsche Tochter von der Börse

Stand: 24.06.2022 10:07 Uhr

Der Immobilienkonzern Adler Group will seine krisengeschüttelte deutsche Tochter Adler Real Estate komplett übernehmen, die übrigen Aktionäre hinausdrängen und anschließend von der Börse nehmen.

Die in juristischen Turbulenzen steckende Immobiliengesellschaft Adler Real Estate soll von der Börse genommen werden. Zu diesem Zweck habe die mit 96,7 Prozent an Adler Real Estate beteiligte luxemburgische Muttergesellschaft Adler Group ein sogenanntes Squeeze-out-Verfahren beantragt, bei dem alle übrigen Aktionäre zwangsweise abgefunden werden, teilten beide Firmen gestern Abend mit.

Unter einem Squeeze-out versteht man ein aktienrechtliches Verfahren. Dabei zwingt der Mehrheitsaktionär einer Gesellschaft, der mindestens 95 Prozent der Anteile halten muss, die verbliebenen Minderheitsaktionäre dazu, ihm ihre Anteile gegen Barabfindungen zu überlassen. Zum Schlusskurs von gestern würden diese nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters knapp 19 Millionen Euro kosten.

Zur Begründung dieses Verfahrens teilte das Management der Adler Gruppe mit, die Komplettübernahme sei ein wichtiger Meilenstein im laufenden Integrationsprozess. Außerdem solle die Konzernstruktur vereinfacht werden.

BaFin prüft die Bilanzen

Erst am Mittwoch hatte die Finanzaufsicht BaFin ihre Prüfung der Bilanzen von Adler Real Estate auf das Jahr 2021 ausgeweitet. Zuvor hatten die Wirtschaftsprüfer von KPMG die Richtigkeit der Bilanzen der Adler Group und ihrer deutschen Tochter von 2021 nicht bestätigen wollen.

Die BaFin habe demnach Anhaltspunkte dafür, dass "Beziehungen und Geschäftsvorfälle mit nahestehenden Personen oder Unternehmen" in der Bilanz des Berliner Unternehmens "möglicherweise nicht vollständig und richtig erfasst und abgebildet" wurden.

Die Finanzaufsicht kann nur die Bilanzen von Unternehmen mit Sitz in Deutschland prüfen, die börsennotiert sind. Bei der Adler Group wäre das die Aufgabe der luxemburgischen Aufsicht. Am Dienstag hatte bereits die Adler-Tochter Consus ihren Rückzug von der Börse angekündigt.

"Kein systematischer Betrug"

Ausgelöst wurden die Turbulenzen bei Adler Real Estate durch Vorwürfe der Gesellschaft Viceroy des Leerverkäufers Fraser Perring, bei Adler gebe es bei der Bewertung von Immobilien Mängel. Diese seien teils künstlich überhöht worden.

Die Prüfer der KPMG Forensic hatten die Vorwürfe untersucht und erklärt, sie hätten keinen systematischen Betrug, wohl aber Defizite festgestellt, und das Fehlen wichtiger Informationen moniert. Fraser Perring ist durch seine frühen Vorwürfe gegen den inzwischen insolventen Finanzdienstleister Wirecard bekannt geworden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Juni 2022 um 09:05 Uhr.