"Adler Real Estate"-Logo an der Front eines Neubaus.  | imago images/Achille Abboud

Immobilien-Unternehmen Adler Group in schweren Turbulenzen

Stand: 02.05.2022 14:59 Uhr

Die Krise der Adler Group hat sich dramatisch zugespitzt. Wirtschaftsprüfer haben das Testat für die Jahreszahlen des Immobilieninvestors verweigert, die Aktie stürzt ab. Das verbliebene Management verspricht einen Neuanfang.

Mehr als 40 Prozent verliert die im Kleinwerteindex SDAX notierte Aktie der Adler Group. Damit erreicht die Krise des mit schweren Vorwürfen konfrontierten Immobilieninvestors einen neuen Höhepunkt. Am Samstag waren mehrere Mitglieder des Managements zurückgetreten, nachdem sich die Wirtschaftsprüfer von KPMG am Freitagabend außer Stande gesehen hatten, ein Prüfungsurteil für die Geschäftszahlen 2021 abzugeben.

Eine solche Testatsverweigerung ist ein schwerwiegender Vorgang. Auch die Begründung der Wirtschaftsprüfer lässt aufhorchen. So habe sich das Management geweigert, ihnen Zugang zu bestimmten Informationen über verbundene Unternehmen und Personen zu gewähren.

Angesichts nicht ausreichender "Nachweise über die Identifizierung und Offenlegung von verbundenen Parteien und wesentlichen Transaktionen und Kontensalden von verbundenen Parteien" hätten die Prüfer mehrere Buchungen nicht auf ihre Angemessenheit prüfen können.

Milliardenverlust ausgewiesen

Am Samstag legte das Unternehmen dennoch die untestierten Jahreszahlen vor, um seiner Berichtspflicht fristgemäß nachzukommen. Darin weist die Adler Group, die ihren juristischen Sitz in Luxemburg hat, einen Verlust von knapp 1,2 Milliarden Euro aus, nach einem Gewinn von 191 Millionen Euro vor einem Jahr. Der Verlust resultiert vor allem aus Abschreibungen auf das Immobilienunternehmen Consus.

Mit der Stellungnahme von KPMG rücken die Vorwürfe der britischen Investmentfirma Viceroy aus dem vergangenen Oktober wieder in den Fokus. Hinter Viceroy steht der Leerverkäufer Fraser Perring, der auch den inzwischen insolventen Finanzdienstleister Wirecard früh mit Veröffentlichungen unter Druck gesetzt hatte.

Viceroy hatte dem Unternehmen unter anderem vorgeworfen, die Bilanz durch übertriebene Bewertung von Immobilienprojekten künstlich aufgebläht zu haben. Außerdem ziehe das Management Geld aus übernommenen Firmen ab. Von diesen Machenschaften profitiere eine Gruppe aus Gesellschaftern und Managern bei Adler und im Umfeld des Konzerns, so Viceroy. Letztlich werde die Adler Group von diesem verborgenen Netzwerk gesteuert.

"Keine Beweise für systematischen Betrug"

Adler hatte die Vorwürfe wiederholt vehement zurückgewiesen. Wegen der Vorwürfe war KPMG mit einer Sonderuntersuchung beauftragt worden. Am 21. April hatte die Adler Group nach Abschluss der Sonderprüfung erklärt, sie sehe sich von den Vorwürfen systematischen Betrugs entlastet. Zwar seien in der Dokumentation und in der Abwicklung einiger Transaktionen Mängel festgestellt worden. Die Sonderprüfer hätten aber keine Beweise dafür gefunden, dass es systematisch "betrügerische oder die Gesellschaft ausplündernde Transaktionen mit angeblich nahestehenden Personen" gegeben habe. Derweil hatte die Finanzaufsicht BaFin erklärt, sie prüfe die Bücher des Unternehmens weiter.

Die Adler Group war erst 2020 aus dem Zusammenschluss der Unternehmen ADO Properties, Adler Real Estate und Consus Real Estate hervorgegangen. Dabei hatte sie eine hohe Schuldenlast übernommen. Allein das Volumen der ausstehenden Anleihen liegt bei 4,4 Milliarden Euro.

Um die hohen Schulden abzubauen, hatte das Unternehmen Ende 2021 und Anfang 2022 Immobilien in größerem Umfang verkauft, unter anderem an die Beteiligungsgesellschaft KKR und den Konkurrenten LEG. Das Unternehmen wurde außerdem vom DAX-Konzern Vonovia mit einer Beteiligung und Krediten gestützt. Wegen der vielen Verkäufe rechnet Adler für dieses Jahr mit einem deutlichen Rückgang des operativen Ergebnisses auf 73 bis 76 Millionen Euro. Für 2021 wies das Unternehmen noch 137,1 Millionen Euro aus.

Aktuell kein Zugang zu Kapitalmärkten

"Wir haben einen schwierigen Moment für das Unternehmen", erklärte der erst seit Februar amtierende Adler-Verwaltungsratschef Stefan Kirsten. Adler habe indes einen Neuanfang eingeleitet. Dabei hat die Entscheidung von KPMG Folgen für die Refinanzierung. Die Bank- und Kapitalmärkte seien dem Unternehmen bis auf Weiteres verschlossen, so Kirsten. Adler verfüge aber über eine halbe Milliarde Euro an liquiden Mitteln, das zeige die Bilanz. "Wir haben an dieser Stelle keine Sorgen", sagte Kirsten.

Die Adler Group habe mit der Vergangenheit abgeschlossen und strebe weiter ein Testat für ihren Jahresabschluss 2022 an: "Wir haben das Unternehmen am 1. Mai neu gestartet." Am Dienstag werde das Unternehmen in einem Investoren-Call ein Update zu den Immobilientransaktionen geben.

Der bisherige Co-Vorstandschef Maximilian Rienecker soll nun das Unternehmen verlassen - ebenso wie drei weitere Mitglieder des Verwaltungsrats. Zumindest bis zur Hauptversammlung im Juni im Amt bleiben soll der bisherige Co-Chef Thierry Beaudemoulin. Man werde rechtliche Schritte gegen den alten Vorstand prüfen, so die Adler Group.

Adler Group Co-CEOs Thierry Beaudemoulin (l.) und Maximilian Rienecker | Adler Group

Der bisheriger Co-Chef der Adler Group, Maximilian Rienecker (r.), verlässt das Unternehmen. Er führte das Unternehmen bislang zusammen mit Thierry Beaudemoulin. Bild: Adler Group

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. Mai 2022 um 14:00 Uhr.