Geschlossener Adidas Store in Moskau | picture alliance/dpa/TASS

Folge des Ukraine-Kriegs Adidas' teurer Russland-Rückzug

Stand: 09.03.2022 10:58 Uhr

Den Rückzug aus Russland bekommt Adidas in seiner Bilanz zu spüren. Bis zu 250 Millionen Euro wird der Sportartikelkonzern deshalb weniger Umsatz machen. Ein Hoffnungsschimmer kommt aber aus China.

Der Ukraine-Krieg schwebt weiter wie ein Damoklesschwert über dem deutschen Sportartikelhersteller Adidas. Wie Lokalrivale Puma und der Konkurrent Nike hat auch Adidas seine Läden in Russland vorübergehend geschlossen und den Onlinehandel dort ausgesetzt.

Bei Vorstellung der Jahreszahlen 2021 hat Adidas nun für Klarheit gesorgt, mit welchen Belastungen der Konzern vor diesem Hintergrund konkret rechnet. Der Rückzug aus Russland dürfte Adidas in diesem Jahr bis zu 250 Millionen Euro Umsatz kosten, teilte der Konzern in Herzogenaurach mit.

Adidas rechnet mit Milliarden-Gewinn

Das klingt nach viel, muss aber in Relation zum konzernweiten Umsatz gesehen werden. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr beliefen sich die Erlöse bei Adidas auf 21,2 Milliarden Euro. Die nun angekündigten 250 Millionen Euro weniger Umsatz in Russland machen demnach gerade einmal 1,2 Prozent der Gesamt-Erlöse 2021 aus.

Im laufenden Jahr soll der Konzern-Umsatz währungsbereinigt um elf bis 13 Prozent zulegen. Mit Russland wären es zwölf bis 14 Prozent gewesen. Auf die Ergebnisprognose hat die Schließung der rund 500 eigenen Adidas-Läden in Russland derweil überhaupt keine Auswirkungen. Der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft soll 2022 bei 1,8 bis 1,9 Milliarden Euro liegen.

Im vergangenen Jahr hatte dieser sich auf 1,49 (0,46) Milliarden Euro gegenüber dem Corona-Jahr 2020 mehr als verdreifacht und hatte damit am oberen Ende der Erwartungen von Vorstandschef Kasper Rorsted gelegen.

Hoffnungsschimmer aus China?

Während die Folgen des Ukraine-Kriegs für Adidas in der medialen Wahrnehmung im Vordergrund stehen, liegt das weitaus größere Risiko für den DAX-Konzern in China. Dort war in den sozialen Medien zum Boykott westlicher Marken wegen der Kritik am Umgang mit der Minderheit in der Provinz Xinjiang aufgerufen worden. Ohne den China-Boykott und die chinesischen Lieferprobleme wäre der Adidas-Umsatz weltweit 2021 um 1,5 Milliarden Euro höher ausgefallen.

Für das laufende Jahr rechnen die Herzogenauracher in China mit einem Umsatzplus von fünf Prozent; die Rückkehr von Adrian Siu als China-Chef soll das Geschäft nun wieder ankurbeln.

Adidas-Aktie wegen Dividende und Ausblick gefragt

An der Börse kommen die 2021er-Zahlen und insbesondere der Ausblick für das laufende Jahr hervorragend an. Die Adidas-Aktie thront in einem positiven Marktumfeld mit einem Plus von bis zu 8,2 Prozent auf 200,15 Euro an der DAX-Spitze. Im Zuge der Ukraine-Krise war das Papier zu Wochenbeginn bis auf 170,08 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gefallen.

Der Ausblick wirke sehr erleichternd, merkten Händler an. Erste Schätzungen für die Auswirkungen der Russland-Sanktionen seien bereits enthalten und die Erwartungen wurden dennoch erfüllt. Positiv herausgestrichen wurde am Markt auch der solide Dividendenvorschlag von 3,30 Euro.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. März 2022 um 06:38 Uhr.