Beschäftigte lassen vor Arbeitsbeginn ihren 3G-Status überprüfen | dpa

3G am Arbeitsplatz Klappt es mit den neuen Regeln?

Stand: 30.11.2021 11:16 Uhr

Wer nicht im Homeoffice arbeiten kann, muss im Job geimpft, genesen oder getestet sein. Ein organisatorischer Mehraufwand für Ungeimpfte und Unternehmen. Wie klappt es in der Praxis?

Von Melissa Faust, WDR

10.000 Mitarbeiter, davon keine 20 Prozent im Home Office: Das gibt lange Schlangen vor dem Betriebstor, dachte man im Chemiepark Marl kurz vor Einführung der 3G-Pflicht am Arbeitsplatz. Gerade auch wegen fehlender Testmöglichkeiten.

Melissa Faust

Seit dem 24. November, also seit rund einer Woche, gilt in Deutschland am Arbeitsplatz die 3G-Pflicht. Das bedeutet, dass Beschäftigte zu Arbeitsantritt entweder geimpft, getestet oder genesen sein müssen. Auch Vorgesetzte müssen sich an die 3G-Regeln halten. Zudem sind Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen dazu verpflichtet, die Einhaltung dieser Regeln zu kontrollieren. Beschäftigte im Homeoffice sind von der Regelung ausgenommen.

In der Bevölkerung treffen die 3G-Regeln am Arbeitsplatz auf große Zustimmung. Aktuellen Umfragen zufolge ist eine überwältigende Mehrheit dafür, dass Nichtgeimpfte und Nichtgenesene täglich einen negativen Corona-Test am Arbeitsplatz nachweisen können. Nur sehr wenige Menschen lehnen das ab.

Umsetzung weitgehend reibungslos

Im Chemiepark Marl setzt man jetzt darauf, die Information über den Impfstatus auf den Werksausweisen zu speichern und der überwiegenden Gruppe der Geimpften oder Genesenen damit einen reibungslosen Zugang zum Arbeitsplatz zu gewährleisten. Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss einen offiziellen Testnachweis mitbringen. Dieses System funktioniere in Marl. "Schlangen hat es keine gegeben oder zumindest keine besonders langen", sagt Pressesprecherin Alexandra Boy.

Auch bei kleineren Betrieben wie einem kleinen Schlachthof in Köln mit fünf Mitarbeitern funktioniert die Überprüfung nach eigenen Angaben reibungslos, weil alle Mitarbeitenden geimpft seien.

Unterschiedliche Modelle zur Erfassung

Bei der Bayer AG in Leverkusen wird die 3G-Regel am Arbeitsplatz durch ein sogenanntes "Vorgesetztenmodell" umgesetzt. Das bedeutet, dass Beschäftigte ihrem Vorgesetzten einmalig ein Impf- oder Genesenen-Zertifikat vorzeigen müssen.

Beschäftigte, die nicht geimpft oder genesen sind oder ihren Impfstatus nicht mitteilen wollen, müssen bei Bayer täglich einen negativen Corona-Test vorlegen. Dieser muss unter Aufsicht durchgeführt worden sein, wie beispielsweise ein Bürgertest. Zudem darf er nicht älter als 24 Stunden sein.

Wer keinen Bürgertest gemacht hat, kann sich am Bayer-Standort Leverkusen auch bis zu viermal in der Woche in der firmeneigenen Teststation testen lassen. Wegen der hohen Impfquote unter den Beschäftigten halte sich die Nachfrage dort allerdings in Grenzen, sagt Pressesprecher Markus Siebenmorgen. Am Montag hätten sich dort nur fünf Beschäftigte testen lassen. Ähnliche Zugangsregeln hat auch Volkswagen.

Beim Pharma- und Chemieunternehmen Merck in Darmstadt gibt es sogar eine eigene App, um den 3G-Status der Beschäftigten zu erfassen. Auf das Gelände kommt dann nur, wer seinen Nachweis hochgeladen hat.

Warnung vor digital überwachten Selbsttests

Aufpassen müssen Arbeitgeber, die bisher ein Foto oder Video vom zu Hause gemachten Selbsttest als Testnachweis akzeptieren. In Nordrhein-Westfalen warnt das Gesundheitsministerium explizit vor digital überwachten Selbsttests.

Bei einer behördlichen Kontrolle durch das Ordnungs- oder Gesundheitsamt würde das als Ordnungswidrigkeit mit Bußgeld bestraft. Nachweise dürfen danach auch nur Teststellen oder Arbeitgeber ausstellen, die sich für die sogenannte Beschäftigtentestung registriert haben. 

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Dezember 2021 um 11:00 Uhr.