Türschild weist auf 2G-Regel hin | dpa

2G-Regel Gastwirte haben die Qual der Wahl

Stand: 28.09.2021 08:07 Uhr

Reicht ein negativer Test oder dürfen nur noch Geimpfte und Genesene in Restaurant, Konzert oder Club? Viele Gastronomen tun sich schwer mit der Entscheidung - und würden sie lieber der Politik überlassen.

Von Andreas König, rbb

"Wir machen 2G", sagt Max Setrak, Mitinhaber des Restaurants "Jolesch" im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Er wolle keinen neuen Lockdown, das habe auch ihn wirtschaftlich hart getroffen. Er selbst sei im Sommer 2020 an Corona erkrankt, erzählt der gebürtige Österreicher, und habe mehrere Monate gebraucht, bis es ihm wieder gut ging. In der ersten Woche mit 2G hätten die meisten seiner Gäste die neuen Regeln akzeptiert, ihre Nachweise vorgezeigt, dass sie geimpft oder genesen seien. Etwa ein Drittel der Restaurantbesucher konnte oder wollte das nicht, die hätte er wegschicken müssen, sagt der Gastronom. Einige hätten ihn auch beschimpft, dass er halt Pleite gehen solle.

Andreas König

2G erlaubt doppelte Auslastung, verunsichert aber auch

Klar gehe es auch ums Geld, sagt Setrak. Dadurch, dass er sich für die 2G-Regel entschieden habe, könne er doppelt so viele Gäste bewirten als bisher, da ja Abstandsregeln und Maskenpflicht wegfielen. Setrak versteht nur nicht, warum er diese Entscheidung treffen muss - und nicht die Politikerinnen und Politiker. Die seien schließlich dafür gewählt worden.

Viele Fragen seien an ihn herangetragen worden, sagt Gerrit Buchhorn, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Berliner Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), vor allem zum Umgang mit dem Personal; etwa, ob in Zukunft nur noch geimpfte oder genesene Angestellte arbeiten dürften. Bisher gebe es darauf keine Antworten vom Senat. Grundsätzlich bleibt die Berliner Dehoga aber bei ihrer Einschätzung, so Buchhorn, dass die 2G-Regel eine gute Wahl biete, unter Corona-Bedingungen zu arbeiten. Wie viele Gastronomen die Regel tatsächlich einführen, lasse sich nach so kurzer Zeit noch nicht sagen, sagt der Verbandsmanager.

"Wir wollen Gastgeber für alle sein"

Deutlich kritischer äußert sich der Präsident des Brandenburger Dehoga, Olaf Schöpe, der im Spreewald ein Hotel und Restaurant betreibt. Auch die Landesregierung in Potsdam hat gleichzeitig mit Berlin die Regel eingeführt, wonach Veranstaltungs- und Gastronomiebetriebe entscheiden dürfen, ob sie nur noch Genesene und Geimpfte einlassen.

Dadurch seien sie zu Handlangern der Politik geworden, so Schöpe. Viele seiner Verbandsmitglieder wollen einen Teil ihrer Gäste nicht ausschließen. "Wir wollen Gastgeber für alle sein", sagt er. Hier hätte die Politik mit mehr Augenmaß vorgehen sollen. Im Moment sei die Corona-Lage nicht so dramatisch. Er befürworte deshalb weiter die 3G-Regel, die auch negativ Getesteten den Zugang etwa zu Restaurants erlaubt, so der Brandenburger Dehoga-Präsident. Das habe bisher gut funktioniert.

Was gilt in den verschiedenen Bundesländern?

Nicht nur in Berlin und Brandenburg kann die 2G-Regel angewandt werden. Mit Beginn der kalten Jahreszeit prüfen viele Bundesländer strengere Corona-Vorschriften - in erster Linie dort, wo es um den Zugang zu geschlossenen Räumen geht. In denen ist das Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren, bekanntlich größer als draußen. 

Bereits Ende August hat Hamburg die Möglichkeit eröffnet, Veranstaltungen und Restaurantbesuche fast ohne Corona-Auflagen stattfinden zu lassen, wenn diese nur von Geimpften und Genesenen besucht werden. Inzwischen gilt das "2G-Optionsmodell" auch in Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. In Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein soll die 2G-Regel nur bei einer sich verschärfenden Pandemie-Lage in Kraft treten, etwa im Fall, dass eine stark steigende Zahl an Corona-Patienten die Krankenhäuser zu überlasten droht. Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Bremen und Nordrhein-Westfalen halten bisher an der 3G-Regel fest und haben noch keine konkreten Pläne für ein 2G-Optionsmodell. Die werden In Thüringen derzeit noch geprüft. Dabei geht es vor allem um den Umgang mit denjenigen, die sich noch nicht impfen lassen können; Kinder zum Beispiel.

Angesichts der Diskussionen über das Impfen, 2G und 3G sagt der Berliner Restauranbetreiber Setrak, er hoffe auf das kommende Frühjahr. Und darauf, dass bis dahin keine Corona-Einschränkungen mehr nötig seien. Das sei gut für alle - auch für sein Geschäft.

Über dieses Thema berichteten die "Hessenschau" am 03. September 2021 um 19:30 Uhr und NDR 1 Niedersachsen Aktuell am 14. September 2021 um 12:00 Uhr.