Frank Appel | picture alliance / SvenSimon

Umstrittene Wahl Post-Chef kontrolliert künftig Telekom

Stand: 07.04.2022 21:38 Uhr

Bei der Hauptversammlung der Telekom ist Post-Konzernchef Frank Appel in den Aufsichtsrat gewählt worden - den er künftig leiten soll. Aktionärsvertreter sehen diese Doppelfunktion in zwei DAX-Konzernen kritisch.

Post-Chef Frank Appel soll künftig als Vorsitzender des Aufsichtsrats die Deutsche Telekom kontrollieren. Die Aktionäre des Unternehmens wählten Appel auf der heutigen Hauptversammlung in Bonn in das Gremium. Dort soll der 60-Jährige den Vorsitz übernehmen.

Aktionärsvertreter hatten diese Doppelfunktion bereits im Vorfeld kritisiert. Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit bei der Sparkassentochter Deka Investment, sagte auf der Telekom-Hauptversammlung: "Herr Appel, wir stellen Ihre Expertise nicht in Frage. Doch bei Ihrer Terminplanung würde uns schon interessieren, wann Sie die Tätigkeit bei der Deutschen Telekom ausüben wollen."

Appel verwies darauf, dass er schon in Kürze einen Teil seiner Aufgaben bei der Post abgeben werde, um genug Zeit für das Aufsichtsratsmandat bei der Telekom zu haben. Außerdem habe er in der Vergangenheit schon mehrfach ähnliche Doppelbelastungen bewältigt - so sei er in der Finanzkrise gleichzeitig Postchef und Aufsichtsratsvorsitzender der Postbank gewesen.

Verstoß gegen Corporate-Governance-Regeln?

Auch der scheidende Telekom-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner verteidigte auf der Hauptversammlung Appels Berufung. Der Post-Chef sei "eine außerordentlich qualifizierte Besetzung" für den Posten. "Verfügbare Kandidaten dieses Kalibers sind rar." Der deutsche Corporate-Governance-Kodex lasse außerdem in Ausnahmefällen eine solche Lösung zu. Die Entscheidung für Appel sei vernünftig und richtig, so der bisherige Chefkontrolleur der Telekom, der das Amt aus Altersgründen aufgibt.

Das Regelwerk für gute Unternehmensführung hat nur Empfehlungscharakter. Aktionärsvertreter Speich kritisierte, dass ausgerechnet der Staatskonzern Deutsche Telekom gegen das Regelwerk verstoße und eine Abweichungserklärung abgeben müsse. Das bemängelte auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auch sie äußerten jedoch keine Zweifel an der fachlichen Qualifikation Appels für den Aufsichtsratsposten. Die Aktionärsschützer bezeichneten Appel als einen "von der DSW geschätzten Kandidaten (…), der eine äußerst erfolgreiche Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender eines ebenfalls in einem stark regulierten Markt tätigen DAX-Unternehmens mit der Bundesrepublik Deutschland als Hauptaktionär vorzuweisen hat".

Erste Präsenz-Versammlung seit Corona

Post und Telekom sind Nachfolgeunternehmen der Deutschen Bundespost, die in den 1990er-Jahren privatisiert wurde. Beide Konzernzentralen sind in Bonn nur einige Minuten fußläufig voneinander entfernt.

Nach Jahren Corona-bedingter virtueller Hauptversammlungen hatte die Deutsche Telekom als erster DAX-Konzern die Aktionäre wieder persönlich nach Bonn eingeladen. Das begrüßten zahlreiche Aktionäre in ihren Redebeiträgen. Die Aktionärsschützer vom DSW sehen darin auch ein Signal an alle anderen Konzerne, ihre Hauptversammlungen künftig wieder in Präsenz mit den Aktionären vor Ort durchzuführen.

Laut Telekom-Chef Höttges hat sein Unternehmen noch nicht entschieden, ob auch die künftigen Hauptversammlungen in Präsenz stattfinden. Derzeit läuft die politische Debatte, ob virtuelle Hauptversammlung als dauerhafte Regelung im Aktiengesetz verankert sein sollten. Das Bundesjustizministerium hat bereits einen entsprechenden Entwurf vorgelegt. Auf der Hauptversammlung sprachen sich die Aktionäre aber ganz klar gegen dieses Format aus.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. April 2022 um 21:00 Uhr.