Blick von der Galerie auf ein Büro.  | Photo: Heiner Leiska

Trotz Homeoffice-Trend Firmen halten an Büroflächen fest

Stand: 05.02.2021 15:12 Uhr

Werden Büroflächen frei, weil sich die Heimarbeit langfristig durchsetzt? Einer neuen Studie zufolge haben die meisten Unternehmen andere Pläne. Dabei könnte die Umwidmung von Büros Wohnraum schaffen.

Der aktuelle Homeoffice-Boom ändert offenbar an der mittelfristigen Raumplanung der meisten deutschen Unternehmen wenig. Nach einer Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wollen weniger als zehn Prozent der Unternehmen ihre Büroflächen in nächster Zeit reduzieren.

Das IW veröffentlichte am Freitag eine Umfrage unter 1200 Unternehmen. Zwei Drittel der Firmen haben demnach nicht vor, ihren Beschäftigten nach der Coronakrise mehr Homeoffice als vor der Krise zu ermöglichen. Der Umfrage zufolge wollen lediglich 6,4 Prozent der befragten Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten ihre Bürofläche verkleinern.

Große Unternehmen reduzieren eher

Die größte Bereitschaft zur Verkleinerung der Büroflächen hat die Studie bei großen Unternehmen mit über 250 Beschäftigten ermittelt. Auch Kanzleien, Beratungen und Wirtschaftsprüfer seien eher bereit, Heimarbeit zu etablieren. Doch auch hier seien es weniger als zehn Prozent der Firmen, die mit einem solchen Schritt liebäugelten.

Aktuell werde das Homeoffice zwar intensiv und, wo es möglich sei, auch nahezu durchgehend genutzt, so Studienautor Oliver Stettes. Gehe es nach den Unternehmen, sei das aber nur eine Maßnahme auf Zeit. Der Befund des IW erklärt damit auch, warum ein Preisverfall auf dem Markt für Büroimmobilien bislang ausgeblieben ist. Der Mietpreisindex für Gewerbeflächen (GIMX) stieg auch 2020 an.

Verbände fordern Umwidmung von Büros zu Wohnungen

Das Festhalten an Büroflächen bei vielen Unternehmen steht damit auch Initiativen entgegen, die frei werdende gewerbliche Flächen zu Wohnzwecken umwidmen wollen. Am Freitag hat ein Verbändebündnis eine solche verstärkte "Umnutzung" gefordert. Etwa 235.000 Wohnungen in innerstädtischen Bereichen könnten bis 2025 aus bisherigen Büroflächen entstehen, hat das schleswig-holsteinische Bau-Beratungsinstitut Arge errechnet. Die Ergebnisse stellte das Bündnis "Soziales Wohnen" in Berlin vor.

"Auch nach dem Ende der Corona-Pandemie werden viele Menschen und Unternehmen zumindest für einen Teil der Arbeitszeit auf das Homeoffice umstellen", sagte der Vorstand des Pestel Instituts, Matthias Günther, der Deutschen Presse-Agentur. Für neu entstehende Wohnungen müsse es dabei aber eine "Sozialquote" für bezahlbare Wohnungen geben, verlangt das Bündnis "Soziales Wohnen". In ihm haben sich die Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie, der Deutschem Mieterbund und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) sowie die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) als Dachverband der Mauerstein-Industrie und der Deutsche Baustoff-Fachhandel (BDB) zusammengeschlossen.

Die Umwidmung von Büroflächen könne helfen, die "entscheidenden Fehler in der Wohnungsbaupolitik" von Bund und Ländern auszubügeln, so das Bündnis. Die Logik hinter den Berechnungen: Ein Arbeitsplatz daheim verbraucht weniger Fläche als im Büro. Knapp 15 Millionen Menschen in Deutschland arbeiteten in Büros. Der Platzbedarf im Homeoffice liege bei 5 bis 10 Quadratmetern, schreibt das Arge-Institut. Im Büro fielen hingegen eher zwischen 23 und 45 Quadratmeter an.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. Februar 2021 um 14:17 Uhr.