Ein Firmen-Logo steht im Foyer der Hauptverwaltung von Uniper in Düsseldorf. | dpa

Zerschlagung vom Tisch Bund steigt bei Uniper ein

Stand: 22.07.2022 15:41 Uhr

Der durch die Gaskrise in Bedrängnis geratene Energieversorger Uniper wird gerettet. Das teilten Kanzler Scholz und das Unternehmen mit. Der Bund steigt demnach mit rund 30 Prozent bei Deutschlands größtem Gasimporteur ein.

Der im Zuge der Gaskrise massiv unter Druck geratene Energiekonzern Uniper wird gerettet. Das teilten Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und das Unternehmen mit. Demnach steigt der Bund mit rund 30 Prozent bei dem Energieimporteur ein - durch die milliardenschwere Rettung ist die Zerschlagung Unipers vom Tisch. Daneben gewährt der Bund dem Unternehmen weitere Hilfen - etwa durch höhere Kredite der staatlichen Förderbank KfW und durch eine sogenannte Wandelanleihe.

"You will never walk alone"

Scholz erklärte, Uniper sei für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands von "überragender Bedeutung". Die nun vereinbarten Maßnahmen seien ein "substanzieller Beitrag für die Rettung des Unternehmens". Uniper könne nun "stabil in die Zukunft blicken".

Allerdings kommen auf Gaskunden im Zuge des Rettungspakets Preiserhöhungen zu, weil Uniper seine Mehrkosten spätestens ab dem 1. Oktober weitergeben darf. Daher sollten Menschen mit geringem Einkommen und Bezieherinnen und Bezieher der Grundsicherung weiter entlastet werden, versprach Scholz.

Instrument dafür sei unter anderem eine Wohngeldreform, bei der Heizkosten integriert würden. "Dass wir zusammenhalten ist entscheidend", so der Kanzler: "You will never walk alone."

Ver.di lobt, Greenpeace mahnt

Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di begrüßte den staatlichen Einstieg. "Diese Entscheidung stabilisiert die Energieversorgung in Deutschland und Europa", erklärte Ver.di-Vorstandsmitglied Christoph Schmitz. Es sei ein "guter Tag für die Energiewirtschaft, die Versorgungssicherheit und die Beschäftigten bei Uniper". Der Konzern und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten nun den Geschäftsumbau fortsetzen.

In dem Zusammenhang mahnte Greenpeace, die Bundesregierung müsse Einfluss auf "klimapolitisch nachteilige Entscheidungen" des Unternehmens nehmen. "Als Mitgesellschafterin muss die Bundesregierung dafür sorgen, dass Investitionen gestoppt werden, die die Klimakrise befeuern und nichts dazu beitragen, die aktuelle Energiekrise zu mindern", erklärte Manfred Santen von Greenpeace.

Einigung wenig überraschend

Die Einigung zwischen Bund, Uniper und dessen finnischen Mutterkonzern Fortum war allgemein erwartet worden - zuletzt war bekannt geworden, dass auch Mehrheitseigner Fortum seine Vorbehalte gegen das Rettungspaket aufgegeben hatte. Die Finnen bleiben auch nach dem Einstieg der Bundesregierung Mehrheitseigner - allerdings sinkt ihr Anteil von 80 auf rund 56 Prozent.

Uniper hatte vor rund zwei Wochen Staatshilfen beantragt, denn das Unternehmen, das für die deutsche Energieversorgung eine zentrale Rolle spielt, muss wegen der Drosselung der russischen Lieferungen über die Ostseepipeline Nord Stream 1 teureres Gas auf dem Markt einkaufen, damit es seine Verträge mit mehr als 100 Stadtwerken und der Industrie erfüllen kann. Das führt zu Liquiditätsproblemen.

Milliardenverlust erwartet

Uniper nannte unterdessen Zahlen zum erwarteten wirtschaftlichen Verlust: Dieser werde sich vom 14. Juni bis zum 30. September - also bis der Konzern die Mehrkosten weitergeben darf - voraussichtlich auf 6,2 Milliarden Euro belaufen, sagte Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach. Diese Annahme beruhe unter anderem auf den aktuellen Marktpreisen und könne sich noch ändern, betonte Maubach.

Der Konzern hatte bereits Kredite in Höhe von zwei Milliarden Euro von der staatlichen Förderbank KfW erhalten. Diese Summe ist aber bereits vollständig in Anspruch genommen. Nun türmen sich täglich die Verluste, und Ratingagenturen hatten bereits angekündigt, Unipers Kreditwürdigkeit neu zu bewerten. Die Bonität ist entscheidend für die Zukunft des Unternehmens, denn eine Abstufung würde die Aufnahme von mehr Geld am Kapitalmarkt verteuern.

Sowohl Scholz als auch Wirtschaftsminister Robert Habeck hatten immer wieder betont, wie wichtig der Konzern für Deutschlands Energiesicherheit ist. "Wir werden nicht zulassen, dass ein systemrelevantes Unternehmen in Insolvenz geht und infolgedessen der globale Energiemarkt in Turbulenzen gerät", sagte Habeck.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. Juli 2022 um 12:15 Uhr.