Ein Kunde steht vor einem Kühlregal im Supermarkt | Bildquelle: dpa

Einzelhandel im Februar Zu Beginn der Krise ein sattes Plus

Stand: 01.04.2020 11:05 Uhr

Es ist der stärkste Anstieg seit knapp anderthalb Jahren: Der deutsche Einzelhandel hat im Februar ein deutliches Umsatzplus verbucht. Die aufziehende Corona-Krise zeigte sich besonders in einem Bereich.

Nudeln, Seife, Toilettenpapier: Eine starke Nachfrage nach Waren des täglichen Bedarfs hat den deutschen Einzelhändlern zu Beginn der Corona-Krise einen Umsatzsprung beschert. Ihre Einnahmen wuchsen im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat um nominal 7,7 Prozent - so kräftig wie seit knapp anderthalb Jahren nicht mehr. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Für zusätzliche Umsätze sorgte, dass der Februar in diesem Jahr einen Verkaufstag mehr hatte.

"Im Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren zeigt sich die erhöhte Nachfrage besonders", erklärten die Statistiker. Die Branche setzte 10,6 Prozent mehr um als im Februar 2019. Dabei kamen Supermärkte, SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte sogar auf ein Wachstum von 11,1 Prozent, während der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln 6,6 Prozent mehr in den Kassen zählte. Die genannten Veränderungsraten seien "deutlich höher" als in den vergangenen fünf Jahren, betonte das Statistikamt.

Krisensituation steigert Umsätze der Apotheken

Auch der Internet- und Versandhandel brummte und steigerte seinen Umsatz um elf Prozent. Ein Wachstum in dieser Höhe sei allerdings "nicht ungewöhnlich und somit nicht eindeutig auf einen Sondereinfluss der Corona-Pandemie zurückzuführen", so das Bundesamt.

"Einen recht deutlichen Einfluss der aufziehenden Krisensituation zeigt allerdings der Umsatzanstieg der Apotheken beziehungsweise des Einzelhandels mit kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkten." Hier gab es ein Plus von 7,8 Prozent zum Vorjahresmonat.

Warnung vor heftigen Einbußen

Experten gehen jedoch davon aus, dass der Einzelhandel künftig heftige Einbußen hinnehmen muss, da viele Geschäfte wegen der Corona-Pandemie schließen mussten. "März und April dürften desaströs ausfallen, viele Läden machen keinen nennenswerten Umsatz mehr", sagte Rolf Bürkl vom Konsumforscher GfK. "Auch durch das Internetgeschäft kann das nicht ausgeglichen werden."

Eine Prognose für das Gesamtjahr will Bürkl nicht wagen. "Seriöse Aussagen sind aktuell nicht möglich. Es hängt davon ab, wann die Geschäfte wieder aufmachen können", sagte der Konsumforscher. Die Viruskrise schlägt mittlerweile auch auf die Verbraucherstimmung durch: Diese ist aktuell so schlecht wie seit der Weltfinanzkrise 2009 nicht mehr, wie die GfK bei ihrer Umfrage unter 2000 Verbrauchern herausfand.

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