Fragen und Antworten

Lufthansa-Maschinen stehen bei Schweinwerferlicht auf einem Vorfeld | Bildquelle: AFP

Tarifstreit der Flugbegleiter Worüber UFO und Lufthansa streiten

Stand: 28.12.2019 10:52 Uhr

Seit langem schwelt der Konflikt zwischen der Gewerkschaft UFO und dem Lufthansa-Konzern. Was steckt hinter dem Tarifstreit? Und welche Rolle spielen die internen Querelen bei UFO? Ein Überblick.

Alles einklappen

Worum geht es in dem Konflikt?

Nur vordergründig dreht sich der Streit zwischen der Flugbegleitergewerkschaft UFO und Lufthansa um Lohnsteigerungen und Regelungen für das Personal. Den Kern des Konflikts bildet eine weitreichende Auseinandersetzung zwischen dem Konzern und der Gewerkschaft. Lufthansa stellte in den vergangenen Monate die Tariffähigkeit und Gewerkschaftseigenschaft von UFO in Frage.

Einer der wesentlichen Akteure ist Nicoley Baublies. Als UFO-Chef hatte er Ende 2015 Lufthansa-Chef Carsten Spohr mit einem einwöchigen Streik des Kabinenpersonals herausgefordert. Es war ein Machtpoker, der den Flugbegleitern damals im Tarifkonflikt fünf Prozent mehr Gehalt brachte und die Aussicht auf sichere Arbeitsplätze bis 2021. Der Zulauf zu UFO war danach enorm.

Gerüchten zufolge soll es seit dem damaligen Tarifkonflikt die Vorgabe aus dem Aufsichtsrat geben, dass Baublies das Unternehmen verlassen müsse. Dem 47-Jährigen wurde mehrmals gekündigt, es wurden angeblich überzahlte Bezüge zurückverlangt. Sogar einem Drogentest musste sich Baublies unterziehen.

Ex-UFO-Chef Nicoley Baublies | Bildquelle: dpa
galerie

Ex-UFO-Chef Nicoley Baublies spielt eine zentrale Rolle in der Entstehungsgeschichte des Konflikts.

Die Gewerkschaft verlangt eine Aufarbeitung des Konflikts und die Rücknahme mehrerer Klagen auch gegen die beiden aktuellen UFO-Vorsitzenden Sylvia de la Cruz und Daniel Flohr. Lufthansa spricht von unzulässigen Vorbedingungen und ist lediglich zu einem separaten richterlichen Güteverfahren bereit, das parallel zur Schlichtung laufen könnte.

Dass Lufthansa gleichzeitig versucht, UFO die Tariffähigkeit in dem Konflikt abzusprechen und damit die Gewerkschaft zu schwächen, hat viel mit den internen Auseinandersetzungen bei UFO zu tun. "Sowohl die Gewerkschaftseigenschaft der UFO als auch die Vertretungsbefugnis des UFO-Vorstands sind nach wie vor ungeklärt", erklärte Lufthansa wiederholt. UFO könne daher kein Verhandlungspartner sein.

Welche Rolle spielen die internen Querelen bei UFO?

Die Gewerkschaft schwächte sich monatelang in internen Kämpfen selbst. Es ging um den Verdacht des Betrugs und der Untreue gegen mehrere UFO-Funktionäre. Diese warfen sich gegenseitig vor, Gelder zweckentfremdet zu haben. In dem internen Führungsstreit ging es um überhöhte Gehälter und um falsch abgerechnete Privatreisen. Das interessierte mehrere Staatsanwälte.

Im März erstattete Baublies gegen seinen Nachfolger als UFO-Vorsitzenden, Alexander Behrens, und zwei weitere Vorstandsmitglieder Strafanzeige. Der Vorwurf in den Papieren, die der Staatsanwaltschaft übergeben wurden, lautete: Die Vorstände sollen sich angeblich gegenseitig vorteilhafte Arbeitsverträge ausgestellt haben. Behrens´ Anwalt widersprach dem umgehend.

Die Darmstädter Staatsanwälte ermittelten trotzdem. Aber schließlich geriet auch Baublies selbst in den Fokus der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Die Zustände führten dazu, dass alle Funktionäre, gegen die ermittelt wurde, von ihren Ämtern zurücktraten.

Warum ist der Konflikt für UFO so wichtig?

Letztlich steht für die Gewerkschaft das eigene Überleben auf dem Spiel. In der später widerrufenen Vereinbarung zur großen Schlichtung vom November hatte die damalige Lufthansa-Personalvorständin Bettina Volkens UFO als Mehrheitsgewerkschaft bei den rund 21.000 Flugbegleitern der Lufthansa Classic anerkannt. Die Belange der Gewerkschaft ver.di sollten geachtet werden.

UFO fürchtet allerdings, dass sich Lufthansa in Zukunft stärker an ver.di halten könnte, die ihr bereits bei der Lufthansa-Tochter Eurowings heftige Konkurrenz macht. Volkens wurde mittlerweile abgelöst.

Was fordert UFO?

UFO will unter anderem höhere Spesensätze und Zulagen durchsetzen. Die Forderung nach einer Gehaltserhöhung um 1,8 Prozent erfüllte Lufthansa mit einer freiwilligen Erhöhung um zwei Prozent. Für diese und weitere Forderungen wie etwa eine Regelung für Saisonkräfte gilt derzeit aufgrund einer laufenden "kleinen Schlichtung" eine Friedenspflicht, also ein Streikverbot.

Die aktuellen Arbeitsniederlegungen dienen aber der Durchsetzung weiterer Forderungen, die nicht in der "kleinen Schlichtung" enthalten sind. Dazu zählen eine Einmalzahlung von 1500 Euro für alle Mitarbeiter, rückwirkende Sonderzahlungen und Freistellungsvereinbarungen für Mitglieder der UFO-Tarifkommission.

Anlass für die zum Jahreswechsel angekündigten Streiks bei der Lufthansa-Tochter Germanwings sind Forderungen zur Teilzeit. Nach Darstellung des Konzerns liegt der entsprechende Tarifvertrag allerdings bereits unterschriftsreif vor.

Welche Rolle spielen die Schlichter?

Streng genommen sind die benannten Schlichter Matthias Platzeck und Frank-Jürgen Weise lediglich für die bereits vereinbarte "kleine Schlichtung" zuständig. Lufthansa und UFO betonen aber, dass sie eine Vielzahl weiterer Themen mit in die Gespräche aufnehmen wollen, die in den vergangenen Jahren liegen geblieben sind. 

Dem Vernehmen nach verlangt UFO neben etlichen Tarifthemen zu Lohn, Zulagen und Arbeitsbedingungen einen Schlussstrich unter die harte Strategie, mit der Lufthansa die kleine Spartengewerkschaft in den vergangenen Monaten bekämpft hatte. Dazu gehörten mögliche Schadenersatzforderungen, Kündigungen und interne Personalverfahren gegen UFO-Funktionäre.

Laut Lufthansa liegt die Vereinbarung zu einer "großen Schlichtung" unterschriftsreif vor. Die Schlichter engagierten sich nach Aussagen mehrerer Beteiligter persönlich sehr stark, um die Streithähne zu Gesprächen über eine größere Zahl von Themen an einen Tisch zu bringen. Für den Januar boten die Schlichter einen weiteren Gesprächstermin an.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. Dezember 2019 um 17:00 Uhr.

Darstellung: