Screenshot eines Videos, auf dem eine Frau die Straße überquert | Bildquelle: AP

Bericht zu tödlichem Unfall Software erkannte Fußgängerin zu spät

Stand: 24.05.2018 17:40 Uhr

Ungebremst überfuhr ein Roboterwagen von Uber im März eine Fußgängerin in Arizona. Nun belegt ein Bericht: Die Software konnte die Frau nicht erkennen. Uber zieht seine Testwagen aus der Region ab.

Die Nachricht ging um die Welt: Ein autonomes Fahrzeug des Anbieters Uber überrollt bei einer Testfahrt eine Fußgängerin - ungebremst. Die Frau stirbt. Nun gibt es einen ersten vorläufigen Bericht zu den Hintergründen des Unfalls. Dieser belegt: Die Software des Roboterwagens konnte die Fußgängerin schlecht erkennen.

"Unbekanntes Objekt" geortet

Die Frau, die beim Überqueren der mehrspurigen Straße ein Fahrrad schob, sei zwar sechs Sekunden vor dem Zusammenstoß von den Sensoren des selbstfahrenden Autos bemerkt worden, erklärte die US-Verkehrsbehörde NTSB in dem Bericht. Die Software habe sie aber zunächst als unbekanntes Objekt, dann als Fahrzeug und schließlich als Fahrrad eingeordnet - und sei sich unsicher gewesen, in welche Richtung sie sich überhaupt bewegt. Erst 1,3 Sekunden vor dem Aufprall sei das Uber-Programm dann zu dem Schluss gekommen, dass eine Notbremsung notwendig sei, erklärten die NTSB-Experten weiter.

Unfallstelle in Tempe | Bildquelle: AP
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Das autonome Fahrzeug bremste weder ab, noch wich es der Fußgängerin aus.

Doch diese Entscheidung blieb folgenlos: "Uber zufolge sind Notbrems-Manöver abgeschaltet, wenn das Fahrzeug vom Computer gesteuert wird, um ein unberechenbares Verhalten des Fahrzeugs zu vermeiden." Stattdessen setzte Uber darauf, dass der Sicherheitsfahrer in Aktion tritt. Der muss sich aber auf seine Augen verlassen: "Das System sieht keine Warnmeldungen an den Operator vor."

Testfahrer schien abgelenkt

Für große Irritation sorgte bei dem Unfall in Arizona, dass der Wagen weder abbremste noch auswich, obwohl die Sensoren die Fußgängerin erkannt haben müssten. Auch der Mensch am Steuer des Fahrzeugs reagierte nicht und schien laut Videoaufnahmen aus dem Innenraum vor dem Unfall abgelenkt gewesen zu sein. Die NTSB-Experten erklärten, dass die Sicherheitsfahrerin nach eigener Aussage auf einen Bildschirm des Roboterwagen-Systems schaute. Ihre Smartphones seien nicht in Betrieb gewesen. Die Uber-Wagen waren zunächst mit einem Sicherheitsfahrer und einem Ingenieur, der die Systeme überwachte, unterwegs - später wurden auf den Techniker verzichtet.

Die Uber-Roboterwagen stehen seit dem Unfall still. Am Vortag kündigte Uber an, die selbstfahrenden Wagen würden komplett aus Arizona abgezogen werden und ihre Entwicklung in Pittsburgh und San Francisco gebündelt. Zugleich halte der Fahrdienst-Vermittler an der Entwicklung von Technologien für autonomes Fahren fest und wolle die Testfahrten "in naher Zukunft" wieder aufnehmen, betonte eine Sprecherin.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Mai 2018 um 20:30 Uhr.

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