Der Fahrdienstvermittler Uber | Bildquelle: AP

US-Fahrdienst BGH entscheidet über "Uber Black"

Stand: 06.04.2017 03:26 Uhr

Der Bundesgerichtshof prüft heute den Uber-Service "Mietwagen mit Fahrer", der 2015 vom Landgericht Berlin verboten wurde. Unser ARD-Korrespondent hat das zum Anlass genommen, sich das umstrittene US-Unternehmen einmal genauer anzuschauen.

Wolfgang Stuflesser, ARD-Studio Los Angeles

Man hat den Uber-Gründer und -Chef Travis Kalanick schon mit Donald Trump verglichen. Kalanick ist zwar 30 Jahre jünger, hat aber ein ähnlich robustes Auftreten gegenüber allen, die er als Widersacher oder Konkurrenten sieht. Wie eine Dampfwalze hat seine Firma die Taxi-Industrie überrollt. Kalanick hat dafür nicht mehr als ein Schulterzucken übrig: Wenn man etwas Erfolgreiches mache, sei eben nicht jeder glücklich, sagte er vor ein paar Jahren - und je älter die Branche sei, desto besser sei sie geschützt durch die Regierung, durch Korruption - oder beides.

Rasanter Aufstieg, schlechtes Image

Auf solche Sprüche fliegen die Investoren im Silicon Valley: Seit der Gründung im Jahr 2010 hat Uber einen kometenhaften Aufstieg hingelegt: Inzwischen ist der Dienst in mehr als 500 Städten weltweit verfügbar, Kunden haben mehr als zwei Milliarden Fahrten gebucht, die Firma wird mit umgerechnet mehr als 60 Milliarden Euro bewertet. Doch dieses Jahr kommt Uber aus den negativen Schlagzeilen nicht heraus.

Im Februar schrieb die ehemalige Uber-Mitarbeiterin Susan Fowler in einem Blog-Eintrag, sie sei von ihrem Vorgesetzten sexuell belästigt worden, und die Personalabteilung habe auf ihre Beschwerde nichts unternommen, weil der Mann ein Leistungsträger sei. Auf Twitter machte danach der Hashtag “#deleteuber” die Runde - der Aufruf, die Uber-App vom Smarpthone zu löschen.

Kurz darauf feuerte Uber einen anderen Manager, weil er Vorwürfe wegen sexueller Belästigung bei seinem früheren Arbeitgeber Google gegen ihn verschwiegen hatte. Die Alphabet-Tochter Waymo verklagt Uber, weil in den autonomen Autos, die Uber testet, Technik verwendet werde, die von Waymo gestohlen worden sei.

Als nächstes wurde Uber-Chef Kalanick heimlich dabei gefilmt, wie er selbst Uber nutzte und den Fahrer am Ende der Fahrt rüde zurecht wies, als der ihm vorwarf, dass Uber mal wieder den Tarif für die Fahrer gesenkt hatte. “Ich bin Ihretwegen bankrott”, sagt der Mann. Kalanicks Antwort: Manche Leute wollten eben keine Verantwortung übernehmen und gäben immer anderen die Schuld.

Und dann wurde noch bekannt, dass Uber eine fragwürdige Software einsetzt: Sie soll erkennen, wenn ein gesetzlicher Prüfer den Dienst in Anspruch nehmen will - und soll solche Fahrten einfach absagen.

Kein Platz mehr für "Ärsche"?

Inzwischen ist Kalanick um Schadensbegrenzung bemüht: Er hat Arianna Huffington, Gründerin der Huffington Post, damit beauftragt, Ubers Unternehmenskultur auf Sexismus zu untersuchen. Sie sagte darauf in einer Telefonschalte, es dürfe bei Uber keinen Platz mehr für Ärsche geben, auch wenn sie brilliant seien.

Drunter und drüber bei Uber?
Wolfgang Stuflesser, ARD Los Angeles
06.04.2017 09:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. April 2017 um 08:39 Uhr.

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