Ein Boeing 787 mit dem TUI-Logo | Bildquelle: picture alliance / dpa

Verluste im Frühjahr Umsatzeinbruch von 98,5 Prozent bei TUI

Stand: 13.08.2020 10:32 Uhr

Die Corona-Krise trifft den vom Staat geretteten Reisekonzern TUI schwer: Das Unternehmen hat im vergangenen Quartal einen Verlust von 1,42 Milliarden Euro verzeichnet. Der Bund steht jedoch mit weiteren Hilfen bereit.

Der Reisestopp wegen der Corona-Pandemie hat den weltgrößten Tourismuskonzern TUI tief in die roten Zahlen gerissen: Weil das Unternehmen von April bis Juni fast alle Urlaubsangebote absagen musste, verlor es unterm Strich etwa 1,4 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen mit. Ein Jahr zuvor hatten noch knapp 23 Millionen Euro Gewinn in der Zwischenbilanz gestanden.

Der Umsatz sackte demnach um 98,5 Prozent auf 72 Millionen Euro ab, sodass das Geld für die Deckung der Betriebskosten nicht ausreichte.

Vorstandschef Joussen hofft auf Trendwende

Vorstandschef Fritz Joussen hofft, den Negativtrend stoppen zu können. Dazu brauche TUI möglichst viele Urlauber. Seit der Wiederaufnahme der Reisen zeige sich ein positiver Trend: Es seien 1,7 Millionen Neubuchungen eingegangen. Ab Mitte Juni sind die Hannoveraner wieder in den Betrieb in einigen Ferienregionen gestartet - im Juli seien dann innerhalb Europas mehr als 500.000 Kunden mit TUI verreist.

Die Balearen seien ebenso ein beliebtes Ziel wie die griechischen Inseln. Für Urlaubsgebiete außerhalb der EU bestehen - abgesehen etwa von der türkischen Mittelmeerküste - allerdings nach wie vor Reisewarnungen.

Konzern erhält weitere Staatshilfen

Um die Krise zu überstehen, sicherte sich TUI inzwischen Staatshilfen im Umfang von drei Milliarden Euro. Ein im April gewährter Kredit der Förderbank KfW über 1,8 Milliarden Euro soll um 1,05 Milliarden Euro aufgestockt werden, wie gestern bekannt wurde.

Überdies sollen 150 Millionen Euro über eine Wandelanleihe an TUI gehen, die der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes zeichnet. Solche Anleihen können vom Besitzer unter bestimmten Bedingungen in Aktien umgetauscht werden. So könnte der Bund mit bis zu neun Prozent bei TUI als Miteigentümer einsteigen. Damit könnte sich der Staat - nach der Lufthansa - an noch einem großen Konzern beteiligen.

"Mit der zweiten staatlichen Kreditlinie sind wir vorbereitet, falls die Pandemie im Tourismus erneut signifikante Auswirkungen hat", erklärte TUI-Chef Joussen. Bis Ende September müssen die formalen Konditionen für die Hilfe erfüllt sein.

Fritz Joussen, Vorstandsvorsitzender der TUI Group | Bildquelle: dpa
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TUI-Vorstandschef Fritz Joussen sieht das aufgestockte staatliche Darlehen vor allem als Vorsorgemaßnahme für den Fall, dass die Nachfrage nicht spätestens ab Herbst anzieht.

BIsher Streichung von 8000 Jobs geplant

Die Touristikbranche gehört zu den am schwersten von der Pandemie gebeutelten Wirtschaftszweigen. TUI schob bereits Einsparungen an, die von Betriebsräten und Gewerkschaftern heftig kritisiert werden. So stößt die geplante drastische Verkleinerung der eigenen Flotte TUIfly auf heftigen Widerstand in der Belegschaft.

Bisher sollen im Konzern 8000 Jobs abgebaut werden, vor allem im Ausland. Die allgemeinen Kosten sollen pro Jahr um über 300 Millionen Euro sinken. Durch die bisherigen Schritte habe man die finanziellen Corona-Folgen eindämmen können, erklärte TUI. So habe der bereinigte Verlust vor Zinsen und Steuern in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres zwar bei zwei Milliarden Euro gelegen - rechne man den Faktor Virus-Krise heraus, betrage das Minus aber nur rund 100 Millionen Euro, was einer Verbesserung gegenüber dem Vorjahr entspreche.

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