Türkische Lira

Sorgen um türkische Lira "Der Zinssatz ist keine Wundermedizin"

Stand: 29.01.2014 13:31 Uhr

Die türkische Notenbank will mit ihrem drastischen Zinsplus den Wertverfall der Lira stoppen. Doch Experten befürchten, dass dies Unternehmen von Investitionen abschreckt. Rein ökonomisch lässt sich das Lira-Problem ohnehin nicht lösen.

Von Reinhard Baumgarten, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Eine überraschend deutliche Zinsanhebung in der Türkei hat die Landeswährung am Vormittag kräftig nach oben getrieben. Die Zentralbank hatte den Leitzins von 4,5 auf zehn Prozent erhöht. Die Zentralbank hofft, damit den dramatischen Wertverfall der Lira zu stoppen.

Reinhard Baumgarten

Der Wirtschaftsexperte Güngor Uras warnt vor zu viel Zuversicht. "Der Zinssatz ist keine Wundermedizin mit Sofortwirkung. Natürlich hat die Anhebung der Zinsen gewisse Vorteile, aber hohe Zinsen haben wie eine starke Dosis Medizin auch ihre Nebenwirkungen."

Risiken und Nebenwirkungen

Diese Nebenwirkungen werden schon sehr bald Verbraucher, Konsum, Firmen und Investoren und damit letztlich die türkische Binnenwirtschaft betreffen, mahnt Wirtschaftsexperte Uras. "Unternehmen und Verbraucher werden neue Schulden machen. Sie nehmen Kredite auf für Immobilien, Autos oder um ihren Urlaub zu finanzieren, oder aber sie benutzen ihre Kreditkarten. Auf alle diese Kredite sind jetzt höhere Zinsen fällig. Viele Unternehmen haben bereits hohe Schulden. Künftig wird das noch teurer."

Die größte Gefahr für die türkische Volkswirtschaft sieht Uras in der Beschäftigungspolitik der Unternehmen. Teureres Geld von der Bank bremst die Investitionsfreudigkeit der Wirtschaft und hemmt damit die Schaffung neuer und den Erhalt alter Arbeitsplätze.

Leitzinsentwicklung der türkischen Zentralbank (Grafik)

Ohne Zinserhöhung chancenlos auf dem Finanzmarkt

Die Zentralbank hatte die Wahl zwischen Pest und Cholera: Ohne Zinserhöhung wäre der Lira-Verfall auch aufgrund von Entwicklungen auf dem globalen Finanzmarkt weitergegangen.

Rein ökonomisch, wirft der Wirtschaftsexperte Necip Cakir ein, lasse sich das Lira-Problem indes nicht lösen. Der Korruptionsskandal, in den die regierende AKP verwickelt zu sein scheint, trage zur allgemeinen Verunsicherung bei. "Das Problem, das wir seit Dezember haben, ist ein politisches. Es ist unmöglich, durch den Einsatz wirtschaftlicher Instrumente politische Lösungen zu erzielen. Wenn es uns nicht gelingt, politische Stabilität zu erlangen, dann wird selbst diese mutige Entscheidung der Zentralbank nicht viel bringen."

Am Vormittag kostete ein Euro zunächst 2,97 Lira - am Montag war die türkische Währung auf ein Rekordtief von 3,27 Lira gefallen. Mittlerweile ist die psychologische Hürde von drei Lira pro Euro bereits wieder überschritten.

Dieser Beitrag lief am 29. Januar 2014 um 12:35 Uhr auf RBB Inforadio.

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KOMMENTARE

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Walter Meingott 29.01.2014 • 19:33 Uhr

Wer seine Währung in VS-Dollar umwandelbar macht ist selbst schu

Wie immer, so gilt auch hier: Von China lernen, heißt siegen lernen! Denn obwohl China seit über 30 Jahren Freihandel mit den VSA betreibt, so denkt die chinesische Regierung doch gar nicht daran ihren Yuan in den VS-amerikanischen Dollar umtauschbar zu machen, sondern hält den dortigen Finanzheuschrecken und Bankendelinquenten allenfalls gelegentlich eine Eselsmöhre hin, damit diese China nicht auf ähnliche Weise befehden lassen wie das marxistische Rußland nach dem Sechsjährigen Krieg. Denn in den VSA befindet sich ja bekanntlich die Notenbank in Privatbesitz und eine private Zentralbank zu haben ist ungefähr so sinnvoll wie die Anstellung eines Alkoholikers in einer Schnapsbrennerei. Entsprechend haben nämlich die VS-amerikanischen Bankendelinquenten endlos Geld zu Verfügung, da sie sich dies zu 0% Zinsen beliebig bei der besagten Zentralbank leihen können. Entsprechend betreiben sie auch mit allen Währungen und Volkswirtschaften, auf die sie Zugriff haben, munter Glücksspiel.