Markt in Istanbul. | picture alliance / Xinhua News A

Erneute Beschleunigung Fast 20 Prozent Inflation in der Türkei

Stand: 03.09.2021 13:52 Uhr

In der Türkei ist das Leben auch im dritten Monat hintereinander teurer geworden. Damit nähert sich die Inflationsrate der Marke von 20 Prozent immer mehr an.

Schlechte Nachrichten für die Menschen in der Türkei: Auch im dritten Monat hintereinander hat sich der Preisauftrieb beschleunigt. Im August kletterten die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 19,25 Prozent, wie das türkische Statistikamt heute mitteilte. Damit legte die Jahresteuerung noch stärker zu als in den Vormonaten. Im Juli hatte das Plus bei 18,95 und einen Monat zuvor 17,53 Prozent gelegen. Zuletzt hatte die Inflationsrate Anfang 2019 die Marke von 20 Prozent überschritten.

Treibende Kraft waren höhere Preise für Lebensmittel. Diese verteuerten sich im Schnitt um 29 Prozent. Im Juli hatte der Anstieg nur 25 Prozent und im Juni 20 Prozent betragen. Seit Juni hat sich der Preisanstieg bei Lebensmitteln spürbar verstärkt, nachdem die Steigerungsrate in den Monaten zuvor stabil gewesen war. Die Erzeugerpreise der Unternehmen legten im August sogar um 45,5 Prozent zu. Das sind keine guten Vorzeichen für die weitere Preisentwicklung. Denn die steigenden Herstellungskosten der Unternehmen dürften mit einiger Verzögerung zumindest teilweise bei den allgemeinen Verbraucherpreisen bemerkbar machen.

Unerwartete Entwicklung

Am Markt war hingegen ein leichter Rückgang der Inflationsrate erwartet worden. Die Entwicklung kommt insofern überraschend, als dass sich der Wechselkurs der Landeswährung Lira zuletzt relativ stabil entwickelt hatte. Damit hätte der Einfluss der "importierten" Inflation eigentlich sinken müssen. Die Türkei hat fast schon traditionell ein Handelsbilanzdefizit. Das heißt das Land importiert deutlich mehr Waren als es exportiert.

Eine stabile Lira wird wiederum von Experten als nötig erachtet, um die hohen Inflationsraten der Türkei nachhaltig zu senken. Insofern ist die heute bekannte gegebene Entwicklung ein Rückschlag für Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, der sich in der Vergangenheit häufig in Entscheidungen der Notenbank eingemischt hatte und sogar mehrmals den jeweiligen Chef der Notenbank hatte austauschen lassen.

Erdogan hatte in der Vergangenheit entgegen der allgemein akzeptierten ökonomischen Theorie häufiger die Ansicht vertreten, dass höhere Leitzinsen die Inflation antreiben würden und im Gegensatz Zinssenkungen gefordert.

3.9.2021 • 13:52 Uhr

Lira unter Druck

Die türkische Lira reagierte mit Kursverlusten auf die Inflationsdaten. Für einen Euro mussten zeitweise auf 9,92 Lira bezahlt werden, nach 9,83 Lira am Vortag. Immerhin ist das Rekordtief der Lira noch ein gutes Stück entfernt. Damals war ein Euro sogar 10,73 Lira wert. Je mehr Lira für einen Euro bezahlt werden müssen, desto schwächer notiert die türkische Währung.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. September 2021 um 11:40 Uhr in der Wirtschaft.