Eine US-Flagge spiegelt sich in einem VW-Logo. | Bildquelle: dpa

Handelsstreit VW, BMW und Co. fürchten Trumps Zölle

Stand: 03.07.2018 11:11 Uhr

Lange war der US-Markt für deutsche Autokonzerne ein enormer Wachstumsmarkt. Der Dieselskandal war ein herber Rückschlag. Nun könnten die drohenden Zölle die Hersteller hart treffen.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Am Montag war es der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte, der US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus überzeugen wollte: Statt den transatlantischen Handel durch Zölle einzuschränken, wäre es doch besser, bestehende Zölle ganz abzubauen und mehr Handel zu treiben, so Ruttes Plädoyer.

Mark Rutte | Bildquelle: AFP
galerie

Mark Rutte, der niederländische Ministerpräsident, wollte Trump überzeugen mehr Handel zu treiben.

Trump reagierte jedoch zurückhaltend: "Wir werden uns bald mit der EU treffen und sehen, ob wir uns einigen können. Wenn ja, wäre das positiv. Wenn nicht, wäre es auch positiv." Der US-Präsident schreckt also keineswegs vor einem Handelskrieg mit der EU zurück.

Vor allem die deutschen Autohersteller mit ihrer stolzen Flotte im oberen Preissegment hat Trump im Visier. Seit einigen Wochen lässt er sein Handelsministerium prüfen, ob importierte Autos und Fahrzeugteile die nationale Sicherheit Amerikas gefährden. Bis Ende Juli soll die Antwort vorliegen. Falls die Prüfung positiv ausfällt, was Experten für absurd hielten, will Trump Zölle in Höhe von 20 bis 25 Prozent verhängen. Im Schnitt würde ein deutsches Auto in den USA dann um 6000 Dollar teurer werden. Trump sagte:

"Sie schicken uns ihre Mercedesse, sie schicken uns ihre BMW, einfach alles. Wir verlangen praktisch keine Zölle. Wir dagegen können unsere Autos dort nicht hinschicken. Und wenn, dann verlangen sie viel viel höhere Zölle, als wir sie dummerweise nicht verlangen."

Audi wäre von Zöllen besonders betroffen

Trump ärgert sich vor allem über zwei Entwicklungen: Dass immer mehr Autohersteller ihre Produktion nach Mexiko verlagern, will er nicht tatenlos hinnehmen. Mittlerweile produzieren alle deutschen und amerikanischen Autohersteller wegen der niedrigeren Arbeitskosten in Mexiko. Audi baut seine Autos sogar ausschließlich in Mexiko, während BMW, VW und Mercedes auch große Autowerke in den USA betreiben. Audi wäre deshalb von Trumps Zöllen besonders betroffen.

Außerdem will Trump nicht länger hinnehmen, dass die EU für amerikanische Autos zehn Prozent Zoll verlangt, während umgekehrt auf europäische Autos in den USA nur zweieinhalb Prozent Zoll fällig werden: "Die EU ist wahrscheinlich so schlimm wie China, nur kleiner", schimpfte Trump am Sonntag im Sender Fox: "Es ist fürchterlich, was die uns antun."

Trumps Auto-Zölle träfen Autohersteller doppelt

Was Trump ignoriert: die deutschen Autohersteller VW, Mercedes und BMW produzieren insgesamt über 800.000 Autos in ihren US-Werken. Nur 40 Prozent davon werden in den USA verkauft. Mehr als die Hälfte wird nach Europa und China exportiert. So gibt es keinen größeren Auto-Exporteur in den USA als das BMW-Werk im Bundesstaat South Carolina. Doch das verschweigt Trump auf seinen Wahlkampfveranstaltungen.

Ein BMW-Arbeiter montiert in einem Werk im US-Bundesstaat South Carolina einen Kühlergrill. | Bildquelle: REUTERS
galerie

Das BMW-Werk in South Carolina ist der größte Auto-Exporteur in den USA.

Besonders bitter für die deutschen Autohersteller: Trumps Auto-Zölle träfen sie doppelt. Nicht nur über importierte Autos und Fahrzeugteile aus Europa und Mexiko, sondern auch weil China Vergeltungszölle einführen will für all jene Autos, die in den USA hergestellt wurden.

Was Trump jedoch unterschätzt hat, ist der wachsende Widerstand aus Wirtschaft, Handel und Politik. Selbst die Chefin des größten Konkurrenten deutscher Autohersteller, Mary Barra von General Motors, warnte: "Höhere Zölle schaden auch GM, könnten zu einer verringerten Präsenz in den USA führen und zu weniger Jobs, nicht mehr".

Folgen des Dieselskandals noch immer zu spüren

Für die deutschen Autohersteller kommt Trumps Drohung mit Importzöllen zur Unzeit. Die Folgen des Diesel-Betrugsskandals sind immer noch zu spüren. Die einstige deutsche Vorzeige-Technologie ist in den USA auf einen Marktanteil unter ein Prozent gerutscht und praktisch nur noch bei Trucks im Einsatz. Hunderte Millionen Dollar für "Clean Diesel"-Kampagnen hat der Betrugsskandal zunichte gemacht. Und während bisher überwiegend Volkswagen Milliarden-Entschädigungen zahlen musste, geraten durch die erweiterten Ermittlungen auch die anderen Hersteller zunehmend in den Fokus.

Trumps Zölle und Dieselskandal - Sorgen deutscher Autohersteller in USA
Martin Ganslmeier, ARD Washington
03.07.2018 09:43 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Juli 2018 um 05:45 Uhr.

Darstellung: