Eine Frau mit Schutzmaske bürstet die Fassade eines Gebäudes vor dem Strand in Cuxhaven ab. | Bildquelle: dpa

Corona-Krise Reisebranche warnt vor massivem Jobverlust

Stand: 10.05.2020 09:49 Uhr

Wegen der Corona-Krise könnten bis zu eine Million Menschen in der Tourismuswirtschaft ihren Job verlieren. Das befürchtet der Spitzenverband BTW und fordert weitere staatliche Hilfen.

Die Tourismusbranche rechnet mit einem massiven Jobverlust, falls Hilfen der Politik gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise ausbleiben. "Wir schätzen, dass von den rund drei Millionen Beschäftigten in Tourismus und Gastgewerbe rund eine Million von Arbeitslosigkeit bedroht sind", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Tourismuswirtschaft (BTW), Michael Frenzel, der "Welt am Sonntag". Etwa 70 Prozent erhielten jetzt schon Kurzarbeitergeld.

Die wirtschaftliche Lage der Branche habe sich katastrophal verschärft, sagte der frühere TUI-Chef. Bis Mitte Juni verliere die Branche fast elf Milliarden Euro Umsatz. Hinzu kämen Rückerstattungsansprüche in Höhe drei bis vier Milliarden Euro von Kunden für abgesagte Reisen. "Wir dürfen den drohenden Kollaps der Branche nicht hinnehmen", sagte Frenzel.

Gutscheine nicht mit EU-Recht vereinbar

Er pochte erneut auf eine Gutschein-Lösung für die Rückerstattungsforderungen der Kunden - obwohl diese nicht mit EU-Recht vereinbar ist. Einschließlich einer Härtefallregelung und staatlich abgesichert gegen Veranstalter-Insolvenzen sei diese Lösung "absolut notwendig und vertretbar", sagte Frenzel. Die ablehnende Haltung der EU-Kommission in dieser Frage halte er für einen "Skandal".

Die Bundesregierung wollte es Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern ursprünglich ermöglichen, ihre Kunden in der Corona-Krise nicht mit der Rückzahlung des Kaufpreises für stornierte Leistungen, sondern lediglich mit einem Gutschein zu entschädigen. Demnach haben Verbraucher die Wahl, ob sie einen Gutschein akzeptieren oder eine Erstattung bevorzugen. Die EU-Kommission lehnt eine solche Regelung aber ab, da sie nicht mit EU-Recht vereinbar sei.

Fonds-Lösung angepeilt

In der Diskussion ist jetzt eine Fonds-Lösung: Dabei finanziert der Staat, entweder direkt oder über Garantien, zunächst einen Topf, aus dem die Reisegelder zurückerstattet werden. Dafür sprechen sich unter anderem die Verbraucherzentralen und die SPD aus. Ein solcher Sicherungsfonds würde innerhalb einer bestimmten Frist von der betroffenen Reisebranche wieder aufgefüllt, "damit die Kosten nicht am Steuerzahler hängenbleiben", erklärte der rechtspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Fechner.

Mehrere Unternehmen erhalten bereits Unterstützung vom Staat. So wurde dem Branchenprimus TUI ein Kredit von 1,8 Milliarden Euro gewährt, der Ferienflieger Condor bekommt aus dem Corona-Schutzschild-Programm ein Darlehen über rund 300 Millionen Euro. Die Lufthansa, ebenfalls Mitglied im BTW, verhandelt mit dem Bund derzeit über ein Hilfspaket von neun Milliarden Euro.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 08. Mai 2020 um 13:03 Uhr.

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