Menschen genießen in Strandkörben am Ostseestrand in Travemünde die Sonne. (Archivbild vom 25.06.2019) | Bildquelle: dpa

Zehntes Rekordjahr in Folge Urlaub in Deutschland bleibt beliebt

Stand: 10.02.2020 17:05 Uhr

Die deutsche Touristikbranche hat im vergangenen Jahr erneut zugelegt. Zum zehnten Mal in Folge meldet sie Übernachtungsrekorde. Doch das Wachstum stößt zunehmend an Grenzen. Das liegt vor allem am Fachkräftemangel.

Für Touristen und Geschäftsreisende aus dem In- und Ausland bleibt Deutschland ein attraktives Reiseziel. Hotels, Pensionen, Campingplätze und andere Beherbergungsbetriebe zählten 495,6 Millionen Übernachtungen - ein Plus von 3,7 Prozent zum Vorjahr. "Damit stiegen die Übernachtungszahlen im zehnten Jahr in Folge auf einen neuen Rekordwert", teilte das Statistische Bundesamt mit.

Im vergangenen Jahr wuchs die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus dem Inland um 3,9 Prozent auf 405,7 Millionen. Die Branche profitiert dabei von Rekordbeschäftigung und steigender Kaufkraft. Dadurch sitzt das Geld bei vielen Deutschen lockerer. 89,9 Millionen Übernachtungen entfielen auf ausländische Besucher, was einem Zuwachs von 2,5 Prozent entspricht.

Dem Bundesverband der Deutschen Tourismusförderung zufolge kommt die gesamte Tourismusbranche - von Reisebüros über Flughäfen bis hin zu Restaurants, Hotels oder Reiseversicherungen - auf einen jährlichen Umsatz von rund 300 Milliarden Euro und beschäftigt etwa drei Millionen Menschen. Der Anteil des Tourismus an der Bruttowertschöpfung in Deutschland liegt bei rund vier Prozent.

Wachstum auch für 2020 erwartet

Wie sehr Deutschland als Urlaubsziel an Attraktivität gewonnen hat, zeigt der Zehnjahresvergleich: Seit 2009 legte die Zahl der Übernachtungen insgesamt um mehr als ein Drittel zu, die der ausländischen Besucher dabei sogar um knapp zwei Drittel.

Die für das Marketing im Ausland zuständige Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) feierte Zahlen als eigenen Erfolg. Man habe die richtigen Themen gesetzt, die Digitalstrategie konsequent umgesetzt und Deutschland als Qualitätsdestination platziert. Nach Zahlen der europäischen Statistikbehörde aus dem Jahr 2018 liegt Deutschland auf dem Kontinent auf Platz vier hinter Spanien, Italien und Frankreich.

Bereits seit 2003 steigen die Zahlen kontinuierlich, allerdings wurde das Wachstum im Wirtschaftskrisenjahr 2009 unterbrochen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) rechnet auch im laufenden Jahr mit einer Umsatzsteigerung von bis zu 2,5 Prozent. "Deutschland als Gastgeberland ist so beliebt wie nie", sagte Dehoga-Präsident Guido Zöllick. "Das heimische Gastgewerbe ist für Touristen wie Geschäftsreisende aus dem In- und Ausland bestens aufgestellt."

Branche fordert Bürokratieabbau

Die Stimmung in der Branche werde jedoch gedämpft durch Fachkräftemangel, steigende Betriebskosten und die zunehmende Bürokratie, sagte Zöllick. Neben einem konsequenten Bürokratieabbau und abgesenkter Mehrwertsteuer aufs Essen gehöre daher eine Reform des Arbeitszeitgesetzes zu den wichtigsten Forderungen der Branche. Zumindest für das vorhandene Personal solle mehr Flexibilität möglich sein. Die Gewerkschaft NGG warnte angesichts der Forderungen vor einer Ausweitung der Arbeitszeiten.

An Nord- und Ostsee haben im vergangenen Sommer schon manche Wirte und Hoteliers aus Personalmangel aufs Geschäft verzichten müssen. Zusätzliche Ruhetage sind beispielsweise auf Sylt und Langeoog in vielen Betrieben notwendig, um mit der vorhandenen Mannschaft über die Runden zu kommen, wie die örtlichen Dehoga-Verbände berichten. Auf den vollen Inseln kommt die Unterbringung der Saisonkräfte als zusätzliches Problem und Kostenfaktor hinzu.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Februar 2020 um 15:00 Uhr.

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