Logo von TikTok auf dem Display eines Smartphones | Bildquelle: dpa

TikTok-Übernahme Warum Oracle jetzt als Favorit gilt

Stand: 15.09.2020 13:19 Uhr

TikTok braucht bis Ende der Woche einen neuen Eigentümer in den USA - sonst wird die App dort verboten. Favorit Microsoft ist nicht mehr dabei. Das eröffnet dem US-Softwarekonzern Oracle Chancen.

Von Katja Scherer, WDR

Noch genau sieben Tage bleiben der Social-Media-Plattform TikTok, um für ihr US-Geschäft einen neuen Eigentümer zu finden. Doch diese Aufgabe wird immer schwieriger: Der US-Konzern Microsoft, der bisher unter den potenziellen Käufern als Favorit galt, ist aus dem Rennen. Wie der Software-Hersteller mitteilte, hat der TikTok-Mutterkonzern Bytedance einen Verkauf an Microsoft ausgeschlossen.

Als neuer Favorit gilt nun der US-Softwarehersteller Oracle. Das schreiben mehrere Medien wie das "Wall Street Journal". Außerdem hat die US-Regierung bestätigt, dass von Oracle ein entsprechendes Angebot vorliege. Manche chinesischen Medien dagegen berichten, dass Bytedance den Verkauf seiner App an ein US-Unternehmen gar nicht mehr in Erwägung ziehe. Die Gerüchteküche brodelt also, während die Deadline für den Verkauf immer näher rückt.

TikTok droht Verbot

TikTok können Nutzer kurze Videos hochladen und anschauen, zum Beispiel Sportvideos, Schminktutorials oder politische Clips. Die App ist damit weltweit erfolgreich und sorgt schon länger für Streit zwischen den USA und China. Die US-Regierung befürchtet, dass die TikTok-Mutter Bytedance Nutzerdaten an die chinesische Regierung weitergibt. Sie hat dem Konzern daher ein Ultimatum gestellt: Entweder das US-Geschäft von TikTok wird bis zum 20. September verkauft - oder die App in den USA verboten.

Bytedance streitet die Vorwürfe ab und hat gegen das Verbot Klage eingereicht. Viele Beobachter sehen im Streit um TikTok einen politischen Machtkampf. Sie gehen davon aus, dass die US-Regierung Chinas rasanten Aufstieg in der digitalen Welt bremsen will. Präsident Trump hatte den Verkauf der App per Präsidialdekret forciert. Denn das Weiße Haus setzt neben TikTok auch andere chinesische Firmen unter Druck: den Messenger-Dienst WeChat zum Beispiel und den Drohnen- und Kamerahersteller DJI. Alle sind, genau wie TikTok, Paradebeispiele für Chinas Erfolg im Digitalen.

Verkauf an Microsoft ist gescheitert

Die Video-App TikTok wurde von Bytedance im Jahr 2016 ins Leben gerufen. Ein Jahr später fusionierte die App mit dem chinesischen Pendant Musical.ly, danach begann der internationale Siegeszug. Die weltweite Nutzerzahl der App lag Medienberichten zufolge Ende 2019 bei 800 Millionen Menschen - Tendenz stark steigend. Allein in den USA nutzen mehr als 100 Millionen Menschen die App regelmäßig. Zum Vergleich: Facebook hat in den USA und Kanada rund 256 Millionen regelmäßige Nutzer. TikTok ist eine der am schnellsten wachsenden Apps.

Warum der Deal zwischen Bytedance und Microsoft gescheitert ist, hat Microsoft nicht bekannt gegeben. Ein Grund könnten neue Vorgaben der chinesischen Regierung sein. Die hat Ende August beschlossen, dass Algorithmen, die in China programmiert werden, nur noch mit Erlaubnis der chinesischen Regierung exportiert werden dürfen. Das heißt, auch TikTok kann nur mit dem Segen Pekings komplett verkauft werden - eine enorme Hürde für die Verhandlungen.

TikTok-Algorithmus - Herzstück der Plattform

Der Algorithmus ist vereinfacht gesagt, das digitale Herzstück von TikTok. Er sorgt dafür, dass Nutzer in der App immer das angezeigt bekommen, was sie interessiert. Die Software analysiert also mithilfe von künstlicher Intelligenz für alle Nutzer individuell, welche Videos sie gerne schauen und zeigt ihnen dann mehr davon. TikTok beherrscht das so gut, dass die Nutzer dort zum Teil mehr Zeit verbringen also bei Instagram oder Facebook. Und genau das macht die App so erfolgreich und wertvoll.

Denkbar ist, dass sich Oracle anders als Microsoft damit zufrieden gibt, nur die US-Nutzerdaten von TikTok zu bekommen - nicht aber den zentralen Algorithmus. Das entscheidende Know-How würde dann in China bleiben. So schreibt das Wall Street Journal, dass Oracle eher eine Art Technologie-Partnerschaft mit Bytedance plane.

Finanzminister Steven Mnuchin sagte im Fernsehsender CNBC, die amerikanische Regierung werde dazu im Laufe der Woche Gespräche mit Oracle führen. An der Deadline für den Verkauf am 20. September sei aber nicht zu rütteln.

Dieser Beitrag lief am 14. September 2020 um 18:04 Uhr auf WDR 5.

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