TikTok-App | picture alliance/dpa

Video-App TikTok räumt Diskriminierung ein

Stand: 16.12.2020 09:27 Uhr

Homosexuelle, Autisten, Dicke - das Portal TikTok hat zugegeben, die Reichweite von Videos mit "besonderen Menschen" absichtlich begrenzt zu haben. Das Unternehmen rechtfertigte den Schritt als Mobbing-Prävention.

Das rasant wachsende chinesische Soziale Netzwerk TikTok hat diskriminierende Moderationsregeln eingeräumt, die in einem Bericht von "Netzpolitik.org" aufgedeckt worden waren. Die Plattform hatte demnach ihre Moderatoren angewiesen, Videos von Menschen mit Behinderungen zu markieren und in ihrer Reichweite zu begrenzen. "Als Reaktion auf eine Zunahme von Mobbing in der App haben wir frühzeitig eine unbeholfene und zeitlich befristete Regelung umgesetzt", sagte ein Firmensprecher dem US-Portal "The Verge".

Homosexuelle und Dicke als "besondere Nutzer"

"Unsere Absicht war gut, wir haben aber einen falschen Ansatz gewählt." Die frühere Regelung sei inzwischen längst "zugunsten nuancierterer Anti-Mobbing-Verfahrensweisen und Schutzmaßnahmen innerhalb der App geändert" worden.

Nach dem Bericht von "Netzpolitik.org" landeten auch homosexuelle und dicke Menschen auf einer Liste von "besonderen Nutzern", deren Videos grundsätzlich als Mobbing-gefährdet betrachtet und in der Reichweite gedeckelt wurden. Der eigentliche Inhalt der Videos habe dabei keine Rolle gespielt. Das Vorgehen sei "übergriffig und ausgrenzend", zitierte Netzpolitik.org die Organisation Ability Watch für behinderte Menschen.

Als Beispiele für die betroffenen Nutzer nennen die zitierten Richtlinien "entstelltes Gesicht", "Autismus" und "Downsyndrom". Die Moderatoren sollten selbst im Bewertungsprozess darüber urteilen, ob jemand diese Merkmale aufweist und das Video entsprechend markieren. Dazu haben sie im Schnitt etwa 30 Sekunden Zeit.

Bis September im Einsatz?

Unklar bleibt, wie lange die diskriminierende Moderationsregeln gültig waren. TikTok erklärte, die Vorschriften hätten nur in einer "frühen Phase" gegolten. "Netzpolitik.org" dagegen beruft sich auf eine anonyme Quelle, die gesagt habe, dass die Regeln noch im September inkraft waren.

TikTok gehört zum chinesischen Technologieunternehmen Bytedance. Immer wieder wurden Bedenken laut, dass politische Inhalte gefiltert werden. Zuletzt war die App kritisiert worden, weil dort kaum Aufnahmen der Proteste in Hongkong zu sehen gewesen seien. Die Firma wies den Vorwurf der Zensur zurück. Auch die tagesschau ist auf der Plattform vertreten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 03. Dezember 2019 um 14:09 Uhr in der Sendung "Kompressor". Zudem berichtete über dieses Thema die tagesschau am 05. Dezember 2019 um 17:00 Uhr.