Die Hauptzentrale des thyssenkrupp-Konzerns in Essen. | Bildquelle: dpa

Milliardenschwere Verluste Thyssenkrupp weitet Jobabbau massiv aus

Stand: 19.11.2020 08:49 Uhr

Im abgeschlossenen Geschäftsjahr schreibt Thyssenkrupp erneut tiefrote Zahlen. Vor allem die Stahlsparte treibt die Verluste in die Höhe. Als Konsequenz will der Konzern weitere 5000 Stellen streichen.

Der angeschlagene Thyssenkrupp-Konzern will angesichts milliardenschwerer Verluste Tausende weitere Stellen abbauen. In den kommenden drei Jahren sollen demnach zusätzlich 5000 Jobs gestrichen werden.

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen angekündigt, 6000 Stellen streichen zu müssen. Insgesamt will Thyssenkrupp damit 11.000 Arbeitsplätze einsparen. 3600 Jobs seien bereits abgebaut worden, teilte der Konzern mit.

Auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen

"Wir sind noch nicht da, wo wir hin müssen. Die nächsten Schritte können schmerzhafter werden als die bisherigen. Wir werden sie dennoch gehen müssen", hieß es von Unternehmenschefin Martina Merz.

Personalvorstand Oliver Burkhard konnte nicht ausschließen, dass es auch betriebsbedingte Kündigungen geben werde, sie blieben jedoch die "Ultima Ratio", die allerletzte Maßnahme. Thyssenkrupp wolle sich mit Arbeitnehmervertretern über "passende Instrumente" beraten, "je nach Ausmaß und Härte der wirtschaftlichen Lage".

Auch für kommendes Geschäftsjahr Millionen-Minus erwartet

Im Geschäftsjahr 2019/2020 hat Thyssenkrupp massive Verluste eingefahren. Vor allem die Stahlsparte sorgte für ein Minus in der Kasse. Beim operativen Ergebnis beliefen sich die Verluste auf 1,6 Milliarden Euro, davon stammen 946 Millionen Euro aus dem Stahlbereich. Im vergangenen Jahr hatte Thyssenkrupp insgesamt ein Minus von 110 Millionen Euro verzeichnet. Der Umsatz verringerte sich um 15 Prozent auf 28,9 Milliarden Euro.

Etwas Luft konnte sich der Konzern durch den Verkauf seiner Aufzugssparte für 15 Milliarden Euro verschaffen. Trotzdem will Thyssenkrupp auch für das vergangenen Geschäftsjahr auf die Auszahlung einer Dividende verzichten. Auch für das neue Geschäftsjahr 2020/2021 rechnet das Unternehmen mit Verlusten im dreistelligen Millionenbereich.

Sorgenkind Stahlsparte

Wie es mit der Stahlsparte weitergeht, will Thyssenkrupp im Frühjahr entscheiden. Konzernchefin Merz betonte, bei dieser Entscheidung gebe es "keine Tabus": Möglich seien ein Verkauf sowie eine Partnerschaft oder eine Fusion. Einen ersten Interessenten gibt es schon. Das britische Unternehmen Liberty Steel will die Stahlsparte übernehmen. Dagegen stemmt sich jedoch die Gewerkschaft IG Metall. Sie fordert stattdessen eine Beteiligung des Staates, um den angeschlagenen Konzernbereich zu retten.

Thyssenkrupp streicht weitere 5.000 Stellen
Jörg Marksteiner, WDR
19.11.2020 08:04 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. November 2020 um 07:37 Uhr.

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