Blick auf die Firmenzentrale von Thyssenkrupp in Essen | REUTERS

Thyssenkrupp Stahl bringt wieder Gewinn

Stand: 11.08.2021 13:37 Uhr

Stahl ist weltweit wieder stark gefragt - wovon die gesamte Branche profitiert. Trotzdem hält der größte deutsche Hersteller Thyssenkrupp an seinem Plan fest, die Stahlsparte abzuspalten.

Von Jörg Marksteiner, WDR

Für Thyssenkrupp sind es Erfolge im Kampf gegen Corona - und zwar in jeder Hinsicht: 12.000 Mitarbeiter hat der Stahl- und Industriekonzern selbst geimpft. Alle Abläufe in den Werken und Büros liefen wieder reibungslos, heißt es vom Unternehmen. Und vor allem: Weil die Kunden weltweit wieder deutlich mehr bestellen, schreibt der Ruhrkonzern auch wieder schwarze Zahlen. "Die Erholung in unseren Märkten schreitet voran", sagte Finanzvorstand Klaus Keysberg heute in einer Telefonkonferenz. "Wir haben weiter aufgeholt. Und nicht nur das Vorjahresquartal, sondern auch das Vorquartal deutlich übertroffen."

Jörg Marksteiner

Aufträge fast verdoppelt

Verglichen mit dem Höhepunkt der Coronapandemie vor einem Jahr haben sich die Aufträge bei Thyssenkrupp fast verdoppelt, der Umsatz macht eine Sprung von 50 Prozent. Der größte deutsche Stahlhersteller profitiert jetzt davon, dass nach Corona weltweit wieder kräftig investiert wird.

Ob Fahrwerke für Lkw, Pkw und Baumaschinen, ob Bleche für Karosserien oder Stahl zum Bauen - die Nachfrage sei gerade enorm, heißt es bei Thyssenkrupp. Das gilt besonders für die wichtigen Abnehmer in der Autoindustrie: "Die Nachfrage bleibt hoch", so Keysberg. "Wie sehen da nach wie vor auch eine hohe Dynamik. Wir sehen es nach wie vor so, dass die Automobilhersteller eigentlich mehr verkaufen könnten als sie in der Lage sind zu produzieren."

Ein Grund ist Materialknappheit, etwa bei den wichtigen Halbleitern. Dazu kommt: Nachdem viele Hersteller pandemiebedingt ihre Kapazitäten zum Teil drastisch heruntergefahren hatten, ist Stahl jetzt im Aufschwung knapp geworden. Das sorgt für massiv steigende Verkaufspreise. "Das ist zunächst mal gut. Mit unseren längerfristigen Vertragsstrukturen können wir die gestiegenen Rohstoff- und Stahlpreise allerdings erst zeitverzögert in unseren Erlösen und im Ergebnis abbilden", sagte der Finanzvorstand.

Milliardeninvestitionen für Klimaschutz nötig

Das bedeutet: ein Teil der Gewinne landet erst sechs bis zwölf Monate später in der Kasse. Dennoch: Das Unternehmen ist keine Ausnahme. Knappe Werkstoffe, hohe Preise - davon profitiert im Moment die gesamte Stahlbranche: Salzgitter, die deutsche Nummer Zwei im Stahlgeschäft, meldet das beste Ergebnis seit zehn Jahren, der Duisburger Stahlhändler Klöckner das beste Quartal seit 2006. Auch Weltmarktfürer Arcelor verbucht Rekordergebnisse.

Dennoch bleibt es bei Thyssenkrupp bei seinem Plan, sich von der traditionsreichen und jetzt auch wieder profitablen Stahlsparte mit ihren rund 26.000 Mitarbeitern zu trennen. Alleine habe das Geschäft bessere Chancen, glaubt Finanzvorstand Keysberg - auch mit Blick auf die notwendigen hohen Investitionen, um den hohen CO2-Ausstoß bei der Herstellung zu reduzieren.

Grüner oder zumindest CO2-reduzierter Stahl, den wünschen sich zwar viele Kunden wie die Autohersteller. Aber dafür ist in den Werken ein erheblicher Umbau nötig. Thyssenkrupp spricht von Investitionen von zehn Milliarden Euro - und hofft auf den Staat. Ein Hintergedanke könnte dabei sein, dass sich die Politik möglicherweise leichter tut, wenn die Zuschüsse nicht in einen seit Jahren angeschlagen Mischkonzern mit Autokomponenten, Fabrikbau, Werften und so weiter fließen, sondern in ein reines Stahlunternehmen.

Tausende Stellen schon weggefallen

"Eine Entscheidung darüber, wie wir Steel zu einem eigenständigen Unternehmen machen und gleichzeitig die grüne Transformation stemmen können, braucht Planungssicherheit", sagte Keysberg. "Mit Blick auf die politische Unterstützung hinsichtlich des regulatorischen Rahmens, der Infrastruktur und der Finanzierung. Das ist klar. Daran arbeiten wir weiter, aber das braucht Zeit. Eine Entscheidung vor dem nächsten Frühjahr wird es dazu nicht geben."

Entschieden vorangetrieben wird dagegen der Personalabbau. 6900 Stellen sind schon gestrichen, wenn auch ohne Kündigungen. Weitere gut 5000 werden bis Ende kommenden Jahres folgen. Und auch die Liste mit den zum Verkauf stehenden Firmenteilen soll wie geplant weiter abgearbeitet werden. Am Ende, so die Vision des Vorstands, soll kein starker Industriekonzern mehr stehen wie bisher. Sondern ein Verbund von mehr oder weniger selbstständigen Sparten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Juni 2021 um 08:35 Uhr.