Fahnen mit dem Logo von Thyssenkrupp | Reuters

Konflikt mit der IG Metall Thyssenkrupp lehnt Staatseinstieg ab

Stand: 11.12.2020 20:34 Uhr

Thyssenkrupp hat sich gegen eine staatliche Beteiligung entschieden. Die IG Metall nennt das unverantwortlich. Wie die kriselnde Stahlsparte des Konzerns saniert werden soll, bleibt damit offen. Ein weiterer Jobabbau scheint möglich.

Die Unternehmensleitung von Thyssenkrupp hat dem Einstieg des Staates in die angeschlagene Stahlsparte des Konzerns eine Absage erteilt. Thyssenkrupp-Finanzvorstand Klaus Keysberg sagte der "Rheinischen Post": "Das Thema staatliche Beteiligung ist vom Tisch."

Arbeitnehmervertreter reagierten empört. IG-Metall-Vorstandsmitglied und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Thyssenkrupp AG, Jürgen Kerner, sagte, er halte das Nein für "unverantwortlich". "Wir werden einen Staatseinstieg weiter mit Hochdruck verfolgen."

IG Metall gegen Management

Zur Begründung der Absage des Wirtschaftsstabilisierungsfonds, der als Hilfe für Thyssenkrupp zur Debatte stand, sagte Finanzvorstand Keysberg, dieser sei "nicht das geeignete Mittel, um den Stahlbereich in der aktuellen Situation mit Eigenkapital zu unterstützen". Eine solche Beteiligung sei aufgrund von Zinszahlungen und Rückzahlungsmodalitäten mit zu hohen Kosten für das Unternehmen verbunden.

Die IG-Metall warf dem Management allerdings vor, nicht alle Möglichkeiten für staatliche Hilfen ausgelotet zu haben. "Es gibt nicht nur den Wirtschaftsstabilisierungsfonds, auch andere Lösungen sind möglich. Warum nicht eine echte Beteiligung des Landes NRW an Thyssenkrupp Steel?", so Kerner. Er verwies auf Niedersachsen, wo das Land am Stahlproduzenten Salzgitter beteiligt ist. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und die NRW-Landesregierung hatten eine direkte Beteiligung des Staats an Thyssenkrupp wiederholt abgelehnt.

Was passiert mit der Stahlsparte?

Thyssenkrupp hatte im vergangenen Geschäftsjahr mit der Stahlproduktion einen Verlust von fast einer Milliarde Euro gemacht. Nach Angaben von Konzernchefin Martina Merz soll bis März entschieden werden, wie es mit dem Kernbereich des Unternehmens weitergeht.

Ein Verkauf der Stahlsparte wäre möglich. Ein Angebot des britischen Konzerns Liberty Steel bezeichnete Finanzvorstand Keysberg als "ernstzunehmende Option". Alternativen mit anderen potenziellen Partnern hätten sich "zum jetzigen Zeitpunkt nicht hinreichend konkretisiert".

Thyssenkrupp könnte auch versuchen, den Stahlbereich aus eigener Kraft zu sanieren. Dann aber müssten Kosten gesenkt und Jobs gestrichen werden, kündigte Keysberg an. "Erste konzeptionelle Überlegungen dafür gibt es." Bislang sollen in der Stahlsparte von Thyssenkrupp 3000 Stellen abgebaut werden.

Das stößt auf Widerstand bei der Gewerkschaft: Die Arbeitnehmervertreter pochen auf einen im vergangenen Jahr abgeschlossenen Tarifvertrag, der betriebsbedingte Kündigungen bis 2026 ausschließt. "Wir fordern die konsequente Vertragstreue, also die Freigabe dringend benötigter Investitionen in unsere Anlagen und Standorte ebenso wie die Einhaltung der Beschäftigungssicherung. Alles andere ruft unseren Widerstand hervor", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Thyssenkrupp Steel, Tekin Nasikkol.

Über dieses Thema berichtete WDR aktuell am 11. Dezember 2020 um 19:00 Uhr.