Flugzeug von Thomas Cook | Bildquelle: AP

Folgen der Insolvenz Thomas Cook streicht Ferienreisen

Stand: 26.09.2019 22:15 Uhr

Für viele Urlauber fällt die Reise in den Herbstferien aus. Durch die Insolvenz muss Thomas Cook alle Buchungen bis Ende Oktober streichen. Die Veranstalter hoffen nun auf Hilfe vom Bund.

Nur noch ein paar Tage, bis in den ersten Bundesländern die Herbstferien beginnen. Doch infolge der Insolvenz der deutschen Thomas-Cook-Gesellschaft fallen viele gebuchte Urlaube ins Wasser.

Wie das Unternehmen auf seiner eigenen Webseite bekannt gab, müssen alle Pauschalreisen, aber auch einzeln gebuchte Flüge oder Hotelaufenthalte abgesagt werden. Das gelte für alle Thomas-Cook-Veranstalter, also Thomas Cook Signatur, Neckermann Reisen, Bucher Reisen, Öger Tours und Air Marin. Zunächst hieß es, alle Reisen bis einschließlich dem 13. Oktober als Abreisetag müssten gestrichen werden. Am Donnerstagabend weitete das Unternehmen den Zeitraum bis zum 31. Oktober aus.

Geschäftsbetrieb komplett eingestellt

Für Reisen, die ab dem 01. November beginnen sollen, müsse mit der Insolvenzversicherung noch geklärt werden, inwiefern diese stattfinden könnten, hieß es vom Unternehmen weiter. Stornierungen oder Änderungen der Reisedaten seien derzeit nicht möglich. Auch der Verkauf von Reisen sei gestoppt worden, der Geschäftsbetrieb sei komplett eingestellt.

Die betroffenen Kunden sollten schnellstmöglich informiert werden. Zudem rät Thomas Cook, sich an den Dienstleister Kaera zu wenden, der von der Versicherung Zurich beauftragt wurde.

Kunden, die sich derzeit noch im Urlaub befinden, entstehen durch die Insolvenz nach Angaben von Thomas Cook keine Schäden. Der Aufenthalt sowie die Rückreise seien über den Versicherer Zurich abgesichert. Derzeit seien noch rund 70.000 Pauschaltouristen aus Deutschland im Urlaub, die über Thomas Cook oder einer der zugehörigen Veranstalter gebucht hatten.

Hotelgäste müssen laut Medien doppelt zahlen

Allerdings berichten mehrere Medien, dass Hotelbetreiber, die durch die Insolvenz der britischen Muttergesellschaft und der deutschen Thomas-Cook-Konzerne auf offenen Rechnungen sitzenzubleiben drohen, teils versuchen würden, Gäste doppelt abzukassieren. Auch der Deutsche Reiseverband bestätigte, einige Hotels wollten Gäste zwingen, noch einmal zu zahlen und hielten die Urlauber teilweise fest, bis die Zahlungsforderung erfüllt sei.

Besonders viele dieser Berichte gibt es von Mallorca. Der Hotelverband der spanischen Urlaubsinsel äußerte sich zwar nicht direkt zu den Vorwürfen, dessen Präsidentin María Frontera allerdings räumte ein, dass die durch die Insolvenz ausstehenden Rechnungen für sehr viele Hotels ein großes Problem seien. Viele Betreiber erwägen demnach, die saisonal bedingte Schließung vorzuziehen, da nun mit deutlich weniger Besuchern im Herbst und Winter zu rechnen sei. Laut Frontera belaufen sich allein die nun offenen Rechnungen infolge der Insolvenz auf mindestens 100 Millionen Euro. Die Insel werde auf jeden Fall Staatshilfen in Anspruch nehmen müssen, um die finanziellen Schäden auszugleichen.

Insolvenzverwalter beginnen Arbeit

Kurz nach dem britischen Thomas-Cook-Konzern musste die deutsche Tochterfirma am Mittwoch den Antrag auf Insolvenz stellen. Für sämtliche dazugehörigen Veranstalter wurden inzwischen vorläufige oder feste Insolvenzverwalter bestellt: Für die Thomas Cook GmbH ist das Ottmar Hermann, der bereits für andere Großkonzerne wie die Woolworth-Kette zuständig war. Man werde "alles unternehmen, um die Thomas-Cook-Gesellschaften in Deutschland fortzuführen und eine Zukunftslösung zu finden", sagte Hermann. Er versicherte, dass die Löhne der rund 2000 Mitarbeiter bis Ende November gesichert seien. In Großbritannien hatten sämtliche rund 9000 Angestellten über Nacht ihre Jobs verloren.

Die Fluggesellschaft Condor bekam Lucas Flöther zur Seite gestellt, der sich seit 2017 auch um die Insolvenz der einstmals zweitgrößten deutschen Fluglinie Air Berlin kümmert. Der Betrieb bei Condor läuft trotz Insolvenz vorerst weiter. Die Bundesregierung hatte einem Überbrückungskredit von 380 Millionen Euro zugestimmt, um die Airline zu retten.

Bekommt auch Thomas Cook Finanzhilfe?

Auch die Thomas Cook GmbH hat einen Antrag auf einen solchen Überbrückungskredit gestellt - in Höhe von 375 Millionen Euro, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete. Ob einem zweiten Rettungskredit in nahezu gleicher Höhe zugestimmt wird, bleibt aber fraglich. Zumindest ist gesichert, dass Gelder der deutschen Töchter nicht durch die Insolvenz des britischen Konzerns geschluckt werden. Das Amtsgericht Frankfurt genehmigte ein sogenanntes Schutzschirmverfahren, das genau das verhindert.

Derweil laufen Gespräche über mögliche Investoren - sowohl für die deutschen Thomas-Cook-Gesellschaften als auch für Condor. Im Frühjahr hatte die Lufthansa bereits ein Angebot für Condor abgegeben, dies später aber wieder zurückgezogen. Nun wird die Airline erneut als potenzieller Käufer gehandelt. Ryanair erteilte Condor eine Absage. Die Fluggesellschaft habe kein Interesse daran, weitere Airlines zu kaufen, sagte Unternehmenschef Michael O'Leary. Auch Thomas-Cook-Chefin Stefanie Berk versicherte gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", es gäbe mehrere Anfragen von möglichen Investoren. Namen nannte sie jedoch nicht.

Darstellung: