Elon Musk in Grünheide | Bildquelle: AFP

Tesla-Jobs in Grünheide Wie ist die Arbeit für Herrn Musk?

Stand: 11.01.2021 14:25 Uhr

In der Tesla-Fabrik bei Berlin sollen mehr als zehntausend Jobs entstehen. Die Erwartungen an Firmenchef Elon Musk sind hoch. Aber nicht nur Gewerkschaften fragen sich: Welche Arbeitsbedingungen wird er bieten?

Von Iris Marx, tagesschau.de

Viele haben sich schon für Jobs in der neuen Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin beworben, die in diesem Jahr fertig werden soll. Glaubt man der Online-Bewertungsplattform Kununu, scheinen einige vom Bewerbungsprozess enttäuscht zu sein. "Schlimmste Führungskräfte, die ich je erlebt habe", "Sehr schlechte Kommunikation zwischen den Abteilungen" oder "das Wort Familie kennt man hier nicht", so lauten die wenig schmeichelhaften Kommentare über den Elektroauto-Hersteller, die dort zu lesen sind. Und das noch bevor Tesla in dem Werk in Brandenburg die Produktion aufgenommen hat.

Interessenten aus ganz Deutschland

Dabei sind die Erwartungen an Tesla hoch. Während in Deutschland viele um ihren Job bangen, hat Elon Musk besonders in der Region für viel Aufbruchsstimmung gesorgt. Bis zum Abschluss der ersten Ausbaustufe im Jahr 2022 suche Tesla bis zu 12.000 neue Mitarbeiter, heißt es aus der zuständigen Arbeitsagentur in Frankfurt Oder. Zu den Bewertungen nimmt die Behörde keine Stellung.

Das Interesse sei auch bei qualifizierten Kräften aus ganz Deutschland groß, "es haben sich auch schon etliche ehemalige Brandenburger gemeldet, die in den 1990er-Jahren aus wirtschaftlichen Gründen ihre Heimat verlassen haben", sagt Arbeitsagentur-Sprecherin Clarissa Matos Bernal tagesschau.de. Für sie sei die Ansiedlung "das Signal, dass ein 'Coming Home' möglich ist". Die Behörde erhoffe sich "positive Impulse für den regionalen Arbeitsmarkt insgesamt".

Große Hoffnung können leicht enttäuscht werden

Bei so hohen Erwartungen sei die Möglichkeit, enttäuscht zu werden, nicht sehr weit entfernt - und Online-Bewertungsplattformen wie Kununu müssten mit Vorsicht behandelt werden, so der Arbeitsmarktexperte Oliver Stettes vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. "Aufgrund der Anonymität besteht grundsätzlich das Risiko, dass eher schlechte Bewertungen abgegeben werden." Jedoch könnten auch solche Bewertungen einem Unternehmen helfen, die eigene Personalpolitik zu reflektieren.

Doch soweit dürfte Tesla noch gar nicht sein, zumal das Unternehmen sein Verhältnis zu den deutschen Gewerkschaften erst noch klären muss. Die IG Metall ging bereits vor einem Jahr mit einem Gesprächsangebot auf Elon Musk zu. Bislang gab es von dem Unternehmer darauf keine Reaktion.

Auch von der Bindung an einen Tarifvertrag war bislang nicht die Rede. Erfahrungen aus den USA haben deutsche Gewerkschafter sehr aufmerksam verfolgt. "Wir sehen, dass beispielsweise vor Weihnachten Beschäftigte in eine Art Kurzarbeit ohne Lohnfortzahlung geschickt wurden", sagt Alina Heisig von der IG Metall tagesschau.de. Auch im Hinblick auf Arbeits- und Gesundheitsschutz und der gewerkschaftlichen Organisation der US-Werke gebe es kritische Stimmen.

Betriebsrat kaum zu verhindern

Doch auch die IG Metall möchte keine voreiligen Rückschlüsse ziehen. "Schon alleine der arbeitsrechtliche Rahmen in Deutschland ist ein anderer", so Heisig. So sei etwa die Gründung eines Betriebsrats rechtlich kaum zu verhindern.

Es sei schlicht zu früh, Tesla als quasi tarifflüchtigen Arbeitgeber zu verurteilen, meint IW-Experte Stettes. "Denn niemand weiß, ob die einzelvertraglichen Konditionen von den künftigen Beschäftigten nicht höher eingeschätzt werden als die Bestimmungen eines Tarifvertrags." Auch Tesla könnte der allgemeine Fachkräftemangel Spielraum nehmen.

Tesla selbst wollte zu diesen Fragen gegenüber tagesschau.de keine Stellung beziehen. In den kommenden Monaten wird das Unternehmen indes auf seiner eigentlichen Baustelle noch sehr viel zu tun haben. Noch immer liegen nicht alle Genehmigungen für die Giga-Fabrik vor.  

Über dieses Thema berichtete der rbb am 29. November 2020 um 10:00 Uhr in den Nachrichten aus Berlin und Brandenburg.

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Iris Marx  | Bildquelle: Tanja Schnitzler Logo tagesschau.de

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