Ein Tesla parkt vor einem Laden des Elektroauto-Herstellers. | AFP

Ankündigung von Elon Musk Tesla will Fabrik bei Berlin bauen

Stand: 13.11.2019 11:59 Uhr

Tesla-Chef Musk hat angekündigt, die europäische Fabrik des Elektroauto-Herstellers in der Nähe von Berlin bauen zu wollen. Dort sollen die Akkus produziert werden. Durch den Schritt sollen 10.000 Arbeitsplätze entstehen.

Der Elektroauto-Hersteller Tesla wird seine europäische Fabrik im Umland von Berlin bauen. Tesla-Chef Elon Musk gab diese Entscheidung überraschend bei der Verleihung des "Goldenen Lenkrads" von "Auto Bild" und "Bild am Sonntag" in Berlin bekannt. Auf Nachfrage sagte er, das Werk solle in der Nähe des geplanten Hauptstadtflughafens BER entstehen. Mehr Details nannte er zunächst nicht.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte: "Das ist eine hervorragende Nachricht für unser Land. Wir haben uns dafür seit längerem in intensiven Gesprächen und mit guten Argumenten eingesetzt. Ich bin glücklich, dass sich Elon Musk für unseren Standort Brandenburg entschieden hat."

Ökostrom, Nähe zu Berlin - und viel Platz

Nach Ansicht von Woidke kommt die geplante Fabrik auch wegen der erneuerbaren Energien nach Brandenburg. Das sei im Gespräch mit Musk ein entscheidender Vorzug gewesen. "Wir verbinden hier Klimaschutz mit Wirtschaftsstärke und das muss das Signal sein in die ganze Welt." Als weitere Vorzüge nannte Woidke die Metropolregion mit Berlin, eine hohe Dichte an Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen - und: "Wir haben Platz."

Das Land hat nach Angaben des Regierungschefs seit fünf bis sechs Monaten mit Tesla verhandelt. "Wir haben verschiedene Standorte angeboten, und die Standortauswahl hat dann Tesla getroffen", sagte Woidke. Die Ansiedlung "bedeutet eine der größten Investitionen in der Geschichte unseres Landes".

"Wir sind bei 95 Prozent der Fragen durch, aber es werden auch noch weitere Fragen geklärt werden müssen", sagte der Ministerpräsident. Tesla seien Zusagen für übliche Subventionen im Rahmen des EU-Beihilferechts gemacht worden. Auf die Frage, ob noch ein Risiko bestehe, sagte er mit Blick auf Musk: "Ich habe ihn als sehr verlässlichen Menschen kennengelernt."

Bis zu 7000 Jobs in Brandenburg erwartet

Die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop rechnet durch die geplante Fabrik mit Tausenden neuer Jobs. "Zurzeit sind im Gespräch für die Factory in Brandenburg rund 6000, 7000 Arbeitsplätze", sagte sie im RBB Inforadio. Hinzu kämen in Berlin "auch noch ein paar Hundert, wenn nicht gar ein paar Tausend" neue Jobs.

Tesla sei nicht nur ein reiner Autohersteller, sondern auch in den Bereichen Software, Innovation und Forschung aktiv. "Da ist Berlin natürlich der richtige Standort." Der Grünen-Politikerin zufolge kann Tesla für den Aufbau seiner Produktion mit Fördermitteln rechnen. "Jedes Unternehmen, dass sich hier ansiedelt oder hier erweitert, und neue Arbeitsplätze schafft, hat Anspruch auf diese Wirtschaftsförderung."

"Wichtig war für Tesla deshalb die Nähe zu Berlin sowie zum neuen Flughafen BER", sagte eine Sprecherin der Wirtschaftsverwaltung mit Blick auf die Fachkräfte in der Hauptstadt. Tesla plant demnach auch ein Entwicklungs- und Designzentrum in Berlin.

Tesla suchte Standort für "Gigafactory"

Wie die 'Welt" berichtete, war Musk überraschend zu der Verleihung des Preises gekommen. Tesla hatte schon seit längerem nach einem Standort für eine "Gigafactory" für die Herstellung von Batterien und Fahrzeugen in Europa gesucht. Musk hatte zuvor bereits gesagt, Deutschland habe gute Chancen. Zuletzt hatte Tesla lediglich erklärt, man sei auf der Zielgeraden und wolle den Standort bis Jahresende bekanntgeben. Im Gespräch waren aber eher andere Bundesländer - unter anderem das Saarland und Niedersachsen. Berlin war nicht auf dem Radar.

Nach "Tagesspiegel"-Recherchen handelt es sich dabei um eine potenzielle Industriefläche im brandenburgischen Grünheide im Landkreis Oder-Spree südöstlich von Berlin, die bereits einmal im Rennen für die Ansiedlung eines BMW-Werkes war. Brandenburgs Regierungssprecher bestätigte dies nicht. Details zum konkretem Standort wolle Tesla bekannt geben, sagte er.

Tesla-Chef Elon Musk. | REUTERS

Tesla-Chef Elon Musk verkündete seine Entscheidung bei der Verleihung des "Goldenen Lenkrads". Bild: REUTERS

Betriebsbeginn bis Ende 2021

Die Fabrik in Deutschland soll nach bisherigen Angaben voraussichtlich Ende 2021 in Betrieb gehen. Sie soll das aktuell wichtigste Tesla-Fahrzeug Model 3 für den europäischen Markt produzieren sowie auch den auf seiner Basis entworfenen künftigen Kompakt-SUV Model Y. Mit dem Model 3, das in Deutschland aktuell ab einem Preis von gut 44.000 Euro zu haben ist, will Tesla sich einen breiteren Markt erschließen.

Die erste Gigafactory, die bisher nur Batterien produziert, baute Tesla in der Wüste im US-Bundesstaat Nevada. Erst vor kurzem wurde in kurzer Zeit eine Fabrik in China fertiggestellt, ebenfalls für die Produktion des Model 3.

In Europa montierte Tesla bisher in den Niederlanden einige Fahrzeuge der teureren Modellreihen S und X. Musk stellte aber wiederholt klar, dass er die Zukunft der Firma vor allem in Model 3 und Model Y sieht. Die Firma ist ein Vorreiter bei der Elektromobilität, kämpfte aber angesichts teurer und verzögerter Produktions-Anläufe bei neuen Modellen immer wieder mit massiven Geldproblemen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. November 2019 um 07:00 Uhr.