Das Logo der Deutschen Telekom leuchtet auf dem Dach der Zentrale des Unternehmens in Bonn.
Interview

Telekommunikationsexperte Gerpott zur Konzernstrategie "Die Telekom löffelt die Suppe aus dem Jahr 2000 aus"

Stand: 08.11.2012 16:42 Uhr

Seit 2000 ist die Telekom in den USA vertreten - und hat dort Absatzsorgen. Mit der geplanten Fusion von T-Mobile USA und MetroPCS versuche sie nun den Befreiungsschlag - aber der koste zunächst einmal Milliarden, sagt Telekommunikationsexperte Torsten Gerpott zu tagesschau.de.

tagesschau.de: Hat sich die Telekom auf dem US-Markt verzockt?

Torsten Gerpott: Sie hat sich nicht auf dem US-Markt verzockt, sondern löffelt heute immer noch die Suppe aus, die sie sich im Jahr 2000 eingebrockt hat, als sie sich damals in den USA beteiligte. Der Konzern versucht nun mit dem Zusammenschluss mit MetroPCS aus dem relativ schwierigen Geschäft in den USA noch das Beste zu machen.

Zur Person

Torsten Gerpott hat an der Universität Duisburg-Essen den Lehrstuhl für Unternehmens- und Technologieplanung inne. Einer seiner Schwerpunkte ist das Management von Unternehmen der Telekommunikationswirtschaft.

tagesschau.de: Ist es für die Telekom trotz dieser Probleme überhaupt ratsam, auf dem US-Markt vertreten zu sein?

Gerpott: Ich denke, die Telekom hat kurzfristig keine Alternative. Etwa ein Viertel ihres Umsatzes macht sie in den USA, sie beschäftigt dort 30.000 Mitarbeiter, sie macht etwa 20 Prozent ihres Gewinnes in den USA. Daher kann sie nicht von heute auf morgen dort aussteigen. Andere Möglichkeiten, das Geschäft zu verkaufen, hatten sich im vergangenen Jahr zerschlagen. Deshalb versucht man nun eine Flucht nach vorn.

tagesschau.de: In Deutschland läuft das Geschäft offenbar gut. Worauf führen Sie das zurück?

Gerpott: So gut läuft das Geschäft in Deutschland eigentlich gar nicht. Der Umsatz hat sich in Deutschland im Quartalsvergleich um 1,5 Prozent verringert, die Marge ist etwa konstant geblieben.

tagesschau.de: Aber im Mobilfunk-Geschäft hat sie gut aufgeholt.

Gerpott: Ja, da hat sie ein bisschen zugelegt, aber sie verliert in gleicher Weise im Festnetz. Das sieht man auch heute am Börsenkurs. Der ist etwa 1,5 Prozent zurückgegangen. Die Position im deutschen Markt ist in Ordnung: Man fährt geradeaus - wie ein großer Tanker - und ist insbesondere im Bereich mobiles Internet auf Wachstumskurs. Aber wirkliche Wachstumsfantasien - gerade im Festnetzbereich - kann ich in dem Geschäft und in der Strategie nicht erkennen.

tagesschau.de: In der Festnetz-Sparte ist der Kundenschwund noch nicht gebannt. Aber wie entscheidend ist das noch in Zeiten von Mobilfunk und mobilem Internet?

Gerpott: Das Festnetz ist weiterhin ein großer Gewinnbringer für die Telekom in Deutschland. Man kann jetzt nicht einfach das Festnetzgeschäft einstellen. Das wird über Jahre hinaus noch die Cash-Cow für die Telekom bleiben. Deswegen strengt sich das Unternehmen an und versucht, über hochbitratige Internetanschlüsse oder über Fernsehprodukte den Boden zumindest zu halten.

Das Interview führte Katrin Prüfig, tagesschau24.