Eine Luft-Luft-Waermepumpe vor einem Fertighaus. | picture alliance / dpa Themendie

Hohe Zuwächse 2023 350.000 neue Wärmepumpen erwartet

Stand: 28.12.2022 08:54 Uhr

Die Sorge vor Gasknappheit und den hohen Preisen machen Wärmepumpen als Heizsystem derzeit beliebt. 2023 erwartet der Branchenverband 350.000 neu installierte Geräte - ein Plus von über 50 Prozent.

Ungeachtet des Mangels an Material und Handwerkern geht die Wärmepumpenbranche auch für das kommende Jahr von einem starken Wachstum aus. Rund 350.000 Geräte sollen gebaut und installiert werden, wie der Bundesverband Wärmepumpe mitteilte. Ausgehend von prognostizierten 230.000 Neugeräten in diesem Jahr wäre das ein Plus von 52 Prozent.

Hersteller und Handwerk erweiterten laufend ihr Angebot, hieß es vom Verband. Schon 2022 verzeichnete die Branche ein prognostiziertes Absatzplus von rund 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Maßgeblicher Treiber sei die befürchtete Gaskrise infolge des Kriegs in der Ukraine: "Die gewünschte Unabhängigkeit vom Import fossiler Energieträger spielt eine entscheidende Rolle bei der Wahl des Heizungssystems."

Wärmepumpen bei Verbrauchern hoch im Kurs

"Dass es bei Gas derzeit zu Problemen bei der Versorgungssicherheit kommen könnte und die Preise für das Heizen sehr stark gestiegen sind, nehmen die Verbraucher ernst. Sie leisten, so weit sie es können, ihren Beitrag", meinte jüngst auch Martin Brandis, Referent für Energieberatung der Verbraucherzentralen, im Gespräch mit tagesschau.de. Die Verbesserung der Heiztechnik für die Verringerung des Gasverbrauchs sei ein Schwerpunkt in den aktuellen Beratungen mit Haushalten.

Dabei stehen besonders Wärmepumpen auf der Agenda. Sie gelten als Heilsbringer in der Energiewende und Heiztechnologie der Zukunft. Denn sie werden elektrisch betrieben und können so den sauberen Strom von Windrädern und Solaranlagen nutzen. Dazu kommt im Vergleich zu anderen Heizmöglichkeiten ein hoher Wirkungsgrad. Die Bundesregierung hat daher das Ziel, die Wärmepumpe als neue Nummer eins unter den Heizungen hierzulande zu integrieren. Ab 2024 sollen nach den Plänen jährlich 500.000 Wärmepumpen installiert werden. Bis 2030 sollen es insgesamt sechs Millionen Geräte in Deutschland sein.

Materialmangel und Engpässe bei Handwerkern könnten aus Sicht des Bundesverbands Wärmepumpe den Hochlauf allerdings ausbremsen. Schon jetzt betragen die Wartezeiten zwischen einem halben und einem Jahr. "Wir kommen aus einer Produktionskapazität, die vorher für einen Markt von 150.000 ausgerichtet war. Die Nachfrage läuft aber jetzt eigentlich schon auf die 500.000 hinaus", sagte der Leiter Politik des Verbands, Björn Schreinermacher. Die Industrie habe jedoch deutlich gemacht, dass ein schneller Ausbau möglich sei.

Branche hält Ziele trotz Materialengpass für realistisch

Der Hersteller Bosch Thermotechnik etwa, der sich zu den führenden Anbietern in Deutschland zählt, hat sich für Wärmepumpen ein Wachstumsziel von 35 bis 40 Prozent gesetzt. Eine weitere Produktion in Eibelshausen in Mittelhessen soll im Januar an den Start gehen. Das Bosch-Tochterunternehmen will bis 2025 knapp 300 Millionen Euro für die Elektrifizierung in die Hand nehmen, die schwerpunktmäßig in Forschung und Entwicklung sowie Industrialisierung im Bereich Wärmepumpe fließen sollen. 400 Millionen Euro seien bereits seit 2018 investiert worden.

Die Nachfrage nach Wärmepumpen sei weiter sehr hoch, teilte eine Sprecherin mit. Das Unternehmen versuche, die Lieferzeiten möglichst kurz zu halten - etwa würden Anlagen priorisiert, die komplett ausgeliefert werden könnten, damit die Heizungsbauer diese Baustelle effizient abarbeiten könnten. Eine kurzfristige Verbesserung des Bauteilemangels erwartet Bosch Thermotechnik aber nicht.

Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) hält das Sechs-Millionen-Ziel der Bundesregierung derweil für realistisch. Es müsse aber an mehreren Stellschrauben gleichzeitig gedreht werden: Neben einem Aufbau von Fachkräften und Effizienzsteigerungen durch Digitalisierung brauche es mehr Anreize vonseiten der Bundesregierung. Die hohen Strompreise und rückläufige Förderungen seien perspektivisch betrachtet Hemmnisse.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 20. Dezember 2022 um 06:00 Uhr.