Schauspieler Morgan Freeman (Archiv) | dpa

Digital bearbeitete Stimmen Plötzlich kann Morgan Freeman Deutsch

Stand: 01.05.2021 11:38 Uhr

Ein israelisches Start-up will Synchronsprecher für Filme oder Serien durch Künstliche Intelligenz ersetzen - mit einer Software, die Originalstimmen digital bearbeitet.

Von Susanne Glass, ARD-Studio Tel Aviv

Ziemlich ungewohnt ist es schon, wenn der amerikanische Schauspieler Morgan Freeman mit seiner einzigartig tiefen Stimme plötzlich fließend Deutsch oder Spanisch spricht. Es klingt, als habe sich der US-Hollywoodstar in den Filmfassungen für die jeweiligen Länder selbst synchronisiert. Nun hat der Oscar-Preisträger in seinem 84. Lebensjahr nicht etwa den Corona-bedingten Stillstand der Filmsets dazu genutzt, diverse Fremdsprachen zu pauken. Es handelt sich vielmehr um ein sogenanntes "Deep Fake" seiner unverwechselbaren Stimme, also eine digitale Bearbeitung - präsentiert von dem israelischen Start-up "Deepdub".

Susanne Glass ARD-Studio Tel Aviv

Brüder mit Geheimdienst-Erfahrung

Das Unternehmen wurde 2019 von den Brüdern Ofir und Nir Krakowski gegründet, die auch den Cybersektor des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet mit aufgebaut haben. Beide sind begeisterte Filmliebhaber. Sie finden es enttäuschend, wenn in synchronisierten Fassungen auf die charakteristischen Originalstimmen der Schauspieler verzichtet werden muss und stattdessen eine Voice-Over-Version von lokalen Sprechern oder Sprecherinnen präsentiert wird.

Nun wollen sie mit Hilfe Künstlicher Intelligenz den Film- und Serienmarkt revolutionieren. Mit der von ihnen entwickelten "Deep Learning"-Synchronisationsplattform können Produktionsfirmen Inhalte von einer Sprache in eine andere transformieren. Die Software lernt und trainiert mit Hilfe verschiedener Clips der Originalstimmen, bis es ihr möglich ist, mit den Sprachdaten eine künstliche Stimme zu erzeugen, die wie das Original klingt - nur eben in den unterschiedlichen Landessprachen.

Auch Dialekte und Akzente möglich?

Zunächst startet "Deepdub" mit einem Dienst in Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch. Das Start-up wirbt nicht nur damit, die Authentizität der Produktionen und den Filmgenuss zu verbessern. Hollywood-Filmverleiher und Streaming-Dienste sollen dank der künstlichen Stimmen auch Geld und Zeit sparen können. Denn Synchronproduktionen sind teuer und dauern oft Monate. Die KI soll diese Arbeit innerhalb von wenigen Wochen zu einem Bruchteil der Kosten verrichten.

Die Brüder Krakowski sind außerdem stolz darauf, dass ihre Kunden wählen können, ob die ursprünglichen Schauspieler und Schauspielerinnen die Landessprache perfekt sprechen oder mit Akzent. So kann Morgan Freeman etwa für den italienischen Markt wunschgemäß entweder "molto bene" wie ein geborener Römer parlieren oder auch Italienisch mit amerikanischem Akzent. Theoretisch möglich wären wohl auch diverse Dialekte. Der Schauspieler selbst hat sich übrigens noch nicht dazu geäußert, ob er es gut fände, wenn er seine Fans künftig auch mit plattdeutschen oder bayerischen Sprachkenntnissen überraschen würde.