Verfüllung des Schachtes Ibbenbüren | RAG Aktiengesellschaft

Zeche Prosper-Haniel Dicht im Schacht

Stand: 07.10.2021 19:35 Uhr

Die Zeche Prosper-Haniel war das letzte aktive Bergwerk im Ruhrgebiet. Drei Jahre nach der Schließung hat nun die Verfüllung des letzten Schachts begonnen. Wie funktioniert das? Wie lange dauert es? Und wie sicher ist das?

Von Jonas Lugibihl, WDR

1000 Meter tief fließt der Beton, mit einem Tempo von 17 Metern pro Tag. Bis zum Ende des Jahres wird es dauern, bis der Beton den gesamten Schacht Haniel 2 in Bottrop ausgefüllt hat. Dasselbe geschieht mit dem etwa halb so tiefen Schacht Haniel 1.

Dass Schächte, die nicht mehr verwendet werden, mit Beton aufgefüllt werden, gehört zum normalen Rückbau eines Bergwerks. Diese Verfüllung ist aber eine besondere. "Am Haniel-Schacht wurde 2018 dem Bundespräsidenten die letzte Kohle überreicht. Er hat deshalb auch eine historische Bedeutung. Es sind die letzten Schächte des letzten Bergwerks im Pott, die nun verschlossen werden", sagt Christof Beike von der RAG Aktiengesellschaft, die die Zeche betreibt.

Dauerhafte Sicherung

Doch bevor der Beton in den Schacht geschüttet wird, muss das Bergwerk erst einmal ausgeräumt werden. Seile, Förderkörbe, Maschinen - alles, was sich bewegen kann, muss raus. Festmontiertes aber kann bleiben, so wie die Spurlatten - eine Art Schienen für die Körbe - erklärt Thomas Ahlbrecht, Experte in Sachen Schachtverfüllung. Erst dann kann der Beton kommen.

Früher wurde zur Verfüllung auch Gestein aus den Bergwerken oder teilweise Recycling-Material verwendet. "Davon ist man aber seit einigen Jahren komplett abgekommen, weil man sicher sein will, dass diese Schachtverfüllung dauerhaft ist", so Ahlbrecht. Dauerhaft heißt aus seiner Sicht, den Schacht 150 bis 200 Jahre sicher zu verfüllen.

Gelände der Zeche Prosper-Haniel  | dpa/Marcel Kusch

Bei der Vollverfüllung wird der letzte Sacht der Zeche von tiefsten Punkt bis zur Oberfläche komplett gefüllt. Bild: dpa/Marcel Kusch

Alles muss dicht sein

"Man macht diese Schachtverfüllung nach dem jetzigen Stand dauerhaft, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass solche Verfüllungen irgendwann Schäden haben werden, so dass nachverfüllt werden muss oder man überlegen muss, wie man mit diesen Schäden umgeht", erklärt Ahlbrecht. Regelmäßig werden deshalb Schächte, die nicht nach den heutigen Standards verfüllt wurden, neu mit Beton verschlossen. Denn dicht muss es sein. Von den stillgelegten Gruben darf später keine Gefahr mehr ausgehen - etwa durch einen Erdeinbruch oder durch ausweichende Gase, die sich entzünden können.

Verwendet wird eine speziell hergestellte Beton-Mischung. Sie soll alle Hohlräume komplett ausfüllen. "Bei der Vollverfüllung wird der Schacht vom tiefsten Punkt bis zur Erdoberfläche komplett verfüllt. Da, wo es dann Übergänge vom Schacht ins Bergwerk gibt, werden unter Umständen Mauern gesetzt, damit das Material nicht abfließen kann", sagt Ahlbrecht. Meistens werde das Material aber so angerührt, dass es solche Mauern nicht benötigt.

Kosten in Millionenhöhe

Auch wenn das Prinzip der Verfüllung einfach ist: Günstig ist sie nicht. Christof Beike von der RAG schätzt, dass es etwa 14 bis 15 Millionen Euro kosten wird, die beiden letzten Schächte von Prosper-Haniel dicht zu machen. Bereits Endes des Jahres soll Prosper Haniel dann komplett vollgelaufen sein.

Was dann passiert, ist noch nicht klar. Es gebe Ideen und Gespräche, sagt Beike. Auf dem Gelände könne es dann neue Gewerbeflächen oder Freizeitangebote geben, aber "die Zeit drängt da nicht". Die Verfüllung der Schächte ist ein wichtiger Schritt, um etwas Neues zu ermöglichen. Sie schließt aber auch unwiederbringlich mit der Geschichte des Bergbaus ab, der das Ruhrgebiet über Jahrhunderte prägte.