Mobile Powerbanks in China. | ARD-Studio Shanghai

Powerbank-Verleih in China Die schnelle Ladung fürs Smartphone

Stand: 22.01.2022 15:04 Uhr

Der Handy-Akku ist leer? In China kein Problem: Dort gibt es überall Powerbanks zum Ausleihen. Das ist auch notwendig, denn ohne Smartphone geht in China fast nichts mehr.

Von Eva Lamby-Schmitt, ARD-Studio Shanghai

In diesem kleinen Café in Shanghai ist jeden Morgen viel los. Um 9 Uhr ist hier Hochbetrieb wie in all den chinesischen Frühstücksläden, die sich die schmale Straße entlang ziehen. Was alle Läden gemeinsam haben: Kleine grüne, weiße oder gelbe Boxen stehen entweder vor dem Laden, an der Kasse oder in hinteren Ecken der Cafés. Hier können sich die Kunden Powerbanks ausleihen, um schnell ihr Smartphone zu laden.

Eva Lamby-Schmitt ARD-Studio Shanghai

"Das Smartphone wird heute für alles gebraucht"

Die meisten Kunden finden das sehr praktisch. "Eine Powerbank mitzuschleppen, ist zu schwer. Daher ist es am einfachsten, sie sich ausleihen zu können", sagt eine Café-Besucherin. "Wo immer man ist, kann man sie benutzen. Auf dem Smartphone geht der Akku schnell leer. Ich nutze soziale Medien, checke Mails und mache Fotos." Und eine andere Frau stimmt ihr zu: "Der Akku ist schnell leer, und manchmal ist man in einer Notsituation. Das Smartphone wird heute für alles gebraucht - zum Beispiel für den Gesundheitscode", erklärt sie. "Für Notfälle sind Powerbanks also sehr praktisch. Und sie sind ziemlich günstig."

Um sich eine Powerbank zu mieten, muss man einen QR-Code scannen und mit der Bezahlfunktion des Smartphones einen kleinen Betrag bezahlen, in der Regel weniger als ein Euro. Dann ploppt die Powerbank aus der Box, man kann sie mitnehmen und damit sein Telefon laden. Passende Kabel sind mit dabei. Abgeben kann man die Powerbank direkt vor Ort, aber auch woanders an einer anderen Box.

Anbieter und Verleiher machen fifty-fifty

In China gibt es mehrere Anbieter. Sie heißen Energy Monster oder Xiao Dian - und haben eins gemeinsam: Mit Journalisten möchten sie nicht sprechen. Stattdessen erklärt ein Café-Besitzer, wie das Geschäftsmodell funktioniert und was er davon hat. "Wir haben eine Vereinbarung mit den Anbietern der Powerbanks. Sie können ihre Geräte hier aufstellen, nutzen unseren Strom, und wir teilen uns den Gewinn 50:50", so der Geschäftsmann. "Angenommen, ein Kunde gibt zehn Chinesische Yuan für das Aufladen aus, dann erhält der Anbieter fünf Yuan und ich fünf Yuan." Im Monat verdient er umgerechnet zehn bis 30 Euro.

Für die Powerbank-Anbieter, die pro Gerät den gleichen Gewinn machen, scheint diese Gewinnspanne gering zu sein. Und doch hat sich in China ein ganzes Netzwerk solcher Powerbank-Stationen entwickelt. Der Marktführer Energy Monster hat bis Ende 2020 Ausleihstationen an mehr als 664.000 Standorten aufgebaut - mit mehr als fünf Millionen Powerbanks.

Börsengang ohne große Resonanz

Vor knapp einem Jahr ist das Unternehmen in den USA an die Börse gegangen; die Investoren scheinen allerdings zurückhaltend zu sein. Oscar Ramos, ein Unternehmensberater in Shanghai für Start-ups auf dem chinesischen Markt, meint dennoch, dass sich das Modell finanziell trägt. "Ich denke, ein wichtiger Punkt ist, dass viele elektronische Geräte in China hergestellt werden. Das bedeutet, dass die Grundkosten für all diese Produkte wirklich sehr erschwinglich sind", erklärt Ramos. "Man muss also nicht die Logistik und die Kosten für den Versand an andere Orte mit einbeziehen."

Die Hürden für diese Dienstleistung seien sehr niedrig. "Wenn man sich anschaut, wie viel eine Powerbank in Europa kostet oder eine Powerbank hier, dann sind die Preise hier sehr, sehr günstig", so der Start-up-Berater. "Die Wirtschaftlichkeit dieses Konzepts ist also sehr gut."

Chinesische Handynutzung nicht mit deutscher vergleichbar

Der chinesische Markt und die Nachfrage nach Powerbanks seien allerdings nicht vergleichbar mit dem Markt in Europa, sagt Ramos. Die Menschen in China würden die Ladung ihrer Handyakkus doppelt so schnell verbrauchen wie in Europa. Das liege an den vielen Apps, die im Alltag gebraucht werden.

Das weiß auch Thomas Derksen aus Deutschland, der seit mehreren Jahren in China lebt: "Wenn einmal die Batterie leer ist hier, dann kriegt man schon ein bisschen Herzrasen", sagt er. Denn dann könne man nicht mehr mit der U-Bahn fahren, wenn man keinen Strom mehr habe - man könnte nicht mehr Fahrrad fahren und schlicht nichts mehr bezahlen. "Das ist schon so, dass es sehr, sehr wichtig ist", so Derksen. "Ich kenne kaum einen aus meinem Bekannten- und Freundeskreis, dessen Handyakku den ganzen Tag lang hält."

In Deutschland dreht sich dagegen noch nicht alles um das Smartphone. So ist Barzahlung zum Beispiel noch möglich. In China hingegen nehmen längst nicht mehr alle Verkäufer Bargeld an, oder sie haben schlicht kein Wechselgeld. Experten glauben, dass sich das Ausleihmodell mit den Powerbanks in Deutschland nicht lohnt, weil die Kosten zu hoch seien und Powerbanks nicht in dem Maße nachgefragt würden.