Solarzellen vor blauem Himmel | dpa

Offenbar großes Potenzial Solaranlagen auf Lärmschutzwänden?

Stand: 06.10.2022 19:41 Uhr

Jährlich bis zu einer Million Tonnen CO2 könnten durch Photovoltaik-Module auf Lärmschutzbauten entlang deutscher Autobahnen und Bahngleise eingespart werden. Das zeigt eine neue Studie.

Photovoltaik-Anlagen auf Lärmschutzbauten entlang der deutschen Autobahnen und Bahngleise könnten laut einer aktuellen Studie einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Bis zu einer Million Tonnen CO2 könnten demnach pro Jahr eingespart werden. Dieses Potenzial hat eine Analyse ergeben, die der Deutsche Wetterdienst (DWD) zusammen mit dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA) und der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) durchgeführt hat.

Die Lärmschutzeinrichtungen entlang der Bahnstrecken, Autobahnen und Bundesstraßen seien zusammen rund 5800 Kilometer lang, teilte der DWD heute in Offenbach mit. Auf Basis von Satellitendaten sei ausgerechnet worden, dass dort durch nachträglich montierte Photovoltaik-Module jährlich rund 1500 Gigawattstunden (GWh) Solarstrom erzeugt werden könnten. Das würde den jährlichen Stromverbrauch von rund 450.000 Haushalte decken.

Lärmschutzwälle mit größtem Potenzial

Etwa 80 Kilometer der gesamten Länge machen Steilwälle aus, das heißt mit Steinen gefüllte Metallgestelle. Lärmschutzwände kommen auf etwa 2500 Kilometer. Bei beiden betrage die für Photovoltaik-Module nutzbare Fläche aufgrund von aufgrund von Steinschlag, Verschattung, Statik und Lärmschutzeigenschaften etwa zehn Prozent, heißt es in der Analyse.

Das größte Potenzial sollen sogenannte Lärmschutzwälle mit einem Neigungswinkel von typischerweise 30 Grad haben. "Das ist optimal für die Sonneneinstrahlung und verbessert auch die statische Tragfähigkeit", sagte Frank Kaspar, Leiter der Abteilung Hydrometeorologie des DWD. Diese Wälle, die oft mit Gras bewachsen sind und an Deiche erinnern, gibt es auf rund 1300 Kilometern entlang der Autobahnen.

Laut der Studie haben die Lärmschutzwälle ein jährliches Ertragspotenzial von rund 1200 GWh, wenn 50 Prozent ihrer Fläche mit PV-Anlagen bebaut werden. Erhöht man die Belegung mit Photovoltaikmodulen auf 60 Prozent, seien es rund 1400 GWh; bei 70 Prozent sogar 1695 GWh.

Knapp ein Fünftel des Stroms in Deutschland von der Sonne

Um die Potenziale zu heben, müssten die lärm- und betriebstechnischen Eigenschaften der Bauwerke den Autoren zufolge aber erhalten bleiben. Zudem seien begrünte Lärmschutzbauten oft naturschutzrechtlich relevant. "Um diese Einschränkungen zu berücksichtigen, haben wir die Annahmen für die rechnerische Abschätzung des potenziellen jährlichen Energieertrags von PV-Anlagen an Lärmschutzbauten entlang der Verkehrswege bewusst sehr konservativ gewählt", so Kaspar.

Das Ergebnis sei trotzdem "höchst erfreulich" und zeige, "welchen großen Beitrag diese bislang ungenutzten Flächen zur Energiewende leisten können". Generell nimmt die Produktion von Solarstrom in Deutschland derzeit Fahrt an auf. Trotz Gaskrise kam in diesem Sommer in Deutschland laut der Denkfabrik Ember Climate knapp ein Fünftel des erzeugten Stroms von der Sonne. Zum Vergleich: Im gesamten ersten Halbjahr waren es nach Angaben des Branchenverbands BDEW und des Stuttgarter Forschungsinstitutes ZSW lediglich zwölf Prozent.

Doch neben den Lärmschutzbauten gibt es auch auf privaten Dächern noch viel Potenzial. Mehr als zehn Millionen Einfamilienhäuser sind nach einer Analyse des Marktforschungsunternehmens EUPD Research für Solaranlagen geeignet. Dazu kommen Mehrfamilienhäuser, Büro- und Industriegebäude - bisher wird erst rund ein Zehntel der Dachflächen genutzt.

Über dieses Thema berichtete die ARD in der Sendung Plusminus am 28. September 2022 um 21:45 Uhr.