Ein junger Mann sitzt in einer S-Bahn und benutzt dabei sein Smartphone | picture alliance / Hauke-Christi

Umstellung im neuen Jahr Die Uhr tickt für 3G-Kunden

Stand: 29.12.2020 11:07 Uhr

2021 schalten Telekom, Vodafone und Telefónica ihre 3G-Mobilfunknetze ab. Über 30 Millionen SIM-Karten sind betroffen. Auch so manchem Notebook-Besitzer und Autofahrer droht Ungemach.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

2021 ist mit 3G endgültig Schluss. Dann geht das UMTS-Mobilfunknetz "in den wohlverdienten Ruhestand", wie es bei Vodafone heißt. Vodafone und Telekom wollen ihr 3G-Netz zum 30. Juni abschalten, Telefónica plant diesen Schritt bis Jahresende 2021.

Aus Sicht der großen Netzbetreiber ist das auch nur konsequent. Denn die aktuell noch von 3G belegten Frequenzen werden dringend für den Ausbau der 4G/LTE und 5G-Netze benötigt. Will man die digitale Infrastruktur in Deutschland verbessern, kommt man um das Abschalten des 3G-Netzes nicht umhin.

Das Ziel: Mehr Menschen mit 5G erreichen

Die Deutsche Telekom etwa will bis Mitte kommenden Jahres alle UMTS-Standorte für 5G aufrüsten. Ende 2021 wollen die Bonner dann 80 Prozent der Menschen in Deutschland mit 5G erreichen. Aktuell sind es 67 Prozent.

Für Mobilfunkkunden ist das Abschalten des 3G-Netzes damit auf den ersten Blick eine feine Sache, sichert es doch, dass wertvolle Kapazitäten und Ressourcen in den Ausbau des zukunftsträchtigen 5G-Netzes gesteckt werden können.

Laut den großen Netzbetreibern sind ohnehin nur sehr wenige Kunden von dem 3G-Aus betroffen: So teilte Vodafone mit, dass 3G nur noch 2,5 Prozent des mobilen Datenverkehrs in seinem Netz ausmache. Ein Telekom-Sprecher äußerte sich ähnlich: "Der veraltete 3G-Standard wird nur noch von einem sehr kleinen Anteil unserer Kunden genutzt."

3G iPhone-Schriftzug und Display

Das Aus für den 3G-Standard steht in Deutschland bevor.

Knapp ein Drittel der SIM-Karten betroffen

Eine aktuelle Studie des Verbands der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) wirft allerdings ein etwas anderes Licht auf die Sachlage. Demnach kann der Großteil der Ende 2020 aktiven SIM-Karten, das sind konkret 71,2 Millionen Karten, maximal das LTE-Netz nutzen. Nur 4,2 Millionen Karten sind in der Lage, auf das 5G-Netz zuzugreifen.

Der Anteil der SIM-Karten, die nur die älteren Mobilfunknetze 2G/3G unterstützen, liegt bei 31,2 Prozent. Das entspricht immerhin 34,2 Millionen SIM-Karten.

Markt persönliche SIM-Karten

Knapp ein Drittel der Ende 2020 aktiven SIM-Karten unterstützte nur 2G/3G

Kein Facebook und Surfen mehr

Diese Kunden wären zum Zeitpunkt der Abschaltung von einem auf den anderen Tag offline. Surfen im Internet, Facebook, Instagram - all das wird dann nicht mehr funktionieren. Einzig das Telefonieren und Verschicken von SMS-Nachrichten sowie reinen Textnachrichten via WhatsApp wird dann noch möglich sein. Der Plan ist nämlich, dass die Geräte dann automatisch in das schlechtere 2G-Netz (auch GSM oder Edge genannt) wechseln.

Wer sein altes Telefon ohnehin nur für Anrufe nutzt, wird somit keine großen Probleme haben. Alle anderen von der Umstellung betroffenen Mobilfunk-Kunden, die weiterhin im Netz surfen wollen, dürften Mitte 2021 respektive spätestens Ende 2021 gezwungen sein, sich neue SIM-Karten und in vielen Fällen auch neue Smartphones zu besorgen. Alte Geräte, die bis 2011 auf den Markt kamen, sind nämlich nicht 4G-kompatibel.

Doch nicht nur Mobilfunk-Kunden sind von dem 3G-Aus betroffen. So sind in manchen Unternehmen noch Modems und Router für Vernetzungsaufgaben im Einsatz, die maximal 3G unterstützen. Auch in vielen älteren Notebook-Modellen mit integriertem Modem ist ein UMTS-Modem verbaut, das maximal im 3G-Standard funkt.

Telematik-Dienste auch betroffen

Sogar manchem Autofahrer droht Ungemach. "Bei BMW könnte aus 'Connected Drive' ein Offline Car werden, Mercedes Connect Me könnte sich in ein Disconnected Car verwandeln", stichelt die "Computerwoche". Tatsächlich können selbst in jüngeren Fahrzeugen Telematik-Dienste häufig nur auf ein UMTS-Modem zurückgreifen.

Diese lange Liste zeigt: Privatkunden wie Unternehmen tun gut daran, beizeiten zu überprüfen, ob ihre SIM-Karten und Geräte LTE-tauglich sind. Andernfalls droht 2021 ein böses Erwachen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. August 2020 um 11:48 Uhr.