Logo der Microsoft Corporation am Sitz der Microsoft Deutschland GmbH, Köln | picture alliance / Geisler-Fotop

Tech-Ausverkauf Beruhigungspille von Microsoft

Stand: 26.01.2022 08:31 Uhr

Der Softwarekonzern Microsoft hat einen Milliardengewinn eingefahren und hofft weiter auf glänzende Geschäfte mit Cloud, Teams und Windows 11. Doch kann das helfen, die Tech-Wachstumssorgen an den Börsen zu lindern?

Das boomende Cloud-Geschäft hat Microsoft auch im abgelaufenen Quartal ein starkes Wachstum beschert. Das Unternehmen aus Redmond, einer Stadt im Großraum Seattle, meldete nach US-Börsenschluss für die Monate Oktober bis Dezember einen Nettogewinn von 18,8 Milliarden Dollar. Im Vergleich zum Vorjahr entsprach das einer Steigerung um 21 Prozent.

Der Umsatz schnellte um 20 Prozent in die Höhe auf 51,7 Milliarden Dollar. Damit knackten die Erlöse erstmals in der Geschichte des weltgrößten Softwarekonzerns die Marke von 50 Milliarden Dollar.

270 Millionen Teams-Nutzer pro Monat

Microsoft hatte am Anfang des Quartals sein neues Betriebssystem Windows 11 auf den Markt gebracht. Die Einnahmen im Windows-Geschäft mit PC-Herstellern wuchsen um ein Viertel, hieß es.

Microsoft setzt darauf, dass Personal Computer nach dem verstärkten Arbeiten und Lernen von zu Hause aus in der Corona-Pandemie auch dauerhaft eine größere Rolle spielen werden. Auf den Bürokommunikationsdienst des Konzerns, Teams, greifen inzwischen monatlich 270 Millionen Nutzer zurück.

Cloud-Geschäft boomt

Für gemischte Gefühle bei den Investoren sorgte allerdings die Cloud-Sparte Azure. Microsoft hatte sich hier in den vergangenen Jahren einen soliden zweiten Platz hinter dem Onlinehändler Amazon mit seiner Sparte AWS erarbeitet.

Der durch die Corona-Krise bedingte Trend zum Homeoffice und Homeschooling hatte dem Cloud-Computing-Geschäft von Microsoft zuletzt zusätzlichen Schub verliehen. Azure ist im vergangenen Jahr zu einer größeren Einnahmequelle für Microsoft geworden als das Windows-Betriebssystem.

Allein von Oktober bis Dezember kletterten die Azure-Umsätze um 46 Prozent. Damit blieb Microsoft jedoch hinter den hohen Erwartungen mancher Analysten zurück. In den vergangenen Quartalen waren Anleger hier Zuwächse von 50 Prozent und mehr gewöhnt.

Microsoft-Aktie nach Zahlen auf Tal- und Bergfahrt

Die Microsoft-Aktie gerät daraufhin im nachbörslichen US-Handel zunächst unter die Räder, büßte zeitweise 4,7 Prozent ein. Einige Investoren hätten mit einem noch stärkeren Wachstum des Cloud-Geschäfts gerechnet, erklärte Analyst Brad Reback von Stifel die zunächst negative Kursreaktion.

Auf dem anschließenden Analysten-Call gab Microsoft jedoch Entwarnung. Finanzchefin Amy Hood stellte für das laufende Vierteljahr wieder ein höheres Wachstumstempo in Aussicht. Die Aktie erholte sich und notierte zeitweise 3,9 Prozent im Plus, bevor die Kursgewinne wieder etwas abschmolzen.

Eine Beruhigungspille für die Tech-Anleger?

Das dürfte dabei helfen, die Tech-Wachstumssorgen an der Wall Street zu beruhigen, betonte Analyst Dan Ives von der Investmentfirma Wedbush Securities. Technologie-Aktien standen in den vergangenen Tagen im Mittelpunkt eines durch Zinssorgen befeuerten Ausverkaufs an den US-Börsen.

Die Entwicklung der Microsoft-Papiere steht hierfür exemplarisch: Während die an der Technologiebörse Nasdaq notierte Aktie im vergangenen Jahr um 51 Prozent in die Höhe sprang, brach sie im noch jungen Jahr 2022 bereits um 14 Prozent ein. Auch die Ankündigung, den Spieleentwickler Activision Blizzard für rund 70 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen, lastete zuletzt auf dem Kurs der Microsoft-Aktie.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Januar 2022 um 07:35 Uhr.