E-Auto wird an Ladesaeule in Wolfsburg aufgeladen.

Streit über E-Ladesäulen Bezahlen mit Karte oder per App?

Stand: 09.09.2021 15:27 Uhr

Die Bundesregierung möchte, dass ab Juli 2023 alle neuen Ladesäulen für E-Autos mit Lesegeräten für eine Kartenzahlung ausgestattet sein müssen. Autobauer und Energiewirtschaft halten das für einen Anachronismus.

Um den bequemsten Bezahlmodus an Ladestationen für E-Autos ist ein erbitterter Streit entbrannt. Während die Bundesregierung, unterstützt von Banken und Sparkassen, sich dafür einsetzt, dass künftig alle Ladesäulen mit Lesegeräten für Kredit- oder EC-Karten ausgestattet werden, sind der Verband der Autohersteller (VDA) und der Verband der Energiewirtschaft (BDEW) vehement dagegen. Sie halten das Projekt für einen Rückschritt und sprechen von einer veralteten Technologie, die zusätzliche Kosten für die Nutzer verursache und das Innovationstempo bremse.

Sie sind fest entschlossen, eine entsprechende Verordnung, die in einer Woche vom Bundesrat verabschiedet werden soll, in letzter Minute zu stoppen. In einem gemeinsamen Appell, aus dem die Zeitung "Die Welt" zitiert, fordern die Lobbyisten die Ministerpräsidenten der Bundesländer auf, das Ladesäulenverordnung vor der Verabschiedung noch abzuändern. In der bisherigen Vorlage der Bundesregierung ist vorgesehen, dass an allen Ladesäulen, die ab dem 1. Juli 2023 in Betrieb gehen, die kontaktlose Zahlung mit mindestens einer gängigen Debit- oder Kreditkarte angeboten werden muss.

"Kartenlesegeräte braucht kein Mensch"

"Vom Onlinehandel über soziale Netzwerke bis hin zum Arbeitsplatz: Im Jahr 2030 werden digitale Lösungen in allen Lebensbereichen die Regel und nicht die Ausnahme sein", so die Verbände. Das gelte auch für die Elektromobilität. "EC-Kartenterminals als teure Back-Up-Bezahloption braucht in 2030 kein Mensch mehr. Sie sind dann ein Anachronismus wie Telefonhäuschen heute als Back-up für Smartphone-Nutzer", heißt es in dem Appell.

Weiter schreiben die Verbände: "Wir wollen eine hohe Innovationsdynamik bei den Elektromobilitätsdiensten, einen ungebremsten Ausbau der Ladeinfrastruktur und kostengünstige, einfache Lösungen für die Elektromobilistinnen und -mobilisten." Das gehe nur digital. "Wir fordern daher die Bundesregierung und die Bundesländer auf, diesen Weg zu unterstützen. Machen Sie den Weg frei für digitales, mobiles und einfaches Laden." In der Ladesäulenverordnung soll auf verpflichtende Vorgaben für Kartenlesegeräte verzichtet werden. Konkret bedeutet dies, dass Autofahrer über Apps und mobile Anbieter wie PayPal den Strom für ihre Autos bezahlen müssten.

Bezahlen wie an der Tankstelle

Dagegen pocht die Kreditwirtschaft auf offene Bezahlsysteme an den Ladesäulen. "Im Sinne der Verbraucher muss man an jeder Ladesäule mit der Karte bezahlen können, die man im Portemonnaie hat", sagte Karl-Peter Schackmann-Fallis, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), der Deutschen Presse-Agentur. Unterstützt wird die Kreditwirtschaft bei dieser Forderung vom Automobilclub ADAC und dem Deutschen Städtetag.

Verbraucher müssten bequem und sicher an E-Ladesäulen bezahlen können, so wie sie das an Tankstellen gewohnt sind, sagte ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand der "Welt". Dazu sei ein komfortabler Bezahlvorgang mit einer Debit- oder Kreditkarte an einem Kartenterminal essenziell.

Die Wirtschaftsverbände argumentieren dagegen, dass eine solche Verpflichtung den Ausbau der Ladeinfrastruktur weiter verlangsamen würde, weil bislang kaum Ladestationen mit Kartenlesegeräten auf dem Markt seien, es würde Jahre dauern, bis sie eichrechtlich zugelassen seien.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 16. August 2021.