Ein Elektroflugzeug vom Typ Alice des israelischen Herstellers Eviation wird im Rahmen der 53. Internationalen Pariser Luftfahrtausstellung ausgestellt | picture alliance/dpa/AP

Entwicklung von E-Fliegern Vollelektrisch durch die Lüfte

Stand: 06.01.2021 10:48 Uhr

Noch ist klimaneutrales Fliegen Zukunftsmusik. Doch weltweit forschen Unternehmen mit Hochdruck daran, dass Flugzeuge so bald wie möglich elektrisch angetrieben werden können.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles, zzt. in San Francisco

Fliegen und Klimaschutz passt nicht zusammen - noch nicht. Doch das könnte sich ändern, wenn die ersten Elektroflugzeuge zum Einsatz kommen. Im US-Bundesstaat Washington haben zwei Unternehmen vorgemacht, dass vollelektrische Flugzeuge vielleicht doch schneller Serienreife erreichen könnten als bislang angenommen.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Weltweit arbeiten Flugzeugbauer an der Entwicklung elektrisch angetriebener Flugzeuge. Es gibt viele Prototypen wie den X57 Maxwell der NASA. Auf dem Papier sehen die Flieger schick aus. In die Luft gegangen - geschweige denn gebaut worden - sind noch nicht sehr viele.

Ein 18 Jahre alte Maschine als E-Flieger

Die beiden Unternehmen magniX und AeroTEC haben im Mai gezeigt, dass herkömmliche Maschinen sich zu reinen E-Fliegern umrüsten lassen. Vom Grant County International Airport in Moses Lake, gut 300 Kilometer östlich von Seattle, hob eine umgebaute, 18 Jahre alte Cessna vom Typ Grand Caravan 208 erfolgreich ab und kreiste für eine gute halbe Stunde über dem Fluggelände.

Das Ingenieurbüro, das die Maschine umgerüstet hatte, betonte, man habe absichtlich ein weit verbreitetes Serienmodell eingesetzt, um zu zeigen, dass elektrisches Fliegen keine Zukunftsvision mehr ist. Der Strom für den halbstündigen Testflug habe fünf Euro gekostet. Zum Vergleich: Der Kraftstoff für das ursprünglich verbaute Turbo-Propp Triebwerk hätte für die gleiche Flugdauer zwischen 280 und 350 Euro verschlungen.

Auch große Konzerne forschen am elektrischen Fliegen

Bei Cape Air, einer großen Regionalairline in den USA, setzt man große Hoffnungen auf das Elektroflugzeug Alice der Firma Eviation. Es könnte in zwei Jahren seine Zulassung in den USA erhalten und bietet Platz für neun Passagiere.

Auch große Flugzeugbauer wie Airbus beschäftigen sich mit den Elektro-Flugzeugen. Bei Airbus heißt es, bis 2030 - also in neun Jahren - könne man mit elektrisch angetriebenen Flugzeugen auf der Kurzstrecke rechnen. Sie könnten dann gut 100 Passagiere transportieren.

Noch sind Batterien groß und schwer

Vor allem die Batterieentwicklung ist der neuralgische Punkt: Batterien sind derzeit noch deutlich schwerer als Kerosin. Und nicht nur das: Sie benötigen auch mehr Platz. Normalerweise können in einer Cessna 208 bis zu 14 Personen sitzen. In der batteriebetriebenen Version ist derzeit nur vier bis fünf Personen Platz. 

Experten sind sich einig: E-Flieger eignen sich vor allem für kurze Strecken, die weniger als 800 Kilometer lang sind. Diese Distanz liegt im Bereich des Machbaren. Binnen vier Jahren soll diese Reichweite geknackt werden. Rein äußerlich dürften sich elektrisch- und kerosinagetriebene Flugzeuge kaum unterscheiden. 

Weniger Wartungen, niedrigere Kosten

Neben den Emissionen sind auch die Wartungsinvervalle ein Vorteil von E-Fliegern: Die Elektromotoren müssen erst nach 20.000 Stunden im Einsatz gewartet werden; bei den Verbrennungsmotoren ist das Limit schon nach 2000 Stunden erreicht.

Zwar sind die Kosten fürs elektrische Fliegen deutlich niedriger. Dennoch sollte man sich keine allzu großen Hoffnungen machen, dass Flugtickets wieder das Niveau vor der Pandemie erreichen werden. Fliegen wird, da sind sich viele Experten einig, teurer werden - ob mit oder ohne Elektromotor.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. November 2019 um 16:35 Uhr.