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Preisgekrönte Idee Jeans, die weniger Wasser brauchen

Stand: 23.07.2022 15:00 Uhr

Sieben Jeans befinden sich durchschnittlich in deutschen Kleiderschränken. Doch die Produktion ist alles andere als umweltschonend. Ein Familienunternehmen aus Salzgitter will das ändern.

Von Mandy Sarti, NDR

Sie galten einst als robuste Arbeitshose, inzwischen sind sie kaum mehr aus den Schaufenstern wegzudenken. Doch Jeanshosen sind nicht nur gefragt, sondern vor allem auch eines: ein echtes Umweltproblem. Denn für die spezielle Waschung der Hose werden im Schnitt 65 Liter Wasser verwendet.

Mandy Sarti

Innovationspreis für wassersparendes Verfahren

Es sei an der Zeit, daran etwas zu verändern, dachte sich Thomas Klink aus Salzgitter Lebenstedt und entwickelte das wassersparende Verfahren Droptima. "Wenn wir Jeanshosen waschen, verbrauchen wir 80 Prozent weniger Wasser. Das entspricht 60 Prozent weniger Energie, da wir kein Wasser in die Maschinen geben", erklärt er. Die Jeanshosen werden lediglich besprüht. Die Reibung der Hosen gegeneinander sorgt dann für die Wascheffekte.

Gut vier Jahre tüftelte Klink gemeinsam mit seinem Sohn Gregor an dem Prototypen. Das hat sich ausgezahlt: Inzwischen produziert sein Geschäftspartner Amer Azeem mithilfe des umweltschonenderen Verfahrens im pakistanischen Lahore täglich 5000 Hosen.

Auch das Bundeswirtschaftsministerium ist von der kreativen Idee überzeugt und zeichnete sie mit dem Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt aus. Denn mit der Technik aus Salzgitter ließen sich gut 140 Milliarden Liter Frischwasser sparen, heißt es von Seiten des Ministeriums. Immerhin ist die Produktion der Jeanshosen durch den Fast-Fashion-Trend in den vergangen Jahren deutlich gestiegen. Weltweit werden monatlich rund 150 Millionen Jeanshosen produziert.

Herkömmliche Produktion ist umweltschädlich

Doch wie ist Thomas Klink die Idee zu dem Verfahren gekommen? Fast 40 Jahre reiste der Inhaber einer familiengeführten Wäscherei beruflich durch Osteuropa, Afrika und Asien. Was er dort zu sehen bekam, gefiel ihm allerdings gar nicht: "Das mit Chemikalien verunreinigte Wasser wird einfach auf die Felder gelassen. Zum Teil waren die Weiden von dem Indigo ganz blau gewachsen." Die Qualität der ohnehin schon knappen Ressource Wasser leidet.

Mithilfe des Droptima-Verfahrens lässt sich aber nicht nur Wasser einsparen, es werden auch 70 Prozent weniger Schadstoffe eingesetzt. Durch ein Recycling-System gelangen sie zudem nicht in die Umwelt. Denn das benutzte Wasser wird geklärt und wiederverwendet.

Eine innovative Idee, die sich Klink patentieren lassen könnte. Doch darauf verzichtet er bewusst - ihm ist mehr Umweltschutz in der Jeans-Produktion wichtiger: "Ich möchte, dass uns andere Firmen so schnell wie möglich kopieren." Sollte sich das Verfahren durchsetzen, könnten Liebhaberinnen und Liebhaber Jeanshosen in Zukunft ohne schlechtes Gewissen kaufen.

Über dieses Thema berichtete „Hallo Niedersachsen“ im NDR Fernsehen am 18. Juli 2022 um 19:30 Uhr.