Chip von Dialog Semiconductor

Japaner kaufen Dialog Semiconductor Milliarden für schwäbischen Apple-Zulieferer

Stand: 08.02.2021 12:37 Uhr

Der schwäbisch-britische Apple-Zulieferer Dialog Semiconductor hat einer Übernahme durch den japanischen Chiphersteller Renesas zugestimmt. Der zahlt fast fünf Milliarden Euro für das Unternehmen.

In die Halbleiterindustrie kommt Bewegung. So hat der schwäbisch-britische Apple-Zulieferer Dialog Semiconductor einer Kaufofferte des japanischen Chipherstellers Renesas Electronics zugestimmt. Die beiden Unternehmen arbeiten bereits seit Jahren zusammen und kennen sich gut.

Die Japaner wollen Dialog für 67,50 Euro pro Aktie kaufen, was einem Aufschlag von gut 20 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag entspricht. Danach wird das einst in Kirchheim unter Teck gegründete Unternehmen mit rund 4,9 Milliarden Euro bewertet. Aktionäre und Aufsichtsbehörden müssen den Deal noch genehmigen. Dialog rechnet mit einem Vollzug in der zweiten Jahreshälfte.

Einstige Ausgliederung von Daimler

Renesas verspricht sich von der Übernahme Einsparungen von 125 Millionen Dollar und einen Umsatzschub um 200 Millionen Dollar binnen fünf Jahren. Renesas-Chef Hidetoshi Shibata sprach von einem "wichtigen Schritt, der die Wachstumspläne von Renesas nach vorne katapultieren wird". Dialog-Chef Jalal Bagherli hofft vor allem auf die Marktmacht, den Vertrieb und die Kundenbetreuung der Japaner. Erst im August hatten die beiden Unternehmen ihre Zusammenarbeit ausgebaut.

Dialog Semiconductor war einst als Abspaltung von Daimler gegründet worden, hatte dann aber seinen Hauptsitz nach London verlegt. Erst im Zuge des Brexit hatte es seinen Firmensitz wieder an seinen Ursprungsort Kirchheim an der Teck verlegt, eine Stadt mit 40.000 Einwohnern 35 Kilometer südöstlich von Stuttgart. Dort gibt es auch noch eine Entwicklungs- und Fertigungsstätte.

Weil der Hauptsitz in Großbritannien war, musste Dialog im März vergangenen Jahres sowohl den TECDAX als auch den MDAX verlassen. Eine Rückkehr in die Indizes der Deutschen Börse erscheint nun nach der Übernahme durch Renesas als unwahrscheinlich, auch wenn der Hauptsitz wieder in Deutschland liegt.

Geschäft mit der Autoindustrie brummt

Dialog hat sich vor allem als Entwickler von Chips für den iPhone-Hersteller Apple einen Namen gemacht. Allerdings übernahm der US-Computerriese einen Teil des Geschäfts mit iPhone-Chips 2019 selbst. Bis 2022 soll der Anteil von Apple am Dialog-Umsatz deshalb auf 35 bis 40 Prozent schrumpfen. Weil aber gleichzeitig das Geschäft mit Chips für die Autoindustrie brummt wie nie zuvor, konnte die rückläufige Nachfrage von Apple mehr als ausgeglichen werden. Das Management geht davon aus, dass die Erlöse im vierten Quartal zwischen 436 und 441 Millionen Dollar betragen haben. Das sind fast 15 Prozent mehr als zuvor erwartet war.

Renesas ist aus den ehemaligen Chip-Sparten der Elektronik-Konzerne Hitachi, Mitsubishi Electric und NEC entstanden. Der Infineon-Konkurrent hat bei Mikrocontrollern für die Autoindustrie einen Weltmarktanteil von 30 Prozent, versucht sich aber auch in anderen Bereichen mit Übernahmen zu verstärken. 2017 und 2019 wurden Intersil Corp und Integrated Device Technology (IDT) gekauft. 2019 erwirtschaftete der japanische Chipkonzern einen Umsatz von 718 Milliarden Yen (umgerechnet 5,7 Milliarden Euro), 2020 lag er nach neun Monaten auf Vorjahresniveau.

Über dieses Thema berichtete B5 Börse am 08. Februar 2021 um 09:15 Uhr.