Ein Modell der ersten IBM-PC steht in einem Museum | dpa

Start des IBM-PC 1981 Mit Mittelmaß zum Marktführer

Stand: 12.08.2021 12:46 Uhr

Vor 40 Jahren läutete IBM mit der Einführung seines ersten PC eine neue Ära ein. Kein anderer Computer beeinflusste Arbeit und privates Leben mehr, obwohl das Gerät weder innovativ noch leistungsstark war.

Von Philipp Wundersee, WDR

Eigentlich sei er eine große Enttäuschung gewesen, sagt Michael Mikolajczak. Er ist Kurator beim Heinz Nixdorf Museumsforum in Paderborn. Vor ihm steht ein Exemplar des IBM 5150 aus dem Jahr 1981. Ein Kasten, so groß wie eine Schreibmaschine - mit einem Prozessor, der eine Taktung von 4,77 MHz besitzt. "Technisch war der PC von IBM nicht revolutionär und leistungsstark", sagt Mikolajczak. "Der Vorteil gegenüber dem Hauptkonkurrenten Apple war sicherlich die Kompatibilität. IBM erlaubte anderen Unternehmen den Nachbau ihres Rechners."

Philipp Wundersee

So entwickelte sich die "IBM-Architektur", eine Art offener Baukasten, für viele Jahre zum Standard auf dem Markt. Der Blick unter das Gehäuse zeige aber, dass der Rechner selbst nach damaligem Stand technisch rückständig gewesen sei, so der Computerexperte.

PC wird zum Verkaufsschlager

Doch der PC traf in den 1980er-Jahren den Nerv der Käufer. "Die Menschen vertrauten einem Produkt des weltweit bekannten Unternehmens IBM", sagt Mikolajczak. Der US-Hersteller stand für Seriosität und Zuverlässigkeit. Ein Unternehmen, welches seit Jahrzehnten führend bei Großrechnern war, konnte bei einem Personal Computer nicht viel falsch machen, so die Meinung vieler Käufer.

Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich IBM zum Marktführer, und der Computer wurde zunehmend zum Massenprodukt. "Mit der Veröffentlichung des IBM-PC veränderte sich auch die Gesellschaft", sagt Mikolajczak. "Der Computer beeinflusste mehr und mehr den Alltag, sowohl in der Arbeitswelt als auch im privaten Bereich. Technik wurde sozusagen persönlich."

Dabei war der PC keine Erfindung von IBM, sondern nur eine Antwort auf den wachsenden Markt von kleineren Rechnern. In den USA kostete die günstigste Version, die man noch mit einem eigenen Bildschirm koppeln musste, damals rund 1500 US-Dollar.

Angst vor geringen Margen

Eigentlich wollte IBM gar nicht in den Markt einsteigen - aus Sorge, die Margen könnten zu gering sein. Am Ende sah man sich gezwungen, dem Konkurrenten Apple den Erfolg nicht alleine zu überlassen. "Es ist der Computer für jeden, der schon immer einen persönlichen Rechner im Büro, auf dem Campus einer Universität oder zu Hause haben wollte", bewarb damals IBM-Vizepräsident C. B. Rogers den Rechner. In einem Werbeprospekt von 1981 verkündete IBM stolz: "256 verschiedene Zeichen lassen sich auf dem IBM-Bildschirm darstellen. Die Grundfarbe des Bildschirms ist grün."

Der Rechner eignete sich für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und auch für Telespiele. Das Kalkulationsprogramm für den IBM-PC konnte komplexere Rechenmodelle ausführen als der Apple II. Das Gerät verdrängte damit die Konkurrenz aus den Büros.

Rasante Entwicklung der Technik

Die technische Entwicklung lief unglaublich schnell. Am Ende verlor der Platzhirsch IBM den Anschluss, sagt Michael Mikolajczak. 2005 verkaufte IBM seine PC-Sparte samt Marktrechten an den chinesischen Konzern Lenovo.

Vom ersten kommerziell erfolgreichen Computer Altair 8800 1975 über den IBM-PC von 1981 bis hin zu unserer heutigen Technik sind gerade 46 Jahre vergangen. Innerhalb weniger Jahre fanden wir uns plötzlich im Computerzeitalter wieder, welches die Grundlage für unser jetziges digitales Zeitalter bildete.

Die Branche stehe im Moment vor großen Umbrüchen und großen Fragen, sagt Mikolajczak. "Welches Unternehmen setzt sich durch, welche Chip-Architektur wird führend sein, wird die Komplexität des PCs noch benötigt - oder wird zukünftig alles in die Cloud verlagert?"

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 12. August 2021 um 14:54 Uhr.