Ein Plugin-Hybrid tankt Strom | dpa

Halb Stromer, halb Verbrenner Wachsende Zweifel an Plugin-Hybriden

Stand: 19.10.2021 08:11 Uhr

Plugin-Hybride verkaufen sich gut, denn der Staat fördert den Kauf. Doch die Kritik an der Antriebsart wird lauter: Im elektrischen Betrieb sind sie offenbar seltener als bisher angenommen.

Von Cecilia Knodt und Alexandra Gondorf, SWR

Die Nachfrage nach sogenannten Plugin-Hybridautos wächst. 11,6 Prozent der Neuzulassungen im September waren laut Kraftfahrtbundesamt solche Kombimodelle aus Verbrenner und Elektromotor. Der Plugin-Hybrid ist so etwas wie das Einsteigermodell für all diejenigen, die zwar offen für die Elektro-Technologie sind, aber dem Ladenetz und der Reichweite noch nicht so recht trauen. Das Richtige also für diejenigen, die die Bequemlichkeit eines Verbrenners noch nicht missen möchten.

Zu ihnen gehört auch Thomas Vollmer. Mit seinem 7er BMW als Plugin-Modell fährt er vor allem innerorts elektrisch, erst auf der Autobahn wechselt seine Luxus-Limousine in den Benzinmodus: "Ein grünes Gewissen fährt einfach mit." Den Elektromotor lädt er zu Hause per Kabel wieder auf. So stellen sich das auch Hersteller und Politik vor, die die Anschaffung mit bis zu 6750 Euro fördern. Die Kritik daran wächst zunehmend. Vor allem Umweltverbände vermuten, dass viele bei der Anschaffung eher an diese Prämie als an die Umwelt denken.

Wenn der Arbeitgeber den Sprit bezahlt

Mehr als die Hälfte der Plugin-Hybride werden als Dienstwagen genutzt - und hier wird es spannend. Denn Studien des Fraunhofer Instituts zeigen, dass dienstliche Fahrerinnen und Fahrer den Wagen deutlich seltener laden als Privatleute. So hätten Dienstwagen einen elektrischen Fahranteil von 18 Prozent, Privatwagen kämen auf 43 Prozent.

Eine bessere Öko-Bilanz im Vergleich zum normalen Verbrenner hätten die Hybride aber überhaupt erst ab 50 Prozent, so Patrick Plötz vom Fraunhofer Institut Karlsruhe. Die Daten von weltweit 100.000 Plugin-Hybriden hat er ausgewertet und dabei außerdem festgestellt: "Die realen Verbräuche sind zwei bis vier Mal so hoch wie in Testzyklen und Werbung angegeben. Das liegt vor allem daran, dass die Fahrzeuge deutlich weniger geladen werden als gedacht."

Abweichungen zwischen den Real- beziehungsweise Laborwerten seien zwar keine Seltenheit - derartige Unterschiede hätten aber selbst ihn überrascht. Wenn Hersteller also mit einem Verbrauch von zwei Liter auf 100 Kilometer werben, liege der tatsächliche Verbrauch eher bei vier bis acht Liter. Der CO2-Ausstoß fällt entsprechend auch höher aus.

Prämie erst bei Elektro-Nutzung auszahlen?

Die Niederlande und Großbritannien haben ihre staatlichen Förderprogramme für Plugin-Hybride inzwischen eingestellt. In Deutschland wurde die sogenannte "Innovationsprämie" vom Staat bis 2025 verlängert; allerdings werden Plugin-Hybride vom kommenden Jahr an nur noch dann gefördert, wenn sie im reinen Elektrobetrieb eine Mindestreichweite von 60 Kilometer und ab 2025 von mindestens 80 Kilometer aufweisen.

Soweit die Theorie. Ob aber die Autofahrerinnen und Autofahrer ihren Wagen dann in der Praxis auch häufiger an der Ladesäule anschließen, bezweifelt Klaus-Peter Gussfeld vom BUND Baden-Württemberg. Plugins in ihrer bisherigen Nutzung seien eine Mogelpackung, er halte eine nachgelagerte Förderung für sinnvoller: "Fördermittel sollten erst dann ausgezahlt werden, wenn wirklich nachgewiesen ist, dass mindestens 70 bis 80 Prozent der Fahrleistung elektrisch erfolgen." Die benötigten Daten könnten etwa nach zwei Jahren über den Bordcomputer ausgewertet werden.

Das Bundeswirtschaftsministerium will ein solches Verfahren prüfen. Anderthalb Jahre werde das dauern. Und so rechnen Leasingfirmen damit, dass auch künftig unbenutzte Ladekabel bei ihnen zurückgegeben werden.

Über dieses Thema berichtete BR24 aktuell am 16. September 2021 um 09:43 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
Moderation 19.10.2021 • 12:52 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Meldung wurde bereits sehr stark diskutiert. Entscheidende neue Aspekte, die einer konstruktiven Diskussion förderlich wären, sind nicht mehr hinzugekommen. Deshalb haben wir beschlossen, die Kommentarfunktion zu schließen. Die Moderation