Mann steht in einem Baumarkt vor einer Auswahl von Brettern | dpa

Hohe Nachfrage Deutschland geht das Holz aus

Stand: 24.04.2021 09:04 Uhr

Holz wird knapp in Deutschland. Weil ihnen der Rohstoff fehlt, haben es Handwerksbetriebe schwer, ihre Aufträge abzuarbeiten. Die hohe Nachfrage vom Bau treibt den Preis in die Höhe.

Von Sebastian Jakob, hr

Viel zu groß wirkt die Lagerhalle für das wenige Holz, das noch da ist. Zimmermann Peter Hellmuth schneidet mehrere Balken zurecht. Er hat eine schlaflose Nacht hinter sich. Seine Auftragsbücher sind zwar voll, sein Holzvorrat aber ist leer. Der 59-Jährige hat kaum noch Ware, um die Wünsche seiner Kunden zu erfüllen. Normalerweise stünden Lieferanten Schlange, um ihm Holz anzubieten. Jetzt müsse er betteln, um überhaupt noch welches zu ergattern. Dazu kämen lange Lieferzeiten.

"Wenn wir unser Material nicht schnell genug bekommen, kann es passieren, dass wir im Sommer, wenn es bei uns richtig boomt, Kurzarbeit anmelden müssen. Wegen Materialmangel. Das gab's noch nie", sagt der Zimmermeister. Wenn ihm noch sogenanntes Schnittholz angeboten wird, sei es doppelt so teurer als noch vor wenigen Monaten. Den Preis muss er auf seine Kunden umwälzen. "Bei Privatleuten ist das unangenehm, aber machbar. Schwierig wird es bei der öffentlichen Hand. Da sind die Baupreise oft gedeckelt", sagt Hellmuth. Für ihn bedeutet das: Er muss im schlimmsten Fall sogar draufzahlen.

Die Preise schießen in die Höhe

Der Grund für die Holzknappheit und den Preisanstieg: der Bauboom in Coronazeiten. Die Nachfrage im In- und Ausland steigt. Viele große Sägewerke exportieren derzeit massiv. Laut Bundesverband der Deutschen Säge- und Holzindustrie waren es 20 Millionen Festmeter Rund- und Schnittholz im vergangenen Jahr. Das sind mehr als 80 Prozent mehr als noch im Jahr 2019. Den größten Teil davon macht Nadelrundholz aus.

Hauptabnehmer sind China und die USA. Dort wird mehr gezahlt als in Deutschland - sogar für minderwertiges Fichtenholz, das wegen Trockenheit, Sturmschäden oder Borkenkäferbefall in Deutschland notgefällt wurde und dadurch massenhaft anfiel. Selbst dieses Holz ist hier langsam aufgebraucht. Auch Nicole Dölle-Otto hat in ihrem eher kleinen, familiengeführten Sägewerk in Nordhessen kaum noch Vorrat, und wenn, ist das Holz deutlich teurer als zum Jahresbeginn. "Es ist so, dass teilweise horrende Summen geboten werden, nur damit man liefert. Damit die Baustellen nicht stillstehen", sagt Dölle-Otto. "Der Markt macht den Preis. Vor kurzem hat ein Festmeter Fichte noch etwa 30 Euro gekostet. Jetzt sind wir schon bei fast 90 Euro angekommen."

Absterbende Sitkafichten stehen im Revier Steinfelder Holz des Forstamtes Billenhagen bei Rostock. | dpa

Durch Trockenheit, Sturmschäden und Borkenkäferbefall gibt es viel Schadholz in deutschen Wäldern. Doch selbst minderwertiges Fichtenholz wird knapp. Bild: dpa

Einschlagstopps bereiten Waldbesitzern Probleme

Während die Kasse bei den Sägewerken und Holzhändlern klingelt, macht sich bei einigen Waldbesitzern Frust breit. Sie bekommen kaum etwas von den Preissteigerungen ab. Philipp Russell bewirtschaftet etwa 450 Hektar Privatwald bei Kassel. Der Aufwand, in den vergangenen Monaten Schadholz aus seinem Wald zu räumen, war oft teurer als der Gegenwert des Rohstoffs. Das hat ihm finanziell schwer zugesetzt. Und jetzt, wo die Preise wieder steigen, hat er kaum noch hochwertige Bäume, die er fällen und teuer verkaufen könnte. Dazu kommt, dass viele Forstbetriebe - beispielsweise auch die Landesanstalt HessenForst - in der Vergangenheit einen Einschlagstopp für frisches Nadelholz verhängt hatten, damit nicht noch mehr Holz den eigentlich gesättigten Markt überschwemmte. Jetzt hat sich die Lage gewendet. Holz wird immer knapper; vor allem hochwertiges.

Um dem entgegenzuwirken, haben einige Forstbetriebe den Einschlagstopp aufgehoben, und es wird wieder Frischholz gefällt. Zimmermann Peter Hellmuth reicht das nicht. Er fordert von der Politik, regulierend einzugreifen. "Zumindest müsste man erstmal sagen: In Deutschland brauche ich so und so viel Kubikmeter Holz. Und dann erst sollte man den Rest exportieren." Er hofft, dass sich Angebot und Nachfrage einpendeln, damit er seine Kundenwünsche wieder erfüllen kann.